Russischer Angriffskrieg
Kasparow liest westlichen Eliten die Leviten
Viele kennen ihn noch, Garri Kasparow, mehrfacher Schachweltmeister und heute Vorsitzender der russischen „Vereinigten Bürgerfront“, die in der Opposition zu Putin ist. Jemand, der die Verhältnisse in Russland bestens kennt. Er meldete sich jetzt in der „Welt“ mit einer Analyse zum russischen Terror- und Angriffskrieg gegen die Ukraine und warf dem Westen vor, einfach nur naiv zu sein.
Putin will keinen Kompromiss
Kasparow kritisierte das angeblich historische Treffen der „Koalition der Willigen“ vor wenigen Wochen in Paris. Dort haben sich unter anderem Deutschland, Frankreich, Großbritannien bereit erklärt, nach (!!!) dem Ende des Krieges europäische Truppen in die Ukraine zu entsenden, wobei sie erklärten, dass es sich um einen Nicht-Kampf-Einsatz handeln solle. Dieser Vorschlag, so Kasparow, sei an Absurdität nicht zu überbieten. Die Ukraine kämpfe gegen ein totalitäres russisches System mit gewaltigen Opfern sowohl bei den Truppen als auch in der Zivilbevölkerung und der Infrastruktur. Sie kämpfe buchstäblich um das Überleben. Und dem Westen falle nichts anderes ein, als zu erklären, dass man nach dem Krieg Unterstützung angedeihen lassen wolle.
Putin, so Kasparow, habe wiederholt und unmissverständlich klar gemacht, dass er zu keinem ernsthaften Kompromiss bereit sei. Dieser Krieg werde durch eine Niederlage enden. Und wenn die Ukraine verlieren sollte, sei das keine Niederlage der Ukraine, sondern eine Niederlage der Demokratie weltweit. Europa benötige nicht Willigkeit, sondern Entschlossenheit. Dieser Krieg, so Kasparow, müsse gewonnen werden, denn der Preis einer Niederlage wäre unermesslich.
Losgelöst von Kasparow muss man den Eindruck haben, dass der Westen die Ukraine immer nur gerade so unterstützt, dass der Krieg verlängert wird, ohne dass es zu entscheidenden Schlägen der Ukraine gegenüber Russland kommt. Der Westen, gerade Deutschland, hat Taurus-Raketen vor der Bundestagswahl versprochen. Nach der Bundestagswahl ist keine Rede mehr davon. Die Rolle Trumps, eines gefühlten Narzissten, kommt erschwerend hinzu. Unstet, unberechenbar und historisch ungebildet.
Wenn der Westen der Demokratie zum Sieg verhelfen will, dann muss er der Ukraine all die Waffen uneingeschränkt an die Hand geben, die in der Lage sind, militärische Ziele in Russland zu treffen. Ansonsten geht der Krieg immer weiter mit unermesslichen Opfern auf der ukrainischen Seite, noch größeren im Soldatenbereich auf der russischen Seite, denn Russland schickt auch halb ausgebildete Soldaten als Kanonenfutter im wahrsten Sinne des Wortes in die Schlacht. Aber es ist Putin egal, dass mittlerweile weit über eine Million russischer Soldaten oder Legionäre getötet oder teilweise schwer verwundet wurden Das Menschenpotenzial dort ist größer. Eine Niederlage der Ukraine wäre eine massive Niederlage des Westens mit unabsehbaren Folgen.



