„Open Doors“ appelliert an Politik und Kirchen

Christenverfolgung nimmt weltweit zu

1955 wurde das christliche Hilfswerk Open Doors gegründet, das seit dem Jahr 2003 regelmäßig einen „Weltverfolgungs-Index“ veröffentlicht, der das Ausmaß der Verfolgung von Christen in 50 Ländern der Welt dokumentiert. In diesen 50 Ländern leben etwa 5 Milliarden Menschen, darunter 700 Millionen Christen.

Verfolgung wird definiert als „jegliche Art von erlebter Anfeindung aufgrund der Identifikation einer Person mit Christus“. Dies kann feindselige Haltungen, Worte und Handlungen gegenüber Christen umfassen. Darüber hinaus lehnt sich Open Doors an die Definition von Verfolgung des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen an. Es ist gut, dass es Open Doors gibt, denn die Klarheit der Benennung der Probleme der Christenverfolgung ist deutschland- und europaweit nicht so häufig anzutreffen.

So kommt Open Doors mit Sitz in Kelkheim zum Ergebnis, dass die Lage verfolgter Christen und anderer Minderheiten alarmierend ist. Darüber berichtete aktuell auch das „Idea Spektrum“ 3/2019. Zunehmend würden totalitäre Herrschaftssysteme, religiöser Nationalismus und ein sich ausbreitender Islamismus die Religionsfreiheit und damit auch das Leben der Christen bedrohen. So wurden alleine im letzten Jahr rund 4200 Christen aufgrund ihres Glaubens getötet. Über 3000 wurden ohne Gerichtsverfahren verhaftet, Millionen werden drangsaliert, schikaniert und von der freien Berufswahl ausgeschlossen.

Die „Hitparade“ der Unterdrücker

Open Doors hat in einer Abstufung die zehn schlimmsten Unterdrückungsländer klassifiziert. Es sind dies

1. Nordkorea

2. Afghanistan

3. Somalia

4. Libyen

5. Pakistan

6. Sudan

7. Eritrea

8. Jemen

9. Iran

10. Indien

Einen unrühmlichen Sprung nach vorne, nämlich auf Platz 27, machte China, im Vorjahr Platz 39. Seit Frühjahr des letzten Jahres werden überall im Lande Kreuze von Kirchengebäuden entfernt, Kirchen abgerissen, Gemeinden aufgelöst, Kirchenbesucher bedroht und Christusbilder in Gemeinderäumen durch das Porträt des kommunistischen Staatschefs Xi Jinping ersetzt. Kirchen erhalten die Anordnung, dass im Gottesdienst die Nationalhymne zu singen und die Flagge zu hissen ist. Nicht viel besser sieht es im nach wie vor offiziellen EU-Beitrittskandidaten Türkei (Platz 26) aus. Auch hier geht die Regierung Erdogan mit harter Hand gegen als Abweichler verdächtigte Christen vor.

Islam bedeutet Unterwerfung

Viele Friedensbewegte glauben ja, dass Islam Friede bedeuten würde. Dabei ist die Übersetzung eindeutig Unterwerfung. Und das können genau die Christen bestätigen, aber nicht nur diese, sondern auch andere Minderheiten, die in islamischen Ländern leben. Acht von den Top Ten Ländern sind muslimisch geprägt, wobei schon erstaunt, dass so viele muslimische Flüchtlinge aus aller Herren Länder nach Deutschland und Europa kommen, also in den dekadenten Westen, und damit einen Religionsraum betreten, der aus islamischer Sicht „unrein“ ist, da hier die Ungläubigen – noch – in der Mehrzahl sind. Wenn irgendwo weltweit ein Koran brennt, was völlig überflüssig ist, um es sehr klar zu sagen, gibt es weltweite Proteste der islamischen Umma, der islamischen Gemeinschaft. Wenn irgendwo Christen verfolgt und unterdrückt werden, gibt es beredtes Schweigen.

Schweigen auch von Teilen der Politik, wenn man vom langjährigen Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, absieht oder auch seinem Nachfolger Ralph Brinkhaus, der sich das ebenfalls zum Thema macht. Aber ein Bundesaußenminister müsste das Thema viel offensiver und deutlicher nach vorne bringen. Wir lassen es zu, dass die Vereinten Nationen Deutschland wegen angeblicher Fehler in der Menschenrechtspolitik kritisieren – ein Treppenwitz der Geschichte –, aber umgekehrt werden diejenigen nicht benannt, die die Menschenrechte mit den Füßen treten.

Kirche schweigt

Der Mut der christlichen Kirchen zur Wahrheit ist in diesem Kontext äußerst schwach ausgeprägt. Die evangelische Kirche diskutiert im Moment lieber über Tempo 130 auf deutschen Autobahnen, und Reinhard Kardinal Marx, Deutschlands oberster Katholik, versteigt sich dazu festzustellen, dass der Begriff „christliches Abendland“ ausgrenzen würde. Wer das christliche Abendland, so formulierte es der langjährige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, derart diskreditiert, der spielt den Christenverfolgern in die Hände. Und Kraus wies auf ein sehr beeindruckendes Zitat von Martin Niemöller hin, der einmal wie folgt formulierte: „Als die Araber die Christen holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Araber. Als die Chinesen die Christen einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Chinese. Als die Inder die Christen holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Inder. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

„Wenn wir Christen, so der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer, „nicht für unsere Glaubensbrüder in den Verfolgerstaaten beten, uns nicht für sie einsetzen, ihnen nicht das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind, wer sonst sollte es eigentlich machen? Die Anpassungspolitik, die Beschwichtigungspolitik von Kirche und Staat gegenüber dem Islam ist grundfalsch. Damit löst man keine Probleme, sondern vergrößert die Probleme derjenigen, die in genau diesen Einflussbereichen leben, ob in islamischen Staaten oder in sozialistisch/kommunistischen Diktaturen wie in Venezuela, Russland oder gerade Nordkorea, um nur einige zu nennen. Zu einer ehrlichen Auseinandersetzung über die Probleme gehört immer die Wahrheit. Sie muss ausgesprochen werden, auch wenn es schmerzt. Nur so lassen sich die Probleme lösen.“

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier

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