
Professor Vahrenholt:
Deutschlands Weg der Energieversorgung
wird an der Knappheit kritischer Metalle scheitern
Es ist immer ein Genuss, zu lesen, was Professor Fritz Vahrenholt (SPD) zum Thema Energiewende formuliert. Es ist insofern kein Genuss, weil damit immer eine bittere Botschaft verbunden ist, die zum Nachteil Deutschlands ausfällt. Deutschlands Sonderweg in der Energieversorgung, so Vahrenholt, der sich fast ausschließlich auf Sonnen- und Windenergie stütze, werde neben vielen anderen Gründen auch aus Gründen der Knappheit kritischer Mineralien scheitern.
Abgesehen davon, dass durch den deutschen Sonderweg eine gesicherte und frequenzstabile Stromversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann und dass bei Verdrei- bis Verfünffachung der Solar- und Windenergie es eine erhebliche Zerstörung der Kulturlandschaft gibt, die Lebensräume von vielen Tierarten zerstört, von Kosten sowieso ganz zu schweigen, gibt es einen weiteren Grund, der in der öffentlichen Wahrnehmung kaum zu Tage tritt.
Es ist dem finnischen Geologischen Dienst zu verdanken, der die Rohstoffsituation näher beleuchtete. Eine 6-Megawatt-Windkraftanlage besteht derzeit aus 30 bis 50 Tonnen Kupfer und bis zu 300 Kilogramm Seltenen Erden. Ein E-Fahrzeug benötigt 10 Kilo Kobalt, 10 Kilo Nickel und ca. 60 bis 80 Kilo Kupfer, oder anders ausgedrückt, vier- bis fünfmal soviel Kupfer wie ein Diesel oder Benziner. Heute werden lediglich 4 Prozent der weltweiten Energieversorgung durch Wind- und Solarenergie abgedeckt, 11,2 Prozent durch Wasserkraft und Kernenergie und 84,7 Prozent durch fossile Energien.
Würde die Welt, so Vahrenholt, dem deutschen Beispiel folgen und den 84,7-Prozent-Anteil der fossilen Energien durch Wind- und Solarenergie ersetzen, würde man 6000 Millionen Tonnen Kupfer zusätzlich benötigen. Die Jahresproduktion an Kupfer beträgt aktuell 28 Millionen Tonnen.
China hat die Hand drauf
China hat in den letzten Jahren sehr gezielt Rohstoffaufkommen, Lagerstätten und anderes mehr durch Verträge unter seinen Einfluss gebracht. So ist der chinesische Anteil an der Produktion von Kupfer bei 45 Prozent, bei Kobalt bei 80 Prozent, Lithium 78 Prozent, Graphit 95 Prozent oder Seltene Erden 90 Prozent. All das, was man für eine Energiewende benötigt, und zwar für Windkraftanlagen, Solaranlagen, Batterien, E-Autos, Elektromotoren und Generatoren. Die USA haben dies erkannt und deshalb im Mai dieses Jahres beschlossen, die Stromerzeugung aus Kernenergie von knapp 100 Gigawatt auf 400 Gigawatt bis 2050 zu vervierfachen. Alle Länder in Europa, so Vahrenholt, außer Deutschland und Österreich, bauen aktuell neue Kernkraftwerke, weil sie wissen, dass der Wind nicht immer bläst, die Sonne nicht immer scheint, die Netze, die Speicher nicht vorhanden sind und die Kosten ins Unermessliche steigen.
Wer den Ausschluss von Kernkraft betreibe, so der dänische Ministerpräsident Rasmussen, betreibe eine „lächerliche“ Politik. Dies ficht unseren neuen deutschen Umweltminister Carsten Schneider (SPD) nicht an, der sich dagegen ausgesprochen hat, Kernkraftwerke auf europäischer Ebene als nachhaltige Lösung zur Reduktion des CO2-Ausstoßes zu unterstützen.
Merke: Kernkraftwerke CO2-frei, jederzeit verlässlicher Strom, preiswert. Und wenn der Strom in Deutschland nicht reicht? Was macht Carsten Schneider? Man importiert Kernenergiestrom aus den europäischen Nachbarstaaten. Und was sagt Ministerpräsident Rasmussen zu dieser Politik in Deutschland? „Lächerlich“. Recht hat er.
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Herausgeber Wetzlar Kurier
Prof. Fritz Vahrenholt

