
Evangelische Kirche:
Deutschlandflagge nein, Regenbogenfahne ja?
Die EKD-Synode – das höchste Kirchenparlament der evangelischen Kirche in Deutschland – hat eine neue Beflaggungsordnung für kirchliche Gebäude beschlossen. Nach der bisher geltenden Vorschrift darf an Kirchen und Gemeindehäusern nur die Kirchenfahne (violettes Kreuz auf weißem Grund) gehisst werden. Jetzt sollen auch andere Flaggen möglich sein. Einzige Bedingungen: Die Beflaggung an kirchlichen Gebäuden muss „der Darstellung der Kirche in der Öffentlichkeit dienen“. Sie darf „dem Auftrag der Kirche nicht widersprechen“. Dazu ein Kommentar von Dennis Pfeifer, Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar)
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat eine neue Beflaggungsordnung beschlossen. Sie hat damit ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt, das mehr über den geistlichen Zustand der Kirche verrät, als man auf den ersten Blick meint. Künftig soll die Beflaggung an kirchlichen Gebäuden „der Darstellung der Kirche in der Öffentlichkeit“ dienen und „dem Auftrag der Kirche nicht widersprechen“. Klingt harmlos, ist es aber ganz und gar nicht. Denn der Streit um Fahnen ist ein Streit um Identität.
Ablehnung für Schwarz-Rot-Gold, Lob für Regenbogen
Ursprünglich wollte der Rat der EKD die Beflaggungsordnung ganz abschaffen – mit dem Hinweis, sie spiele ohnehin kaum eine Rolle. Dass nun doch eine neue Regelung beschlossen wurde, hat wohl weniger mit einem neuen Interesse an Ordnung zu tun als mit dem Bedürfnis, die eigene Haltung in gesellschaftlichen Fragen sichtbar zu machen. Die Signale aus der Synode sprechen eine deutliche Sprache: Während sich Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich klar gegen Deutschlandfahnen an Kirchen aussprach, lobte die EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Kirsten Fehrs ausdrücklich das Hissen von Regenbogenfahnen.
Wofür unsere Nationalflagge steht
Beides ist aufschlussreich. Dass eine Kirche die schwarz-rot-goldene Fahne – Symbol unserer freiheitlichen Demokratie – skeptisch betrachtet, ist befremdlich. Unsere Nationalflagge steht für Einigkeit und Recht und Freiheit. Sie steht für die Bundesrepublik, die gottgegebene Menschenwürde, für Religionsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit. Sie steht für den Schutz von Minderheiten. Und auch für den Schutz der Kirchen. Wer sich von diesem Symbol distanziert, wirkt nicht weltoffen, sondern orientierungslos.
Der Regenbogen ist für viele Provokation
Ganz anders beim Regenbogen: Diese Flagge, einst ein Zeichen biblischer Hoffnung, ist heute vor allem gesellschaftspolitisch aufgeladen. Sie gilt als Symbol einer Bewegung, die für viele Christen mehr mit Genderideologie als mit Evangelium zu tun hat. Wenn Kirchen sie hissen, signalisieren sie: Wir ordnen uns dem gesellschaftlichen Mainstream unter. Hier wird die Grenze zwischen Verkündigung und Aktivismus verwischt. Für viele Gemeindeglieder ist das keine Einladung, sondern eine Provokation.
Was verbindet, was spaltet?
Was dient also nun dem Auftrag der Kirche? Durch seine verbindende Wirkung steht das schwarz-rot-goldene Banner der Aufgabe der Kirche, im Sinne Jesu Gemeinschaft zu stiften und Menschen über gesellschaftliche Grenzen hinweg zusammenzuführen, deutlich näher als die besonders bei konservativen Christen als spaltend empfundene Regenbogenflagge. Diese wird von vielen als ideologisches Zeichen gedeutet – und trägt damit eher zur Polarisierung bei, als dass sie die Einheit im Glauben fördert. Eine Kirche, die sich auf den Auftrag Jesu beruft, sollte das unterscheiden können.
Das Kreuz Christi ist die „Fahne der Kirche“
Vergessen wir nicht: Kirchtürme sollten in erster Linie das Kreuz zeigen – nicht als Statement zu wechselnden Debatten, sondern als Zeichen für den, dem die Kirche gehört. Wenn die EKD schon Flaggen regelt, dann sollte sie sich daran erinnern: Unsere eigentliche „Fahne“ ist das Kreuz Christi. Alles andere ist zweitrangig. Die EKD hätte die bestehende Beflaggungsordnung beibehalten und sich daran halten sollen. Nur die evangelische Kirchenfahne zu hissen war seit 1947 die beste Lösung.
Dennis Pfeifer

