
„Der Wolf in Mittelhessen“
Minister Ingmar Jung und Staatssekretär Michael Ruhl
im Dauereinsatz für Landwirte und Jäger
Über 200 interessierte und betroffene Bürger nahmen kürzlich in der Ulmtalhalle in Greifenstein-Allendorf an der Informations- und Diskussionsveranstaltung „Der Wolf in Mittelhessen“ teil, zu der die Jagdgenossenschaft Greifenstein gemeinsam mit dem Ortsbauernverband, dem Reit- und Fahrverein Ulmtal und den Dillkreisjägern eingeladen hatte.
Die Veranstaltung griff ein brisantes Thema auf, das die Region zunehmend beschäftigt: die Rückkehr und Ausbreitung des Wolfs. Seit dem ersten bestätigten Wolfsriss im Jahr 2022 zählt Greifenstein nach mittlerweile über 30 dokumentierten Sichtungen und Rissen von Nutztieren - mit einer dort amtlich als sesshaft anerkannten Wolfsfähe - zu den sieben "offiziellen" Wolfsterritorien in Hessen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft Johann Ferber. Er begrüßte den Kreistagsvorsitzenden Johannes Volkmann (CDU), Dr. Büger und Knell von der FDP-Landtagsfraktion, die jagdpolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion Rabea Krämer-Bender und ihre agrarpolitische Kollegin Lisa Schäfer sowie weitere Mandatsträger und Behördenvertreter. Ziel der Diskussion sei, die aktuelle Situation der Weidevieh- und Pferdehalter darzustellen, zum Verständnis für ihre Ängste und Sorgen beizutragen und einen realistischen Überblick über das tatsächliche Wolfsvorkommen in Mittelhessen zu erhalten– offen und ideologiefrei.
Naturschutzverbände kniffen
Die ebenfalls eingeladenen Naturschutzverbände hatten aber mit der Begründung, man sehe keinen Konflikt mit dem Wolf, ihre Teilnahme abgesagt. Dem widersprach Johannes Volkmann MdB in seinem Grußwort für die politischen Mandatsträger: „Das Thema ist in der Kreispolitik angekommen. Für mich ist es nicht zumutbar, dass Viehhalter sich Angst um ihre Bestände machen, dass Menschen ihr Freizeitverhalten ändern müssen. Es gibt gute Gründe, dass unsere Vorfahren den Wolf nicht als Kuscheltier betrachtet haben.“
Klare Aussagen traf auf dem Podium auch Staatssekretär Michael Ruhl (CDU): "Wir erleben eine Trendwende beim Thema Wolf. Der Schutz von Weidetieren und die berechtigten Anliegen der Halterinnen und Halter sind dabei für uns zentrale Anliegen. Denn eines ist klar: Die Weidetierhaltung in Hessen hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische und kulturelle Bedeutung. Sie zu erhalten, ist unser gemeinsames Ziel.“ Dies griff der hessische Bauernpräsident Karsten Schmal – selbst Weidetierhalter – auf. Er sieht dringenden Handlungsbedarf und fürchtet um die Zukunft der Weidetierhaltung. "Wir dürfen nicht abwarten, bis es zu problematischen Fällen kommt., sondern „Problemwölfe“ müssen entnommen werden dürfen. Wir wollen keine ständigen Rissereignisse beklagen, über Zäune ist das nicht zu leisten“, sagte Schmal.
Wolf im Jagdrecht
Hier konnte Michael Ruhl unter dem Beifall der Versammlungsteilnehmer darauf verweisen, dass die Koalition aus CDU und SPD 2024 die „Trendwende Wolf“ eingeleitet und durch die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht eine wichtige Voraussetzung für einen realistischen und ideologiefreien Umgang mit dem Wolf geschaffen habe. Dillkreisjäger-Vorsitzender Dr. Schönhofen verwies auf eine zunehmende Zahl von Wölfen mit auffälligem Verhalten -beispielhaft die Verfolgung von 2 Reiterinnen in Greifenstein durch einen Wolf über einen längeren Zeitraum und forderte in seinem eindringlichen Statement ein rechtssicheres Wolfsmanagement und die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht, da „nur ein praktikables Management ein Miteinander von Mensch und Wolf ermöglicht“. Er verwies darauf, dass z. B. in Brandenburg inzwischen mehr Wölfe leben als in ganz Schweden, und forderte „Wolfsfreie Territorien“ in sensiblen Bereichen, in denen kein Herdenschutz möglich sei. Aus seiner langjährigen Praxis schilderte der Veterinärmediziner Dr. Weiler in seinem Fachvortrag konkrete Beispielsfälle typischer Gefahren für Weidetiere und Freizeitnutzer durch lernfähige Wölfe. Nachdem auf EU-Ebene der Schutzstatus des Wolfs abgesenkt wurde und in nationales Recht umgesetzt werden müsse, müsse man jetzt gemeinsam über praktikable Wege für einen tragfähigen Ausgleich zwischen Naturschutz und der Sicherung der Weidetierhaltung sprechen, appellierte Michael Ruhl.
Kampf gegen afrikanische Schweinepest
Nur wenig später eilte Staatssekretär Ruhl erneut nach Mittelhessen, nachdem Mitte Juni im nordrhein-westfälischen Landkreis Olpe ein Wildschwein positiv auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) getestet wurde und die für Menschen ungefährliche Tierseuche nach dem Fund weiterer infizierter Schweine im Siegerland nur noch wenige Kilometer an die hessische Landesgrenze heranrückte. Als Leiter des ministeriellen ASP-Führungsstabes informierte Michael Ruhl in der Hinterlandhalle in Dautphetal rund 500 Jäger, Landwirte und Waldbesitzer aus den grenznahen Landkreisen Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg über die aktuelle Lage und die zusammen mit den örtlichen Veterinärbehörden sofort eingeleiteten Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen wie z. B. die Suche nach verendeten Wildschweinen mit Wärmebilddrohnen und speziell ausgebildeten Kadaversuchhunden oder den Bau von Zäunen. Solange das ASP-Virus noch nicht eingeschleppt worden sei, müsste die heimische Schwarzwildpopulation durch intensive Bejagung verringert werden, um das Risiko einer Ansteckung und Weiterverbreitung zu verringern. Da der Lahn-Dill-Kreis bundesweit zu den Landkreisen mit den im Flächendurchschnitt höchsten Wildschweindichten zählt und der Bestand durch die reiche Herbstmast und die milden Wintermonate gestiegen sei, kommt den Jägern bei der Seuchenprävention somit eine entscheidende Rolle zu, wie unlängst auch Landrat Carsten Braun (CDU) betonte.
In der Jagdpraxis lasse sich eine störungsarme Reduzierung der Schwarzwilddichte mit Einzelabschüssen hauptsächlich durch Nachtjagd erreichen, da Wildschweine überwiegend nachtaktiv sind, erklärte der 2. Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Jochen Decher. Anders als das übrige Schalenwild dürfe Schwarzwild auch zur Nachtzeit bejagt werden und hierfür sei auch die zur tierschutz- und waidgerechten Erlegung notwendige Nachtzieltechnik verfügbar. Allerdings klaffe im Waffenrecht eine Regelungslücke, da zwar nachtsichttaugliche Vorsatz- und Aufsatzgeräte für Zielfernrohre erlaubt, fest montierte Nachtzielgeräte mit eingebauter Zieloptik jedoch verboten sind, obwohl sie nach dem gleichen technischen Prinzip funktionieren, kritisiert Jochen Decher. Statt des verbotenen Zielfernrohrs mit integrierter Wärmebild- oder Nachtsichttechnik müsse der Jäger Zusatzgeräte aufmontieren, was die effektive nächtliche Bejagung des Schwarzwildes behindere. Deshalb begrüßt der Jagdverbandsvize die Initiative von Jagdminister Ingmar Jung, der diese sachlich unbegründete Gängelung gesetzestreuer Legalwaffenbesitzer erkannt und mit seinem Vorstoß im Bundesrat eine praxistaugliche Neuregelung im Waffenrecht angestoßen habe, die jetzt vom Bundesgesetzgeber umgesetzt werden müsse.
Abschließender Tipp der Dillkreisjäger:
Wer sich näher mit dem Thema ASP beschäftigen möchte, findet auf den Homepages des Hessischen Landwirtschaftsministeriums, des Lahn-Dill-Kreises und des Landesjagdverbandes eine Fülle von Informationsmaterial und weiterführenden Links
Staatssekretär Michael Ruhl (2. v. lks.) mit den Podiumsreferenten (v. l.) Johann Ferber, Dr. Michael Weiler, Carsten Schmal, Dr. Rudolf Schönhofen und Moderator Florian Müller

