Tollhaus Deutschland

Jusos für Abschaffung der Ehe
Grüne sehen Frauen in Ehe benachteiligt

Man weiß nicht mehr, soll man darüber lachen, weinen, hinwegsehen oder sich Sorgen ob des Geisteszustandes mancher führenden und zukünftig führenden Politiker machen. So forderten die Berliner Jusos, die Ehe endlich abzuschaffen, weil sie, so die Begründung „dem chauvinistischen, kapitalistischen Nationalstaat als Durchsetzungsinstrument frauenfeindlicher, queerfeindlicher, klassistischer und rassistischer Politik“ diene. Die Ehe als Beispiel für Klassenkampf, für Rassismus, für queerfeindliche Einstellungen.

Eine etwas andere Qualität ist es, wenn der Chef der Bundesgrünen, Banaszak, allen Ernstes öffentlich erklärt, dass die heterosexuelle Beziehung für Frauen statistisch gesehen nachteilig sei. Sie schlafe schlechter, habe weniger Geld, weniger Absicherung im Alter, eine geringere Zufriedenheit und sogar ein kürzeres Leben. Wer diese grüne Auffassung nicht vertritt, gehört laut grüner Unlogik zu den rechten Antifeministen, oder müsste man nicht besser sagen Antifeminist: _innen.

Männer, so Banaszak, profitieren von den patriarchalen Strukturen, wobei er immerhin konzediert, dass auch Männer Probleme haben. Da haben wir ihn wieder, den alten weißen Mann, die Wurzel allen Übels. Dass man in einer Ehe mit oder ohne Kinder ein erfülltes Leben führen kann, gegenseitig füreinander da ist, glücklich darüber ist, einen Ansprechpartner zu haben, jemanden hinter sich zu haben, der auch in schwierigen Situationen zu einem steht, all das ist in der Singlewelt noch nicht angekommen. Richtig ist es, Ehen scheitern. Und manchmal klappt es erst im zweiten Anlauf. Aber sehr viele Ehen halten jahrelang, und es ist nach wie vor die Form des Zusammenlebens, die sich der mit Abstand größte Teil der Menschen wünscht. Ehe und Familie, nach Möglichkeit mit eigenem Haus und Garten, gutbürgerlich für die einen, schrecklich provinziell für die anderen. Liebe Grüne, liebe Jusos, lasst es doch die Menschen entscheiden und schreibt ihnen nicht schon wieder vor, was sie tun oder lassen sollen.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe6/2026