Hauptkommissar warnt vor falschen Polizisten am Telefon
Nach Aufforderung nicht zahlen

Immer mehr ältere Menschen werden durch falsche Polizisten hereingelegt. Darauf hat der Erste Kriminalhauptkommissar Claus Opfermann vom Hessischen Landeskriminalamt hingewiesen. Opfermann war Gast bei der Bürgerinitiative Pro Polizei. Deren Vorsitzender, der Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer, konnte über 150 Besucher im vollbesetzten Saal „Tasch’s Wirtshaus“ in der Spilburg zum Thema „Wie sich gegen Fangfragen am Telefon schützen“ begrüßen.
Gleich zu Beginn zeigte Opfermann falsche Polizeiausweise und Marken der Kriminalpolizei. Solche „Ausweise“ könne heute jeder bei Amazon übers Internet bestellen. Bürger sollten grundsätzlich kritisch Menschen begegnen, die ihnen vorgeben als Polizisten zu agieren. Auch eine Uniform sei nicht unbedingt Beleg dafür, dass die Person an der Haustür tatsächlich ein Polizist ist.

Opfermann berichtete, dass deutschlandweit täglich Trickbetrüger per Telefon versuchten, vor allem ältere Mitbürger hereinzulegen. Beliebt sei der sogenannte Enkeltrick. Dabei geben sich Anrufer als Verwandte aus, um unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an deren Bargeld oder Wertgegenstände zu gelangen. „Wenn etwas von Ihnen gefordert wird, können Sie sicher sein, dass es nicht die Polizei ist“, war einer der Ratschläge.
Eine Besucherin schilderte, dass sie kürzlich von einem Anwaltsbüro aus Österreich angerufen worden sei. Der Anrufer forderte die Zahlung einer Summe. Damit könne verhindert werden, dass die gesammelten Unterlagen an die Staatsanwaltschaft übergeben werden. Sofort meldeten sich weitere Besucher, denen ähnliches passiert ist. „Was soll ich denn machen, wenn ich angerufen werde?“, fragte eine Besucherin. „Sofort auflegen. Sie müssen sich nicht mit dem Anrufer unterhalten. Wenn Sie sich darauf einlassen, wird der Druck auf Sie immer größer. Beenden Sie das Gespräch“, so Opfermann. Sollte die gleiche Nummer noch einmal anrufen und diese auf dem Display des Telefons zu sehen sein, solle man gar nicht abnehmen. „Seien Sie skeptisch, wenn Sie gefragt werden, was Sie an Geld oder Schmuck im Haus haben“, so ein weiterer Rat.
In anderen Telefonaten mit den Telefonbetrügern wird den betagten Opfern die freudige Nachricht überbracht, dass sie einen sechsstelligen Geldbetrag gewonnen haben. Die Summe variiert dabei. Ziel des Anrufers ist es, dass der Angerufene vorab entstanden Kosten überweisen soll. Der Betrag soll auf eine Bankverbindung in Deutschland oder gar im Ausland überwiesen werden. Eine Gewinnauszahlung gebe es in diesen Fällen nie. Es gehe nur um das Bezahlen der angeblichen Kosten.

Opfermann berichtete, dass von 1000 Anrufversuchen nur drei erfolgreich seien. Aber das lohne sich für die Betrüger, könnten sie doch die Geprellten um Summen von 2000 bis 150.000 Euro erleichtern. Eine Zahl, wie hoch die Anrufquote ist, gebe es nicht. Er ermutigte die Besucher des Vortrages, jeden Betrugsversuch bei der Polizei zu melden.
Die Anrufer seien psychologisch geschult und könnten auf jede Situation entsprechend reagieren. Sie versuchten die Senioren unter Druck zu setzen, ihnen Bargeld, Schmuck und Waffen zu übergeben. Einige würden an der Haustüre klingeln und die Senioren im Taxi zur Bank begleiten, damit diese ihr Vermögen abholen könnten. Andere Opfer würden aufgefordert, ihr Vermögen in einen Park zu bringen. Die Anrufer schürten Ängste, selbst den Bankangestellten sei nicht zu trauen.
Viele Betrüger nutzen falsche Telefonnummern. So würden manchmal die Ortsvorwahl und die Rufnummer 110 angezeigt. „Die Polizei wird niemals über die Notrufnummer 110 bei Ihnen anrufen“, warnte Opfermann. „Es wird auch kein Polizist Sie auffordern Geld, Schmuck oder Waffen zu übergeben.“ „Seien Sie kritisch bei solchen Aufforderungen“, war sein Rat. „Im Zweifel informieren Sie sich über ein anderes Telefon bei der nächsten Polizeistation.“ Man solle nicht den Apparat benutzen, auf dem die Betrüger angerufen haben. Dieser könnte umgestellt worden sein, so dass man bei der Wahl der 110 wieder bei den Betrügern lande.
Erkenntnisse der Polizei zeigten, dass viele Anrufe von Callcentern in der Türkei kommen, gegen die man nicht angehen könne. In einigen Fällen könne die Polizei die Abholer dingfest machen und zu Gefängnisstrafen verurteilen. Die Urheber aber blieben ohne Konsequenzen.
Opfermann berichtete auch, dass sich Betrüger als Handwerker oder Stromableser tarnen. Andere fragen, ob sie einen Schluck Wasser bekommen können. Ist die Wohnungstür erst einmal geöffnet, schleicht sich ein zweiter Mann ein und durchsucht die Schränke, um an Diebesgut zu gelangen. Besonders dreist sei die Masche, Menschen, die schon einmal durch den Enkeltrick hereingelegt worden sind, mit einer Gewinnbenachrichtigung noch einmal auszunehmen.
Opfermann lobte die Wetzlarer Einrichtung von Sicherheitsberatern für Senioren. Durch Prävention könnten ältere Menschen davor bewahrt werden, auf die Maschen der Betrüger hereinzufallen. Besonders bei Senioren sei das Vertrauen in die Behörden stark ausgeprägt. Dies werde von Betrügern schamlos ausgenutzt.
Der Referent gab Irmer zwei Aufgaben mit in den Innenausschuss in Berlin. Er möge sich dafür einsetzen, dass es möglich werde, die türkischen Callcenter zu belangen. Und er solle sich einsetzen, dass es bundeseinheitliche Ausweise für die Polizei gibt. Bislang hat jedes Bundesland seine eigenen Ausweise, was den Bürgern ein Erkennen von echten und falschen Polizisten unmöglich mache.
Irmer wies darauf hin, dass Pro Polizei am 8. März zum Heringsessen einlädt. Dabei wird Dr. Alana Krix zum Thema „Was sind Zeugenaussagen wert?“ sprechen. Am 5. April kommt Polizeipräsident Bernd Paul und informiert über die Kriminalitätsrate im Lahn-Dill-Kreis.

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