Gysi bestätigt linken Antisemitismus

Zur Strafe soll er an einer
antirassistischen Weiterbildung teilnehmen

Dass die SED/Linkspartei Probleme mit dem Staat Israel hat, Probleme mit dem Antisemitismus in ihren eigenen Reihen, ist nichts Neues. Neu allerdings ist es, wenn aus den eigenen Reihen sehr deutlich von der SED/Linken-Ikone Gregor Gysi öffentlich erklärt wird, dass es eine antiisraelische und antisemitische Strömung innerhalb der Partei gibt, und zwar deshalb (!), weil viel mehr Menschen mit Migrationshintergrund, auch mit spezifischem Migrationshintergrund, in die Linkspartei eingetreten seien. Sie würden, so Gysi in einem Interview im „Focus“, Sichten auf Israel mitbringen, die falsch seien.

Wie recht Gysi hat, kann man auch daran erkennen, dass der Antisemitismusbeauftragte des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, aus der SED/Linkspartei mit der Begründung ausgetreten ist, dass beispielsweise die niedersächsische Linkspartei aktuell einen Beschluss gefasst hat, wonach die SED/Linkspartei Niedersachsen den „heute real existierenden Zionismus“ ablehne. Zu erinnern ist an israelfeindliche Beschlüsse der Linksjugend. Zu erinnern ist an die ehemalige Bundessprecherin Chiara Wüthrich, die in Bezug auf Israels Krieg in Gaza von einem „fucking Holocaust“ gesprochen hatte. Viele weitere Beispiele sind jederzeit belegbar.

Weiterbildung nötig

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Migrantische Linke kritisiert Gysi, weil er die Migrationsgeschichte von Parteimitgliedern mit einem angeblich zunehmenden Antisemitismus verknüpfe. Gysi entwickele „ein rassistisches Bedrohungsszenario“. Natürlich gibt es Antisemitismus bei den Linken. Natürlich gibt es dramatisch angestiegenen muslimischen Antisemitismus bei Migranten. Deshalb ist die Kernaussage Gysis in der Sache richtig.

Damit Gysi nunmehr auf den Pfad der Tugend zurückgehen kann, fordert die AG Migranten nicht nur eine Entschuldigung, Löschung seiner Aussagen, sondern auch die „zeitnahe Teilnahme von dir und deinem Team an einer antirassistischen Weiterbildung“. Im Übrigen wurde der Brief von mehreren Kreisvorsitzenden, Landesvorstandsmitgliedern und Fraktionsvorsitzenden aus den Kommunalparlamenten unterzeichnet. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben, dass Weiterbildung auch bei einem bald 80-Jährigen noch helfen kann. Es ist bisher noch nie (!) vorgekommen, dass die Redaktion des Wetzlar-Kurier Gregor Gysi in irgendeiner Form in Schutz genommen hat ob seiner eigenen politischen Grundauffassungen, seiner SED-Vergangenheit und anderes mehr. Aber in diesem Punkt hat Gysi völlig recht.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe5/2026