
Kirche ohne Kern
Von Dennis Pfeifer,
Gesamtleiter IDEA e.V., Evangelische Nachrichtenagentur
Der Mitgliederschwund der beiden großen Kirchen in Deutschland setzt sich auch 2025 unvermindert fort. Katholische und evangelische Kirche verloren im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Mitglieder. Dazu ein Gastkommentar des Leiters der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar), Dennis Pfeifer
Ostern steht vor der Tür – das höchste Fest der Christenheit. Gott wird Mensch, stirbt am Kreuz für die Sünden der Welt und steht am dritten Tag von den Toten auf. Sühnetod und Auferstehung: Das ist der Kern des christlichen Glaubens, die frohe Botschaft, die alles trägt. Wer an Jesus Christus glaubt, dessen Sünden sind vergeben. Der Tod ist besiegt! Es wartet das ewige Leben bei Gott. Was für eine Hoffnung! Doch den großen Kirchen in Deutschland dürfte in diesem Jahr kaum nach Feiern zumute sein.
1,2 Millionen Mitglieder weniger als im Vorjahr
Katholische und evangelische Kirche haben gerade ihre Mitgliederstatistik für das vergangene Jahr veröffentlicht. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ende 2025 zählten die beiden großen Kirchen nur noch 36,6 Millionen Mitglieder – 1,2 Millionen weniger als im Vorjahr. Das liegt einerseits daran, dass die Kirchen mehr Todesfälle verzeichnen als neue Mitglieder getauft werden. Andererseits bleibt die Zahl der Austritte sehr hoch. Auf evangelischer Seite kehrten rund 350.000 Menschen ihrer Kirche den Rücken, bei den Katholiken traten rund 307.000 Mitglieder aus. Damit sind deutlich weniger als die Hälfte der Deutschen noch Mitglied einer der beiden großen Kirchen (23 Prozent römisch-katholisch und 20,8 Prozent evangelisch).
Die Kirchen sind beliebig geworden
Man kann diese Zahlen mit dem demografischen Wandel erklären, mit der Kirchensteuer, mit den Missbrauchsskandalen. Das alles spielt eine Rolle. Doch es greift zu kurz. Ein wesentlicher Grund ist ein anderer: Die großen Kirchen sind beliebig geworden.
Wer heute eine Predigt in einer durchschnittlichen Kirchengemeinde hört, bekommt nicht selten einen politischen Kommentar zu Klima, Migration oder Geschlechtergerechtigkeit – garniert mit ein paar Bibelzitaten. Die frohe Botschaft von Jesus Christus kommt bestenfalls am Rande vor. Kirche klingt wie eine weitere grüne NGO. Doch für diese solche Themen braucht es die Kirchen nicht!
Das Evangelium wird verschwiegen, verwässert, relativiert
Je mehr sich die Kirchen dem Zeitgeist anpassen, desto überflüssiger machen sie sich. Was niemand sonst außer uns Christen sagen kann, ist das Evangelium. Genau das aber wird verschwiegen, verwässert, relativiert.
Dabei zeigt ein Blick auf blühende Gemeinden und lebendige Freikirchen: Wo das Wort Gottes klar verkündigt wird, wo Gemeinde als geistliche Heimat erfahren wird, da kommen Menschen – und sie bleiben. Nicht trotz, sondern wegen der klaren Botschaft.
Ein geistlicher Offenbarungseid
Die Kirchen müssen sich auf ihr Kerngeschäft besinnen: Verkündigung, Sakramente, Seelsorge. Wer den Menschen das Evangelium schuldig bleibt, darf sich nicht wundern, wenn sie gehen. Der Mitgliederschwund ist weder Naturgesetz noch Verwaltungsproblem. Er ist ein geistlicher Offenbarungseid.
Dennis Pfeifer,
Gesamtleiter IDEA e.V.,
Evangelische Nachrichtenagentur 

