Handelsblatt 17.12.2025
„EU-Kommission kippt Verbrenner-Aus“
Bild-Zeitung 20.12.2025
„Verbrenner nicht verboten, aber abgeschafft“
Widersprüchlicher können Überschriften nicht sein. Die spannende Frage ist, was ist denn richtig?
Was stimmt?
Die EU-Kommission hat Mitte Dezember das Verbrennerverbot scheinbar aufgehoben, das für 2035 beschlossen war. Ein normaler Bürger würde jetzt denken, wunderbar, ich kann auch nach 2035 wie bisher meinen Diesel, meinen Benziner fahren. Falsch gedacht. Gunnar Schupelius hat es in einem Kommentar in der Bild-Zeitung auf den Punkt gebracht, wenn er zu Recht sagt, dass die EU lediglich die erlaubte Menge an CO2 aus dem Autoverkehr abgemildert hat. Statt um 100 Prozent müssen die Autobauer die CO2-Emissionen „nur“ um 90 Prozent senken auf den Wert von 2021, bezogen auf das Richtjahr 2035. Kein Verbrenner allerdings kann dieses Ziel erreichen. Also müssen die Hersteller möglichst viele E-Autos verkaufen, um in der rechnerischen Summe des CO2-Ausstoßes noch Luft für Verbrenner zu haben.
E-Wahn
Mit anderen Worten, der Verbrenner müsste in neun Jahren fast vollständig durch E-Autos ersetzt werden. Um das einmal mit Zahlen zu verdeutlichen: Aktuell haben wir in Deutschland 48 Millionen Pkw mit Verbrenner. Wenn davon 90 Prozent elektrisch fahren sollen, reicht der verfügbare Strom nicht aus, geschweige denn von weiteren Elektrifizierungsüberlegungen wie Wärmepumpen, wie gigantische Mehrbedarfe durch KI und vieles, vieles andere mehr. Es fehlen bis heute die Ladesäulen, es fehlen die Stromnetze und es fehlt ganz einfach die notwendige Menge Energie. Sie ist nicht da.
Täuschung des Bürgers
Beispiel I
Es wird immer behauptet, dass das E-Auto tatsächlich CO2-frei fährt. Fakt ist, die Autos, gerade in China, werden zu einem hohen Prozentsatz mit fossiler Energie erzeugt. Fakt ist, dass die Batterieproduktion, Förderung der Rohstoffe, Transport, spätere Entsorgung und spätere Verwertung von E-Fahrzeugen in der Klimabilanz nicht enthalten sind.
Täuschung II
Es wird immer davon gesprochen, dass Deutschland je nach Berechnung mittlerweile 44, 48 Prozent des Stroms aus Sonne und Wind erzeugt. Das ist richtig. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn es geht ja darum, dass Deutschlands Gesamtenergiehunger befriedigt werden muss. Und gemessen daran beträgt der Anteil von Solar- und Windstrom an der Deckung des gesamten deutschen Primärenergiebedarfs aktuell ganze 8 Prozent!
„Klimapolitik noch absurder als der Sozialismus“
Das ist das Fazit von Hans-Werner Sinn, einem der klügsten Ökonomen unseres Landes. Er hat damit die Klimapolitik des letzten Jahrzehnts trefflich beschrieben. Dies gilt auch und gerade für die Frage des Verbrenner-Aus. Unionspolitiker wollen jetzt von den 90 Prozent auf 80 Prozent. Die Zielrichtung ist richtig, aber das Ganze reicht auch nicht ansatzweise aus.
Klimaziele radikal verändern
Sowohl Deutschlands Klimaziele als auch die Klimaziele der EU müssen radikal verändert werden, verlängert werden, weil sie auch nicht ansatzweise erreichbar sind. In neun Jahren schreiben wir 2035, in 19 Jahren 2045. Und da soll weitestgehende Klimaneutralität erreicht werden. Wir vernichten aktuell Hunderttausende von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie. Wir verlieren zigtausende Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie, nur weil wir der Schimäre hinterherlaufen, Deutschland und Europa könnten ernstlich das Weltklima beeinflussen.
Um es immer wieder zu verdeutlichen: Europas Anteil am CO2-Ausstoß liegt bei rund 6,5 Prozent. Deutschlands Anteil bei ca. 1,2 bis 1,4 Prozent. Und glaubt irgendjemand, dass das Öl, das wir nicht mehr verbrauchen, das Gas, das wir nicht mehr verbrauchen, nicht woanders eingesetzt wird? Alle Gaslieferanten der Welt, alle Erdöllieferanten der Welt werden ihre Rohstoffe weiter verkaufen. Nicht mehr nach Europa, sondern nach Indien, nach Afrika, dort gibt es einen gigantischen Energiehunger. Und es ändert sich am Weltklima nichts. Was wir in Deutschland machen müssten ist, unsere frühere exzellente Technik, Filtertechnik und vieles andere mehr zu exportieren, dann hätte das Weltklima mehr davon als die jetzige völlig sinnfreie Klimapolitik.
Selbst die angedachte Reduzierung auf 80 Prozent, so wie es die Union laut überlegt, findet bei den Chefideologen von SPD, Grünen und Kommunisten keine Mehrheit. Weder im EU-Parlament noch bei Deutschlands Umweltminister Schneider, der sich gegen eine Abschwächung der Emissionsvorschriften, so das Handelsblatt am 27.3.2026, ausgesprochen hat.
Brandmauer oder Deindustrialisierung?
Abgesehen davon, dass diese 80-Prozent-Regelung auch schon völlig unzureichend ist, man sollte es ausschließlich den Markt regeln lassen, machen sich kluge Menschen schon heute darüber Gedanken, dass auch diese nicht ausreichende 80-Prozent-Regelung ja nur im Europaparlament erreichbar sei, wenn die Europäische Volkspartei gemeinsam mit rechten und Rechtsaußen-Parteien abstimmen würde. Spätestens hier stellt sich die Grundsatzfrage, was ist für Deutschland besser? Brandmauer und Deindustrialisierung oder eine vernünftige Energiepolitik, die die Arbeitsplätze erhält? Diese Frage muss sich jeder stellen. Diese Frage ist entscheidend. Und bevor es weitere Hunderttausende Verluste an Arbeitsplätzen gibt, sollte die EVP-Fraktion, wie in der Migrationspolitik, das machen, was im Sinne Deutschlands richtig ist, nämlich für eine noch deutlichere Absenkung zu votieren und im Übrigen zu versuchen, diese ideologiegetriebenen Spiele zu beenden und es dem Markt zu überlassen, was sich am Ende durchsetzen wird.



