Grundschule Waldgirmes erhält Anbau für 1,4 Millionen Euro

Überfällige Entscheidung – CDU setzte sich durch

Dass in der Grundschule Waldgirmes mit einem engagierten Kollegium guter Unterricht angeboten wird, steht für die CDU unzweifelhaft fest. Wären die entsprechenden baulichen Möglichkeiten genauso top, wäre das Glück vollkommen. Lange hat die Grundschule auf den Anbau warten müssen, für den jetzt 1,4 Millionen Euro vorgesehen sind. Der Lahnauer CDU-Kreistagsabgeordnete Daniel Steinraths wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Union in den letzten Jahren mehrfach per Antrag versucht habe, die Räumlichkeiten für die Grundschule zu verbessern. Dies sei aber von SPD, FWG und Grünen in schöner Regelmäßigkeit abgelehnt worden.

Die Koalition, so Steinraths, habe sich mit dieser Entscheidung schwergetan, weil sie damit eingestehen musste, dass die Prognosen der CDU völlig zutreffend waren. Sie hatte erstens davon gesprochen, dass die Schülerzahlen nicht zurückgehen, dass durch Inklusionsmaßnahmen, Sozialarbeit an Schulen, Sprachförderung und andere pädagogisch sinnvolle Maßnahmen der Raumbedarf eher steige statt sinke und dass es zweitens inakzeptabel sei, dass man Grundschulkinder auf Dauer in Containern unterrichte. Das sei alles andere als zeitgemäß.

Aussagen von Schuldezernent Schreiber widerlegt

CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer erinnerte daran, dass Schreiber 2011 und in späteren Jahren immer wieder davon gesprochen habe, dass die Klassenzahlen in der Grundschule in Waldgirmes rückläufig seien, nachdem dort auch die Atzbacher Kinder aus der Schule im Amthof aufgenommen werden mussten, und dass die Container nicht mehr benötigt würden, so dass sich Baumaßnahmen erübrigen würden. Selbst die Lahnauer SPD-Fraktion hatte darauf hingewiesen, dass es objektiv feststellbare räumliche und organisatorische Probleme gebe, die kurz- und mittelfristig zu lösen seien. In die gleiche Kerbe schlugen auch die damaligen Grünen aus Lahnau, die erklärten, dass das Raumangebot in der Grundschule als nicht ausreichend bezeichnet werden müsse, dass die Zahlen des Kreises bezüglich der Schülerentwicklung falsch seien und dass sich die Betreuungssituation verschlechtere.

„2013 wieder Schule im Amthof“

So berichtete die „Wetzlarer Neue Zeitung“ am 13.3.2011 nach einer Podiumsdiskussion der damals sehr engagierten Elterninitiative zum Erhalt des Amthofes als Grundschule nach einem Gespräch mit den Abgeordneten des Kreistages. Wenige Tage vor (!) der Kommunalwahl 2011 hatten sich damals alle Fraktionen des Kreistages für den Erhalt der Grundschule im Amthof ausgesprochen und damit auch für den Ausbau desselben. Die Kreisregierung von SPD, FWG und Grünen sicherte den Eltern zu, dass man im August verlässliche Zahlen habe, um dann entsprechend starten zu können. Und – o Wunder – die Zahlen gaben angeblich nicht mehr das her, was man von Kreisseite aus erwartet hatte, obwohl das Gemeindeparlament als freiwillige Leistung 300.000 Euro Zuschuss zugesagt hatte.

Kreis hat Amthof verkommen lassen

Nun rächte es sich, dass der Kreis, der das Gebäude von der Gemeinde Lahnau vor Jahrzehnten kostenfrei übernommen hatte, wenig in das denkmalgeschützte Gebäude zur Substanzerhaltung investiert hatte. Der frühere Bürgermeister Schleenbecker hatte im Jahr 2000 (!) bei Richtfunkantennenarbeiten auf dem Dach festgestellt, dass das Dach wurmstichig ist und dringender Handlungsbedarf besteht. Die Schulleitung hatte im Oktober 2002 nach einem Besuch der CDU-Kreistagsfraktion erklärt, dass man auf eine Erneuerung der Fenster hoffe, um die hochziehende Feuchtigkeit in den Griff zu bekommen. Im Februar 2003 hatte die CDU-Kreistagsfraktion den Antrag gestellt, 250.000 Euro für den Dachausbau in den Haushalt einzustellen. SPD, Grüne und Freie Wähler lehnten ab.

Im August 2010 erklärte dann der Kreis, dass es ein Gutachten gebe, wonach die Schule ein Sanierungsfall sei. Man habe im Februar (2010!) festgestellt, dass das Dach marode sei - zehn Jahre nach der Feststellung des damaligen Bürgermeisters Schleenbecker. In der Zwischenzeit hatte man immerhin neue Fenster eingezogen, die Fassade teilweise überarbeitet, teilweise neue Böden eingezogen und die Lehrertoilette neu gemacht. Alles vor dem August 2010. Vorausschauende Politik sieht anders aus, denn wenn man in ein denkmalgeschütztes Gebäude investiert, dann sollte man sich vorher über den Sanierungsstand informieren. Das, was der Kreis dort bis 2010 investiert hat, war im Nachhinein betrachtet hinausgeworfenes Geld, weil die Schule geschlossen wurde.

Wahlbetrug

Diese Diskussion wenige Tage vor der Kommunalwahl 2011 war der Klassiker. Vor der Wahl den engagierten und aufgebrachten Eltern gegenüber etwas versprochen, nach der Wahl das Gegenteil dessen gemacht, was man versprochen hat. So muss man sich über Politikverdrossenheit nicht wundern.

Nach vorne schauen

Das Ganze ist Geschichte, aber sie ist es wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Die Schule ist heute gut angenommen. Sie hat eine kompetente Schulleitung und ein engagiertes Kollegium. Und wenn dann endlich (!) die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden, dann kann die ganze Schulgemeinde mit weniger Sorgenfalten und weniger Organisationsaufwand in die Zukunft schauen. Das wünscht die Union der Schule, den Kindern, den Eltern und der gesamten Gemeinde.

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Daniel Steinraths
Daniel Steinraths
Aktuelle Ausgabe8/2019