„Keine Organspende für AfD-Wähler?“

So berichtete reitschuster.de kürzlich über einen Fall einer grünen Stadträtin aus Weißenhorn, die auf Twitter ihre offensichtlich rhetorische Frage stellte, was man denn tun sollte, wenn die Organe eines Familienangehörigen gespendet werden sollen und man wisse zufällig, dass der Empfänger AfD-Wähler sei. Alleine eine solche Fragestellung zeigt den abgrundtiefen Hass auf alles, was anders denkt, was möglicherweise rechts ist, was nicht auf der gleichen ideologischen Wellenlänge liegt. In den Kommentarspalten bekam sie Applaus von offensichtlich linker Seite.

Ethische Frage

Es ist gut, wenn Menschen bereit sind, als Organspender zur Verfügung zu stehen. Es gibt viel zu wenige davon. Und viele, die ein Organ bekommen haben, sind unendlich dankbar dafür, dass es geklappt hat, häufig auch mit Leid des Spenders verbunden, der möglicherweise bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Allein die Fragestellung, ein Organ zur Verfügung zu stellen, wenn man weiß, dass der Empfänger AfD-Wähler ist, zeigt so niederste Instinkte, dass es einem fast die Sprache verschlägt.

Es kommt hier etwas zum Ausdruck, das für die Demokratie besorgniserregend ist, nämlich die Überzeugung, dass politische Abweichung keine Meinung ist, sondern ein Makel, und Makel gehören ausgemerzt. Bei den Nationalsozialisten sprach man von Volksverrätern, in der sozialistischen DDR ging es um Staatshetze. Menschen wurden gebrandmarkt.

Medizinische Hilfe nur noch für die „Richtigen“?

Wenn man dies konsequent zu Ende denkt, heißt das, dass es künftig medizinische Hilfe nur noch für diejenigen geben soll, die auf der richtigen Seite des Lebens stehen. Politische Gegner werden als moralisch Aussätzige gebrandmarkt. Es ist dies der Ungeist aus den beiden deutschen Diktaturen, der hieraus spricht. Mit Demokratie, Anstand, Würde des Menschen, Menschenbild im Sinne des Grundgesetzes hat dies nichts mehr zu tun. Man stelle sich vor, ein CDU-Stadtrat hätte öffentlich erklärt, dass bei Organspenden Grüne künftig außen vor bleiben sollten.

Schweigen der Medien

Einmal mehr hätte es Sondersendungen gegeben, Rücktrittsforderungen, Ausschluss aus der CDU, zu Recht. Wer auf der guten Seite steht, braucht derlei nicht zu befürchten. Solche Ausfälle werden dann schnell als privat oder „ironisch“ betitelt und dann geht das Tagesgeschäft weiter. Hier offenbart sich ein Verständnis von Menschenrechten und körperlicher Unversehrtheit, das einem nur noch erschauern lassen kann.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe1/2026