Kirchengemeinde Herborn-Mittenaar-Siegbach

„Solider Marxist und überzeugter Linker“ auf der Kanzel

Vor einigen Wochen hat der neue Vikar der Kirchengemeinde Herborn-Mittenaar-Siegbach in der Lokalpresse in einem „Wort zum Sonntag“ einen Artikel zum Thema „Klimawandel“ verfasst, der in Kurzform zusammengefasst unter der Überschrift „Klimahysterie“ subsumiert werden kann. Fernab wissenschaftlicher und historischer Wahrheiten.

Diese Einseitigkeit der Darstellung ließ Alexander Beck, Jahrzehnte Mitglied der evangelischen Kirche, nicht ruhen, und er begann, die Person des Vikars Mark P. S. zu googeln. Dabei stieß er auf ein Bewerbungsschreiben des Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein der SED/Linkspartei, in dem S. erklärte, er habe sich intensiv mit dem globalen Kapitalismus auseinandergesetzt, und diese Außensicht auf die bestehenden politischen Verhältnisse hätten ihn „zu einem soliden Marxisten und überzeugten Linken“ werden lassen.

Dies nahm Beck zum Anlass, die Kirchengemeinde anzuschreiben, wie es sein könne, dass ein bekennender Marxist und Klimaaktivist auf der Kanzel predigen könne, denn Marxismus und Christentum schließen sich allein aus marxistischer Definition heraus aus. Daraufhin erhielt er vom Pfarrer der evangelischen Gesamtkirchengemeinde ein kurzes Anschreiben der Lehrpfarrerin. Dieser Stellungnahme von Frau Vollendorf würde er sich, Martin Slenczka, „nahtlos“ anschließen.

Evangelische Kirche ist in vielen Teilen eine grün-rote Sekte geworden

Vollendorf wies darauf hin, dass der Vikar sich ja nicht als „Leninist, geschweige denn als Stalinist“ bezeichnet hätte. Mit anderen Worten, er ist ja eigentlich nur ein Marxist, der sich für die Linke engagiert, und nach Auffassung von Frau Vollendorf gehört die Linke „zu den demokratischen Parteien“. Man ist geneigt, der Dekanin an dieser Stelle zuzurufen, dass die Linkspartei rechtsidentisch (!) ist mit der früheren Sozialistischen Einheitspartei (SED) der DDR, die für Mauer, Stacheldraht, Folter, Schießbefehl, Diktatur und Unterdrückung von Menschen verantwortlich war. Die Linkspartei hat an Eides statt versichert, dass sie rechtsidentisch ist.

Es passt in das Weltbild von Frau Vollendorf, dass sie bedauert, dass man auf dem Wahlzettel auch die Möglichkeit habe, die AfD anzukreuzen, und sie wies darauf hin, soweit zum Thema Demokratie, dass Mitglieder des Kirchenvorstandes nach neuer Kirchengemeindewahlordnung nicht gewählt werden können, die sich beispielsweise antisemitisch oder kirchenfeindlich verhalten. Wenn man diesen Maßstab annimmt, dürfte der Vikar keine Chance auf Anstellung erhalten, denn die Linkspartei ist in großen Teilen nachgewiesenermaßen antisemitisch und kirchenfeindlich.

Im Übrigen sei ihr gar nicht bekannt gewesen, dass der Vikar parteipolitisch engagiert gewesen sei. Das kann man glauben, man kann aber auch ein Fragezeichen ansetzen. Denn abgesehen davon, dass man heute vieles über Kandidaten googeln kann, muss man im Normalfall davon ausgehen, dass ein Bewerber um einen Posten einen Lebenslauf vorlegt. Da wiederum gibt es zwei Möglichkeiten. Variante 1 ist, der Vikar hat auf das Engagement bei der SED/Linkspartei nicht hingewiesen. Variante 2: Er hat darauf hingewiesen, und es war der Kirchenleitung egal, was bei der politischen Grundeinstellung möglicherweise durchaus der Fall sein könnte.

Was Beck besonders ärgert, ist die Tatsache, dass im Namen des Marxismus, des Stalinismus, des Leninismus Millionen Menschen umgebracht wurden, Christen wurden inhaftiert und gefoltert. Er erinnere sich noch an seinen ehemaligen alten Pfarrer, der davon erzählt hat, wie er als bekennender Christ in der Nachkriegszeit durch die Anhänger genau dieser Ideologie in der sowjetischen Besatzungszone, der sogenannten DDR, verfolgt und inhaftiert (!) wurde, bis ihm die Flucht in den Westen gelang. Dass heute Vertreter dieser Ideologie auf der gleichen Kanzel stehen würden, sei nur schwer zu ertragen.

Wegen dieser Einseitigkeit der Kirche, verbunden mit der Aussage beim Kirchentag „Gott ist queer“, sei er ausgetreten. Er bleibe überzeugter Christ, aber das Bodenpersonal des Herrgotts könne man nicht nur nicht verstehen, sondern auch nicht mehr finanziell unterstützen.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier

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