Blasbach ein „guter Binnenstandort“ für Windräder?

Diese Aussage des Projektleiters Martin Demmeler der Green City AG (Mitinvestor) aus München im Oktober in der WNZ verkennt die Realitäten in Blasbach und generell in Deutschland in jeder Hinsicht. Die guten Standorte in Deutschland sind inzwischen von 30.000 Windrädern total belegt. Da werden die weniger guten schöngeredet. Die erschwerten Bedingungen, von denen der Projektleiter spricht, werden seit Frühjahr 2018 durch Sonderausschreibungen der Großen Koalition in Berlin von jeweils 2000 Megawatt für 2019 und 2020 mehr als gemildert. Der festgelegte Ausbaupfad beträgt seit mehreren Jahren 2800 Megawatt. Dieser wurde in den vergangenen Jahren stets gravierend mit jeweils mehr als 5000 Megawatt überschritten.

Mittelhessen ist anerkannter Schwachwindstandort. Diesen Nachteil können auch die Riesenwindräder des geplanten Modells Vestas V 150 (Nabenhöhe 166 Meter, Rotorlänge 150 Meter) nicht wettmachen.

Den Mehrertrag gegenüber den in Hohenahr aufgestellten Nordex N 117-Rädern (Nabenhöhe 138 Meter, Rotorlänge 126 Meter) beziffern Fachleute auf 40 Prozent. Keinesfalls ersetzt eine Vestas-Anlage deren zwei Nordex-Anlagen In Hohenahr, wie von Herrn Demmeler behauptet. Die größere Nabenhöhe wird von dem schlechteren Standort größtenteils egalisiert.

Hohenahr ist das abschreckende Beispiel für jedes neue Projekt in unserer Region. In den Jahren von 2013 bis 2017 erreichte dieser Windpark in keinem Jahr die Prognose von 45,3 Millionen KWh.

In einem einzigen Jahr, nämlich 2015, wurde ein kleiner Gewinn mit einer Einspeisung von 39,687 Millionen KWh erreicht. In den übrigen Jahren lagen die Einspeisungen zwischen 31,453 Millionen und 36,432 Millionen KWh. Der Windpark Bechlingen, unweit von Hohenahr gelegen, mit seinen sechs Windrädern GE Energy 2.75-120, die in 2017 vom 25.3. - 31.5. in Betrieb genommen wurden, erreichte eine Einspeisung von 20,673 Millionen KWh im vergangenen Jahr. Dies entspricht einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von sage und schreibe 3,80 m/s! Die Mindestvorgabe vom Land Hessen betrug 5,75 m/s, vom Landtag so verabschiedet.

Das bedeutet im Klartext, dieser Windpark an der Kreismülldeponie (Fressplatz für den Rotmilan) gelegen, hätte bei einer vorgenommenen effektiven Windmessung nie und nimmer genehmigt werden dürfen. Die Auslastung von Windrädern im Inland liegt in Deutschland bei lediglich 16 Prozent.

Die Folgen für Blasbach: Entgegen dem WNZ-Artikel vom 13.10.18 sind die fünf geplanten Vestas-Anlagen nicht bei Blasbach und nicht bei Hermannstein geplant, sondern im Blasbacher und Hermannsteiner Wald. Der Hermannsteiner Wald grenzt einige Kilometer nördlich der Ortslage von Hermannstein an den Blasbacher Wald. Damit entsteht ein einziger Windpark von 5 Vestas V150 zusätzlich vor der Ortslage von Blasbach.

Zusammen mit den bestehenden sechs Anlagen in Bechlingen und den sieben in Hohenahr wird Blasbach dann von insgesamt 18 Anlagen von Westen (Hauptwindrichtung) und Norden bedrängt.

Wertverlust und Raubbau an der Natur

Infolge des bestehenden Mindestabstandes von 1000 Meter, der viel zu gering ist für die neuen Riesenwindräder mit einer Gesamthöhe von 241 Meter (erstmalig in Deutschland), wird das einzige noch mögliche Neubaugebiet Pfaffenrain II einfach verhindert. Für Blasbachs Einwohner ist dies schlicht eine Katastrophe mit allen Folgen für die Gesundheit wie hörbarer Schall, Infraschall und Landschaftszerstörung sowie erhebliche Wertverluste für ihre Immobilien. Die zu rodende Waldfläche für diese fünf Riesenräder beträgt mehr als 88.000 Quadratmeter (Fläche, die von den Rotoren bestrichen wird), zuzüglich der Zuwegungen.

Das Ganze ist ein unverantwortliches Projekt, welches die Stadt Wetzlar mit einem grottenschlechten Pachtvertrag zu Lasten der Bürger von ganz Wetzlar abgeschlossen hat. Dieser Pachtvertrag vom Mai 2015 besagt, dass die Stahlbetonfundamente entgegen der gesetzlichen Vorgabe beim Rückbau, wenn die Subventionen auslaufen, im Boden verbleiben dürfen. Falls die gesetzliche Regelung vom Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde durchgesetzt wird, muss die Stadt Wetzlar diese Fundamente, zwischen 15.000 – 20.000 Tonnen Stahlbeton auf ihre Kosten, d. h. zu Lasten aller Wetzlarer Bürger entfernen.

Die gesetzlich festgesetzte Rücklage für den Rückbau beträgt 1000 Euro pro Meter Nabenhöhe, ergo 166.000 Euro. Für diesen Betrag lässt sich allenfalls der oberirdische Rückbau der Anlagen durchführen.

Werfen wir noch einen Blick auf die von Green City AG am 20.3.2018 veröffentliche Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung im Bundesanzeiger per 31.12.2016. Sie weist einen Verlustvortrag aus den Vorjahren in Höhe von 19,277 Millionen Euro aus. Zuzüglich des in 2016 erzielten neuerlichen Verlustes von 10,996 Millionen Euro ergibt sich ein Gesamtverlust per 31.12.2016 von 30,273 Millionen Euro. Der nicht durch Konzerneigenkapital gedeckte Fehlbetrag wird mit 15.852.544,70 Euro ausgewiesen.

Unsere Heimat, unsere Landschaft sowie Flora und Fauna (Fledermäuse und Greifvögel) werden unwiederbringlich zerstört für eine wetterabhängige, unsichere und überteuerte Stromerzeugung, die ohne 100 Prozent Reservekraftwerke und entsprechende Speicher zum Scheitern verurteilt ist.

Heinz Hofmann

Aktuelle Ausgabe11/2018