CDU-Kreistagsfraktion im Gespräch mit dem Frauenhaus-Verein Wetzlar:

Schade, dass es Frauenhäuser geben muss;
gut, dass es engagierte Betreiber gibt

Die CDU-Kreistagsfraktion hat zum wiederholten Mal das Gespräch mit den Vertreterinnen des Frauenhaus-Vereins Wetzlar gesucht, um sich über die aktuelle Arbeit zu informieren. Wie Anita Schmidt, die seit 28 Jahren dort arbeitet und heute Leiterin der Beratungsstelle und des Frauenhauses ist, Sigrid Kirdorf, seit über 20 Jahren im Vorstand, und Christiane Tillmann, die als Psychologin arbeitet, Frauen in der Zufluchtsstelle betreut sowie im Bereich der Krisenintervention tätig ist, berichteten, sei Gewalt gegen Frauen heutzutage leider keine Seltenheit. Im Jahr 2016 wurden 110.000 Frauen Opfer von Mord, Totschlag, Körperverletzung, Bedrohung, sexueller Nötigung oder Vergewaltigung im häuslichen Umfeld.

Das erste Frauenhaus wurde in Deutschland vor 42 Jahren eröffnet. Mittlerweile gibt es 350 Frauenhäuser mit über 6000 Plätzen. Das Wetzlarer Frauenhaus wurde vor gut 30 Jahren gegründet. Es hat 24 Plätze für Frauen und Kinder und ist mit 85 bis 88 Prozent hoch ausgelastet. Die Verweildauer der Frauen und der Kinder ist extrem unterschiedlich. Sie reicht von einem Tag bis zu zwei Jahren. In der Regel dauert ein Aufenthalt aber drei bis sechs Monate, wobei das Alter der Zufluchtsuchenden in der Regel zwischen 25 und 45 Jahren liegt. Die Spanne reicht von 18 bis 70 Jahren. Im Laufe der vielen Jahre habe man, so Anita Schmidt, über 40 Nationalitäten betreut. In der Regel liege der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und ohne bei etwa 50:50. Früher habe man es mit Problemfällen im Bereich Frauenhandel aus den Philippinen und Thailand zu tun gehabt, danach hätten teilweise Frauen aus der Türkei Hilfe gesucht. Heute stellten syrische, afghanische und irakischen Frauen in etwa die Hälfte aller Hilfesuchendenden.

Natürlich gebe es eine Dunkelziffer, die man nur schwer abschätzen könne. Die Einrichtung in Wetzlar mit dem Beratungsangebot habe sich in den letzten Jahren sehr etabliert. Angeboten würden regelmäßige Gesprächszeiten, es gebe ein Notfalltelefon, und seit 2004 sei man eine Interventionsstelle für Stalking und häusliche Gewalt, so dass man auch kurzfristig in Notsituationen helfen könne. Die Zusammenarbeit mit Institutionen wie Polizei und Behörden sei sehr gut. Durch diese Vernetzung könne man ein professionelles Beratungsangebot anbieten.

Gleichwohl gebe es auf die Zukunft ausgerichtet Wünsche. So wäre es sinnvoll, wenn die Richtlinien und Standards des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes bundesweit zumindest ansatzweise umgesetzt würden, man mehr Klarheit über zusätzliche Gelder erhalten könnte und eine Preisgleitklausel hätte. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn man ein Angebot für Kinder machen könne, die unter häuslicher Gewalt in besonderer Weise leiden. Hier sei man dabei, eine ambulante Hilfe aufzubauen.

Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, MdB, die Abgeordneten Heike Ahrens-Dietz, Nicole Petersen und Franz-Ludwig Löw bedankten sich für den großen Einsatz des Vereins sowie den Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen für ihre Arbeit. Natürlich sei es schade, dass man solche Einrichtungen überhaupt benötige. Auf der anderen Seite sei es gut, dass es sie gebe und dass sich hier engagierte Persönlichkeiten mit viel persönlicher Empathie für die betroffenen Frauen, die in sehr schwieriger Situation seien, einsetzten.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier

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