Johann-Strauß-Orchester Wiesbaden gastierte auf Einladung der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft in Wetzlar

Klangvolles und Vertrautes aus Wien in der Stadthalle begeistert 500 Zuhörer

Gut zwei Stunden lang kamen fast 500 Liebhaber Wiener Klänge in der Stadthalle Wetzlar auf ihre Kosten. Das Johann-Strauß-Orchester Wiesbaden gastierte auf Einladung der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft in Wetzlars „guter Stube“ und traf mit seiner Programmfolge von 17 Liedern plus vier Zugaben den Nerv des Publikums.

Das Johann-Strauß-Orchester zählt zu den bundesweit bekannten und beliebten dieses Genres. Vor gut drei Jahrzehnten von Herbert Siebert und bis heute von dem mittlerweile 87-Jährigen in quicklebendiger, gestenreicher und mitunter stimmgewaltiger Weise geleitet, nahmen die 28 professionellen Musiker ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch die klangvolle und vertraute Welt Wiener Melodien und Kompositionen, die offenbar alle Zeiten überdauernd geschaffen wurde von Johann Strauß Vater und Sohn, von Franz Lehár, Emmerich Kálmán, Julius Fucik, Jacques Offenbach, Josef Hellmesberger, Rudolf Herzer, Karl Komzák junior - auch wenn nicht alle Komponisten sofort und unmittelbar mit Wien in Zusammenhang gebracht werden - und Johann Schrammel, dem Begründer der beliebten Wiener Schrammel-Musik. Und auch Ludwig van Beethoven war dabei, mit dessen 1. Satz der in Wien geschriebenen Sinfonie Nr. 8 das Konzert eröffnet wurde.

Hans-Jürgen Irmer, Vorsitzender der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft, die mittlerweile mit mehr als 300 Mitgliedern die größte der zahlreichen Wetzlarer Partnerschaftsgesellschaften ist, begrüßte Orchester und Publikum, wies auf die heilende Kraft der Musik hin und übergab dann die Regie an den Moderator Bernd-Peter Arnold, der zu allen Vorträgen passende Randbemerkungen, Informationen, Zitate und Aphorismen aus der Musik- wie der Weltgeschichte fand.

Das stimmliche wie optische Highlight des Konzerts personifizierte sich in der Schweizer Sopranistin Claudia Grundmann, die seit langem Teil des Johann-Strauß-Orchesters und ansonsten auf vielen Bühnen im In- und Ausland zu Hause ist. Grundmanns Sopran der Extraklasse füllte bei ihren drei Einsätzen - ohne jegliche elektronische Verstärkung - die Stadthalle in beeindruckender Weise. Und da auch das Orchester dankenswerterweise völlig ohne Mikrofone und Lautsprecherverstärkung auskam, stand dem entspannenden, beruhigenden und gleichwohl begeisternden musikalischen Hochgenuss, dem es möglich war, auch mit geschlossenen Augen jedem einzelnen Instrument nachzuspüren, nichts mehr im Wege.

Selbstredend fehlte im Melodienreigen nicht der „Donauwalzer“, der den Welterfolg von Johann Strauß Sohn begründete. Allerdings nicht bei seiner Uraufführung in Form eines Gesangswalzers, die sogar zu einem regelrechten Flop geriet. Daraufhin arbeitete Strauß seine Komposition „An der schönen blauen Donau“ zu einem Konzertwalzer um, der dann, 1873 erstmals aufgeführt, Straußens Weltruhm endgültig begründete.

Nach den 17 Stücken der angekündigten Programmfolge kam der DÖG-Vorsitzende Irmer nach freundlicher Aufforderung nicht umhin, den Dirigentenstab zum Vergnügen des Publikums selbst in die Hand zu nehmen. Was Irmer dann dirigierte, lässt sich mit letzter Sicherheit nicht ergründen, was das Orchester spielte dagegen schon, nämlich den unvermeidlichen und gleichfalls weltberühmten „Radetzky-Marsch“, der aus der Feder von Johann Strauß Vater stammt.

Über den Autor

Franz Ewert

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe12/2018