Weltenergierat fällt vernichtendes Urteil
über Deutschlands Energiepolitik

Es ist Boris Reitschuster zu verdanken, dass er eine Kritik des Weltenergierats öffentlich gemacht hat, die normalerweise Anlass sein müsste, der Aufmacher für die Tagesschau zu sein.

Über 100 Experten aus über 50 Ländern haben erklärt, dass Deutschland auf dem besten Wege sei, sich klimapolitisch zu blamieren. 74 Prozent halten es für völlig illusorisch, dass Deutschland seine selbstgesteckten Klimaziele 2030 auch nur ansatzweise erreichen kann, von der Frage der Notwendigkeit ganz abgesehen. 79 Prozent bezweifeln sogar das Erreichen der Klimaneutralität bis 2045. Vernichtend das Urteil über den Atomausstieg, der in Deutschland gefeiert wird wie ein moralischer Triumpf, international aber als völlige Fehlentscheidung betrachtet wird.

Deutschland Geisterfahrer

Niemand in der EU glaubt, dass man mit dem Verzicht auf Kernkraft die selbstgesteckten Ziele erreichen kann. Alle anderen Staaten nicht nur in Europa, von Österreich abgesehen, gehen auch weltweit einen völlig anderen Weg. Sie setzen auf Kernkraft 2.0, auf neue Modelle, auf Weiterbetrieb und Ertüchtigung bestehender Kernkraftwerke. Kernkraftwerke bedeuten preiswerten, sicheren, verlässlichen und CO2-freien Strom - jederzeit und überall. Dass eine Industrienation wie Deutschland im Grunde genommen seine Energieversorgung überspitzt formuliert der „Wetter App“ überlässt, sorgt beim Weltenergierat nur noch für Kopfschütteln.

Der vollzogene Ausstieg aus Kernkraft, der geplante Ausstieg aus Kohle und Gas und das einseitige Setzen auf Erneuerbare Energien, die prinzipiell als Substitut natürlich ihre Berechtigung haben, sorgt für völliges Unverständnis. Ebenso der einseitige geplante deutsche Weg beim Wasserstoff, bei der völlig unnötigen und die Verbraucher belastenden CO2-Bepreisung und beim geplanten Energieverbrauchsrückgang, der bei einer Industrienation nur dann kommen kann, wenn diese Industrienation deindustrialisiert wird.

Arbeitsplatzverluste

Man könnte an dieser Stelle eine lange Liste von Firmen erstellen, die in den letzten zwei, drei Jahren entweder dem Standort Deutschland den Rücken gekehrt oder Stellen abgebaut haben, weil die Energiekosten, die Stromkosten, der geplante grüne Wasserstoff nicht mehr konkurrenzfähig darstellbar sin. Und wenn Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel Europe aktuell 11.000 Arbeitsplätze von knapp 27.000 streichen will, dann ist das ein Alarmsignal, denn eine der entscheidenden Begründungen sind die entsprechenden Energiekosten. Und staatliche Subventionen nutzen auf Dauer auch niemandem. Subventionen bedeuten Geld des Steuerzahlers. Wichtiger ist, der Industrie aus eigener Kraft die Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechende Rahmenbedingungen zu ermöglichen und nicht durch völlig falsche und unrealistische Energieziele dazu beizutragen, dass wichtige Arbeitsplätze gerade in der Industrie abgebaut werden. Die Zeit für eine drastische Energiewende der ideologisierten Energiewende von Rot-Grün ist überfällig.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe1/2026