Über 1000 Strafanzeigen in der Kölner Silvesternacht 2015/16

Demütigung, Wertlosigkeit, Hilfslosigkeit,
Ohnmacht, Panik, Angst
- so die Empfindungen der betroffenen Frauen

Als multiples Organversagen, wenn man es medizinisch formulieren wollte, bezeichnete Professor Dr. Rudolf Egg, Sachverständiger zur Aufarbeitung der Vorkommnisse der Kölner Silvesternacht im nordrhein-westfälischen Untersuchungsausschuss, die Situation rund um den Kölner Hauptbahnhof und die Dom-Platte. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung der Bürgerinitiative „Pro Polizei Wetzlar“ referierte der Wissenschaftler zum Thema „Migration und Kriminalität – die Kölner Silvesternacht 15/16 aus kriminalpsychologischer Sicht“.

Professor Egg wies darauf hin, dass er in alle Strafanzeigen Einblicke gehabt habe. Seine Aufgabe sei es gewesen, diese auszuwerten und zu einer Bewertung der Gesamtsituation zu kommen. Insgesamt habe es rund 1020 Strafanzeigen gegeben, darunter 30 Prozent wegen ausschließlicher Sexualdelikte, 17 Prozent wegen der Kombination von Eigentums- und Sexualdelikten, 46 Prozent ausschließlich wegen Eigentumsdelikten und 7 Prozent sonstige. Bei den Eigentumsdelikten waren zu zwei Drittel Frauen Opfer, zu einem Drittel Männer. Bei den sexuellen Übergriffen waren Frauen zu 100 Prozent betroffen.

Es sei für ihn sehr erschütternd gewesen, so Professor Egg, die konkreten Strafanzeigen lesen zu müssen mit Beschreibungen unsittlichster Berührungen, Beleidigungen, Beschimpfungen. Er könne gut nachvollziehen, wenn Frauen sich als hilflos, wertlos vorgekommen seien, Wut und Ohnmacht ebenso wie Panik und Angst empfunden hätten und sich erniedrigt gefühlt hätten, weil überhaupt kein Respekt vor den Frauen an den Tag gelegt wurde. Neben grundsätzlichen Risikofaktoren in der Kriminologie, wie Lebensalter und Geschlecht - jüngere Männer seien eindeutig dominant -, sei hier noch eine völlig andere kulturelle Prägung hinzugekommen, denn der Respekt vor Frauen sei gerade bei den Nordafrikanern, allgemein formuliert, nicht immer der größte. Hinzu seien Alkohol, Dunkelheit und eine eindeutig zu niedrige Polizeipräsenz gekommen. Selbst für die Anzeigenerstattung habe man zu wenig Zeit gehabt. Deshalb sei die Kritik an der Kölner Polizei und ihrer Führung berechtigt gewesen, denn man hätte, nachdem die ersten Dutzende Strafanzeigen eingegangen seien, sofort die Bereitschaftspolizei nachordern müssen.

Die politische Führung sei zu damaligen Zeitpunkt völlig abgetaucht. Und wenn Tage später die Kölner Oberbürgermeisterin Reker erklärt habe, dass man sich dadurch wehren könne, den Arm entsprechend auszustrecken, um damit abzuwehren, dann habe sie damit zu erkennen gegeben, dass sie von der Situation keine Ahnung habe. Aus Sicht der Opfer sei dies eine Verhöhnung ihrer Situation gewesen. Zur Verharmlosung habe auch die Presseberichterstattung beigetragen, die zunächst davon gesprochen habe, dass die meisten Feierlichkeiten „friedlich“ verlaufen seien. Das Problem heute sei, dass es schwierig sei, die Betroffenen zur Rechenschaft zu ziehen, denn in dem unglaublichen Gedränge, bei der Dunkelheit und der Schwierigkeit, die Gesichter zu erkennen und damit später identifizieren zu können, sei es kaum gelungen, Täter rechtlich zu belangen. Dass es anders gehen könne, hätten die Silvesterfeiern in den nachfolgenden Jahren bewiesen, denn dort habe man durch eine entsprechende Polizeipräsenz dafür Sorge getragen, dass alles weitestgehend friedlich verlaufen sei.

Pro-Polizei-Vorsitzender Hans-Jürgen Irmer und sein Stellvertreter Udo Volck dankten Professor Egg für den Vortrag und wiesen gemeinschaftlich darauf hin, dass aus Sicht von Pro Polizei die Politik parteiübergreifend gefordert sei, erstens den Zuzug nach Deutschland deutlich zu reduzieren und zweitens Täter, soweit es irgendwie machbar sei, zu verurteilen und sofort abzuschieben. Eine lebendige Diskussion der rund 100 Teilnehmer schloss sich an. Einigkeit bestand darin, dass sich so etwas unter keinen Umständen wiederholen dürfe und dass Presse und Öffentlichkeit aufgefordert seien, nicht aus falsch verstandener Toleranz auf die Benennung der wahren Umstände hinzuweisen.

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe01.11.