CDU Lahn-Dill unterstützt Bemühungen um mehr Ärzte „in der Fläche“

Ein Hoch auf den Landarzt:
Dr. Thomas Aßmann und sein „Telearzt“-Projekt

In der Hohen Schule in Herborn erfuhren interessierte Teilnehmer einer Informationsveranstaltung Grundsätzliches und Konzeptionelles über ein in Hessen noch nicht realisiertes, nun aber bevorstehendes Projekt, das die ärztliche Versorgung vor allem des ländlichen Raumes attraktiver, effizienter und wirkungsvoller gestalten soll mit positiven Ergebnissen für alle Beteiligten, Eingeladen, um sich über das "Telearzt"-Projekt zu informieren, hatte der CDU-Kreisverband Lahn-Dill. Referenten waren der Internist, Haus- und Landarzt Dr. Thomas Aßmann aus dem niederrheinischen Lindlar und der Allgemeinmediziner Armin Beck aus Hofheim am Taunus, im Ehrenamt Vorsitzender des Hausärzteverbandes Hessen.

Zuvor hatten CDU-Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, MdB und Landtagskandidat Jörg-Michael Müller auf die Bedeutung einer sicheren Arztversorgung im ländlichen Raum hingewiesen, die für die CDU für die Attraktivität der heimischen Region unerlässlich ist.

Das Telearzt-Projekt von Dr. Thomas Aßmann kann im Bergischen Land bereits positive Praxiserfahrungen nachweisen. Von dort aus sorgt mittlerweile für Furore und bleibt nicht ohne Folgen. Denn Aßmann bewirbt sein Projekt, das das Stadium der Idee schon lange erfolgreich hinter sich gelassen hat und mit vorzeigbaren Ergebnissen aufwarten kann, landauf, landab. Ein wichtiger Hintergrund der Bemühungen Aßmanns und seiner mittlerweile zahlreichen Unterstützer ist es, das Image des Landarztes und der Hausarztmedizin von ihrem "stiefmütterlichen Anklang" zu befreien. Der "Telearzt", die Erfinder Aßmann als weiteren Mosaikstein in der ärztlichen Versorgung beschreibt, verleiht der Arbeit des Land- und Hausarztes durch den Einsatz "digitaler Medizin" neuen Schwung. Dabei sei der Einsatz digitaler Medien in der Behandlung der Patienten natürlich kein "Selbstläufer", sondern immer nur als sinnvolle Unterstützung der traditionellen Medizin gedacht. Dass die Technik "mit Verstand und zum Nutzen der Patienten" eingesetzt werden könne, habe seine praktische Erfahrung als "Telearzt" eindrucksvoll gezeigt. Gerade auch in der medizinischen Versorgung älterer Patienten, die das neue Angebot überraschend positiv angenommen. Und der Einsatz neuer Techniken könne und solle zudem dazu beitragen, junge Kollegen für den Beruf des Landarztes - "Ich wollte nichts anderes sein" - zu gewinnen.

Die GWQ (Gesellschaft für Wirtschaftlichkeit und Qualität bei Krankenkassen) als Dienstleister vieler Betriebskrankenkassen hat als erste einen Vertrag nach Paragraf 140 des Sozialgesetzbuches im Bereich Nordrhein angeboten. Nun zeichnet sich auch in Hessen ein solches Telearzt-Projekt ab.

Ziel: Erleichterung und Effektivierung der Hausarzt-Arbeit

Ziel des Projektes, das Dr. Aßmann auf den Weg gebracht hat und quer durch die Republik intensiv bewirbt, ist die Sammlung und Übermittlung der Vitaldaten kranker, nicht selten schwerkranker Patienten, die per Hausbesuch von einer "VERAH" (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) betreut werden. So will der Hausarzt aus dem Bergischen Land vermeiden, dass er selbst in seinem großen Gebiet mehr Zeit auf der Fahrt zu den Patienten als bei den Patienten verbringt. Daher besucht und untersucht eine medizinische Fachangestellte die Patienten vor Ort, während Dr. Aßmann stets über eine sichere Datenleitung aus der Praxis zugeschaltet werden kann. Messgeräte wie EKG und Lungenfunktionstest übertragen die Daten dank Bluetooth in die Arztpraxis. Sogar eine Videokonferenz per Tablet und Kamera ist möglich. Zur "VERAH" können sich erfahrene Medizinische Fachangestellte aus Hausarztpraxen weiterbilden lassen, um dann mit unterstützenden hochqualifizierten Tätigkeiten den Hausarzt zu entlasten. Seit Jahren ist offensichtlich, dass durch Hausärztemangel auf der einen und - nicht zuletzt durch den demografischen Wandel bedingt - steigende Betreuungsanforderungen an den Hausarzt der Bedarf an neuen Betreuungsangeboten im Gesundheitswesen stark angestiegen ist.

Das "Telearzt"-Projekt von Dr. Thomas Aßmann reagiert auf diese Notwendigkeiten. Ein wichtiger Teil dieses Projekts sind die Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH). Eine VERAH-Fortbildungsangebot haben bundesweit bereits über 5600 Medizinische Fachangestellte absolviert. Sie helfen somit, die Idee der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis im Allgemeinen und im Einsatz im Rahmen der Telemedizin, also der Telearzt-Innovation des Internisten Dr. Aßmann aus dem Bergischen Land, im Speziellen zu einer Erfolgsgeschichte zu machen.

Auch in anderen Bundesländern wurde und wird derzeit über die Umsetzung nachgedacht. Zuletzt hat die KV Thüringen einen Add-on-(Erweiterungs-)Vertrag nach Paragraf 140a Sozialgesetzbuch mit der AOK plus geschlossen. Nun ist in Hessen das Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) auf diese Möglichkeit aufmerksam geworden und hat sich an den Hausärzteverband Hessen gewandt mit der Frage, ob dieser ein solches Projekt zur telemedizinischen Versorgung landesweit und mit möglichst vielen Krankenkassen vorantreiben würde. Das Ministerium hat dazu eine Förderung des Projektes von maximal 500.000 Euro über eine Zeitspanne von drei Jahren in Aussicht gestellt.

Telearzt: Etliche Kassen sind schon im Boot

"Nach vielen Stunden der Vorbereitung und langen Gesprächen mit den Krankenkassen können wir jetzt nicht ohne Stolz berichten, dass insgesamt fünf Krankenkassen und zwei Verbünde in Hessen jeweils einen 'Letter of Intent' (Absichtserklärung) unterschrieben und so ihre Bereitschaft zur telemedizinischen Versorgung dokumentiert haben", berichtete Armin Beck. Zu den Vorreitern gehören AOK, TK, Barmer, DAK und KKH sowie die BKK Süd (VAG) und die GWQ. Aktuell werden die Verträge erarbeitet, der Förderantrag wurde im Juli beim HMSI eingereicht. Zur Evaluation konnte Prof. Dr. Ferdinand Gerlach vom Institut für Allgemeinmedizin in Frankfurt und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen gewonnen werden. "Wir hoffen, dass wir bis zum ersten Quartal 2019 eine hessenweite Umsetzung anbieten können" so Beck.

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Franz Ewert

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