
Erfolg für Dillkreisjäger und Vereinsbündnis –
"Apotheker-Linde" in Herborn ist jetzt Naturdenkmal
Im Juni 2021 beschloss die Jägerschaft des Dillkreises, Waldpädagogik und Umweltbildung zusätzlich in den satzungsmäßigen Aufgabenkatalog ihres Kreisjagdverbandes aufzunehmen. Neben "Lernort Natur"-Aktionen wie Revierexkursionen mit Schulklassen, Kita-Besuchen oder die im vergangenen Jahr eingeweihte "rollenden Waldschule" wollten die Dillkreisjäger angesichts der enormen Waldschäden durch Klimawandel, Trockenheit und Borkenkäfer mehr Umweltbewusstsein im Alltag durch die Ausweisung eines markanten innerstädtischen Einzelbaumes als Naturdenkmal an ihrem Vereinssitz in Herborn erreichen. Denn ein solchermaßen gekennzeichneter Baum ("Denk mal!") sollte gewissermaßen "im Vorbeigehen" tagtäglich hunderte Passanten auf den hohen ökologischen Wert jedes einzelnen Baumes aufmerksam machen. Deshalb fiel die Wahl auf die sogenannte Apotheker-Linde auf dem Hintersand-Parkplatz nahe der Amts-Apotheke in der Herborner Altstadt. Dieser Projektidee der Dillkreisjäger schlossen sich der Geschichtsverein Herborn, der Verein Freunde der Flora Herbornensis, der BUND-Ortsverband, die Bürgerinitiative "WIR für Herborn" sowie auch ein Stadtteil- Naturschutzverein als "Vereinsbündnis Herborn" mit einem Antrag an die Untere Naturschutzbehörde an.
Nach einem befürwortenden Grundsatzbeschluss des Stadtparlament im Juni 2024, der Zustimmung des Kreisnaturschutzbeirates Ende 2025 und dem Abschluss einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Stadt und Kreis Mitte dieses Jahres war es schließlich soweit: in einer gemeinsamen Feierstunde von Stadt und Vereinsbündnis brachten kürzlich Landrat Carsten Braun (CDU) für die Untere Naturschutzbehörde, Bürgermeister Lukas Winkler (CDU) für die Gremien der Stadt Herborn und Dillkreisjäger-Vizevorsitzender Jochen Decher für das Herborner Vereinsbündnis unter dem Beifall von über 100 Teilnehmern das amtliche Denkmalschild an dem Lindenbaum an. Als symbolisches Zeichen ihrer Verbundenheit begossen anschließend Schulkinder der benachbarten Diesterweg-Schule die Baumscheibe aus ihren bunten Gießkännchen.
Bürgermeister Lukas Winkler verwies in seinem Grußwort auf die Veränderungen im Stadtbild und der Zeitgeschichte, die der markante Innenstadtbaum im Laufe seines rund 120-jährigen Bestehens erlebt habe, und erinnerte an den schwierigen Entscheidungsprozess im Stadtparlament wegen grundsätzlicher Befürchtungen, dass diese Naturdenkmalausweisung in der Innenstadt eine spätere Bauentwicklung behindern könne. Schließlich hätten die Stadtverordneten jedoch vor Zuschauerrängen, die bis auf den letzten Sitz- und Stehplatz überfüllt waren, mit eine Stimme Mehrheit die Befürwortung beschlossen. Die Feierstunde anlässlich des neuen Naturdenkmals inmitten der Stadt bezeichnete Winkler als einen wichtigen Tag für Herborn, denn Stadtentwicklung müsse stets auch im Einklang mit der Natur stehen. Jochen Decher hob hervor, dass aus dem Wunsch der Dillkreisjäger längst ein in weiten Teilen der Bürgerschaft verankertes und von Herborner Vereinen getragenes "Bürgeranliegen" geworden sei. Naturdenkmale würden als Botschafter für Umweltbewusstsein gelten. Decher begründete dies mit einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie, wonach in Städten eine Erhöhung des Baumbestandes um mindestens 30 Prozent die Zahl extremer Hitzestunden im Jahresdurchschnitt um fast 64 Prozent senken könne. Jeder Baum zählt: nach einer Untersuchung der holländischen Universität Wageningen betrage die durchschnittliche "Kühlleistung" eines einzelnen Baumes wie die Apotheker-Linde 20-30 Kilowatt - das entspreche dem Leistungsvermögen von ca. 10 Standard-Klimageräten, sagte Jochen Decher.
Nach den Ansprachen erläuterte Jochen Arnold, Leiter des Forstamts Herborn, die Bedeutung von Linden aus forstlicher Sicht. So erfuhren die Veranstaltungsteilnehmer etwa, dass Linden bis zu 1000 Jahre alt und bis zu 40 Meter hoch werden können. Der Vorsitzender des Geschichtsvereins Klaus Schreiner vermittelte eine stadt- und kulturhistorische Einordnung sowie eine Erklärung des "Baumnamens": die Linde befinde sich nämlich in einem schon 1846 dokumentierten früheren Gartengelände der benachbarten Amts-Apotheke, und aus Lindenblüten hätten Apotheker früher Arzneimittel gegen Erkrankungen der oberen Luftwege hergestellt. Die Veranstaltung begann und endete mit stimmungsvollen Trompetensoli von Roman Pacholek.
Vor dem neuen Naturdenkmal in Herborn (von links): Bürgermeister Lukas Winkler, Jochen Decher, Annegret Krüger-Zechlin, Klaus Schreiner (alle Herborner Vereinsbündnis) und Landrat Carsten Braun
(Foto: Michael Kampmann, Dillkreisjäger)


