Gießen sagt Veranstaltung mit Ditib und Islamischer Gemeinde Gießen ab

Vor wenigen Tagen hat die Stadt Gießen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen den Rassismus eine Veranstaltung abgesagt, an der neben der Evangelischen Studierendengemeinde auch die Ditib-Jugend Gießen und die Islamische Gemeinde Gießen (IGG) teilnehmen sollten. Zum Zeitpunkt der Planung der Veranstaltung seien jedoch bestimmte Haltungen der Ditib und vermutete Verbindungen von Mitgliedern der IGG zu verfassungsfeindlichen islamistischen Gruppen nicht bekannt gewesen. Deshalb sage man die Veranstaltung ab.

„Diese Entscheidung ist in der Sache richtig“, so der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer. Er wies allerdings darauf hin, dass die Ditib der verlängerte Arm von Erdogan sei - und dies sei nicht neu. Wenn der Magistrat der Stadt Gießen erkläre, dass er in der Vergangenheit mit beiden Gemeinschaften vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, so glaube er das sofort, so der CDU-Bundespolitiker, denn zum Wesen des Islam gehöre die Takiya, die bewusste Täuschung des Ungläubigen. Deshalb müsse man die islamischen Schalmeien-Gesänge immer einer kritischen Überprüfung unterziehen.

Hetze der Ditib-Moscheen

„Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Diese Zeilen stammen aus dem Gedicht des islamistischen Dichters Ziya Gökalb, die der heutige türkische Präsident Erdogan in den 90er Jahren zitierte, als er noch Bürgermeister von Istanbul war. Ein türkisches Gericht der damals noch laizistischen Türkei hatte ihn deshalb wegen Aufstachelung zum Hass zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Genau diese Zeilen waren jetzt auf der Facebook-Seite der Ditib-Moschee in Gelnhausen zu lesen. Auch in anderen Moscheen gab es Propaganda-Videos, die den Grenzübertritt der türkischen Truppen nach Syrien bejubelten, um dort die Kurden-Miliz zu bekämpfen. Völkerrechtswidrig dieser Krieg auf dem Gelände eines anderen Staates.

Im Übrigen stammt auch aus einem entsprechenden Internet-Auftritt die Formulierung, wonach Allah für einen Gefallenen 1000 Feinde töten möge. Sprache kann gelegentlich verräterisch sein. Der türkische Generalkonsul in Frankfurt, Burak Kararti, hat die völkerrechtswidrige Offensive damit begründet, dass die Türkei die Grenzregion „von Terroristen reinige“.

Ditib-Bildungsreise zu „unserem obersten Heerführer“

Aktuell ist die Ditib wegen einer sogenannten Bildungsreise in die Kritik geraten. Wie der „Kölner Stadtanzeiger“ berichtete, gebe es im Rahmen des Gesamtprogramms einen Besuch im Präsidentenpalast bei „unserem obersten Heerführer“. Und so muss man dem Grünen-Politiker Beck, ehemaliges langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages, recht geben, der erklärte, dass die Ditib wie ein trojanisches Pferd agiere; außen Religion, innen der türkische Staat und Erdogan.

Auch Susanne Schröter vom Institut für Globalen Islam an der Frankfurter Goethe-Universität kritisierte die Propaganda-Filme. Es seien „Hasspredigten“, mit denen ein völkerrechtswidriger Krieg als Heiliger Krieg tituliert werde. Ditib sei für sie eine politische Organisation, die die Propaganda der türkischen Regierung nach Deutschland transportiere.

Ditib Hessen: Kein Einfluss Ankaras

Pflichtgemäß hat sich der Ditib-Landesverband Hessen in den letzten Jahren immer dann gemeldet, wenn es um die vermutete Einflussnahme des türkischen Staates auf die Ditib-Moscheen geht. So erklärte Salih Özkan, Vorsitzender der Ditib Hessen, dass der Verband lediglich die religiöse Kompetenz der Ditib-Zentrale in Köln nutze. Eine Einflussnahme der Zentrale sei aber „praktisch gänzlich ausgeschlossen“. Takiya lässt grüßen, wenn man weiß, dass die türkische Religionsbehörde Diyanet die deutschen Ditib-Moscheen mit rund 500 Predigern, Imamen versorgt, bezahlt und auch in der Regel die Themen für das Freitagsgebet vorgibt. Wie hier eine Einflussnahme gänzlich ausgeschlossen sein soll, vermag vermutlich nur ein Ditib-Funktionär, der von Erdogan gesteuert ist, zu erklären.

Professor Isensee: „Ditib organisatorisch, personell und finanziell von der Türkei abhängig“

Zu einer deutlich anderen Bewertung kommt der Staatsrechtler Professor Josef Isensee. Er war vom hessischen Kultusminister, Professor Lorz, beauftragt worden, den islamischen Religionsunterricht zu begutachten. In dem Rechtsgutachten heißt es, der Moschee-Verband sei „organisatorisch, personell und finanziell von der Türkei abhängig“ und „voll einbezogen in die Hierarchie, die in der Staatsspitze gipfelt“. Der verlängerte Arm von Erdogans Religionsbehörde Diyanet ist die Ditib Deutschland mit Hauptsitz in Köln. Deren Vorsitzender ist Nevzat Yaşar Aşikoğlu, der zugleich Botschaftsrat der Türkei ist.

Beck und Irmer: „Ditib die Anerkennung als Religionsgemeinschaft aberkennen“

Volker Beck (Grüne) hat im letzten Monat öffentlich gefordert, dass das Land Hessen seine Anerkennung der Ditib als Religionsgemeinschaft zurücknehmen müsse. Eine Auffassung, die er, so Irmer, ausdrücklich teile. Nachdem die Landesregierung 2011 vor allem auf Druck der FDP beschlossen habe, bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht in Hessen einzuführen und neben der Ahmadiyya-Gemeinde auch der Ditib die entsprechende Zulassung zu gewähren, sei er damals als bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion zurückgetreten, weil er diese Entscheidung für grundfalsch und für integrationsfeindlich gehalten habe. Eine Auffassung, für die er auch heute noch in gleicher Weise eintrete. Die Entwicklung habe ihn in seiner Beurteilung nur bestärkt.

Wenn die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) sich heute entsetzt über die Ditib äußere, dann sei die GEW genauso daran zu erinnern wie SPD, Grüne und vor allen Dingen FDP, die seinerzeit mit Vehemenz die Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichtes in der Trägerschaft der Ditib gefordert und ihn selbst als islamophob kritisiert hätten. „Man muss allerdings nur mit offenen Augen durch die Lande gehen“, so Irmer abschließend, „um festzustellen, dass es eine schleichende Islamisierung gibt. Dies hat mit einer Phobie, einer Krankheit, nichts zu tun, sondern ist das Ergebnis langjähriger intensiver Betrachtung der islamischen Entwicklung in Deutschland, die mich mit großer Sorge erfüllt.“

Aktuelle Ausgabe12/2018