
Kirchentag 2025 – Wenn der Glaube zur Nebensache wird
Der Glaube ist mehr als ein persönliches Bekenntnis.
Er ist ein tragendes Fundament unseres Zusammenlebens, ein Wertekanon, der Menschen Orientierung, Halt und Hoffnung gibt – gerade in schwierigen Zeiten. Die christliche Botschaft hat über Jahrhunderte hinweg Generationen geprägt, gestärkt und durch Krisen geführt. Die Kirche als wichtigste Institution dieses Glaubens hat die Aufgabe, diese Werte glaubwürdig zu vertreten und den Menschen ein Fels in der Brandung zu sein.
Doch betrachtet man den diesjährigen, 39. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover, verschlägt es einem als gläubigem Christen die Sprache.
Was sich dort unter dem Banner des Glaubens versammelte, hatte mit der ursprünglichen Botschaft des Evangeliums oft nur noch wenig gemein. Statt Trost und Zuversicht zu spenden, statt zur inneren Einkehr und geistlichen Stärkung einzuladen, präsentierte sich der Kirchentag als politisch-moralische Bühne – vielfach bar theologischer Tiefe. Die religiöse Sinnstiftung wurde überlagert von einer überbordenden Ideologisierung.
Ein zentrales Beispiel dafür war der Umgang mit gesellschaftspolitischen Themen. Natürlich soll sich Kirche in gesellschaftliche Debatten einbringen. Aber wenn Workshops abgehalten werden, die Kinder nach Hautfarbe selektieren – wie der Fall des Workshops „Werde mutig und stark“, an dem weiße Kinder nicht teilnehmen durften – dann verlässt die Kirche das Terrain christlicher Nächstenliebe und begibt sich auf den gefährlichen Pfad der Spaltung. Wer Inklusion predigt, darf nicht Ausgrenzung praktizieren – auch nicht unter dem Deckmantel von Antidiskriminierung.
Auch der scharfe Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt wirft ein grelles Schlaglicht auf das Innenleben der Kirche. Wenn Kirchenvertreter selbst bekennen müssen, dass man den Opfern mit Ignoranz und Kälte begegnet ist, stellt sich die Frage, wie sehr das „C“ in ihrer täglichen Praxis wirklich noch gelebt wird.
Nicht zuletzt sorgt die Finanzierung des Kirchentags mit öffentlichen Mitteln regelmäßig für Unverständnis. Wenn eine Institution die geistige Heimat von Gläubigen sein will, sollte sie sich auch unabhängig und mit Augenmaß präsentieren – und nicht durch Kunstaktionen wie den „nackten Luther“ oder die Abgrenzung sogenannter „religionsfreier Zonen“ zur Zielscheibe ihrer eigenen Glaubwürdigkeit machen.
Es ist höchste Zeit, dass sich die Kirche besinnt. Sie muss sich wieder auf ihre zentrale Aufgabe konzentrieren: Sinn zu stiften, Hoffnung zu geben, Orientierung zu bieten – unabhängig von politischen Moden. Der Glaube darf kein Spielball tagespolitischer Trends sein. Denn was unsere Gesellschaft heute mehr denn je braucht, ist ein verbindendes Narrativ, eine spirituelle Heimat, ein moralisches Rückgrat. All das kann die Kirche leisten – wenn sie den Mut findet, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Denn der Glaube ist kein Zeitgeist – er ist Zeitanker.




