SPD zog Plakat zurück
In die Nazi-Falle gestolpert

Das Schimpfwort „Nazi“, korrekt müsste es heißen „Nationalsozialisten“, aber dann hat man den Begriff des Sozialisten dabei, wird heute leichtfertig verwandt, um den politischen Gegner zu diffamieren. Beschimpfungen dieser Art ersetzen kein Sachargument, sind völlig deplatziert und vor allen Dingen sie relativieren die ungeheuren Verbrechen, die die Nationalsozialisten während der Zeit von 1933 bis 1945 tatsächlich begangen haben.

580.000 „Nazis“ jetzt bei der SPD?

Am Wahlabend war ein sichtlich frustrierter SPD-Chef Lars Klingbeil um Erklärungen für die historische Schlappe bemüht. Nie hatte die SPD in Deutschland weniger bei einer gesamtdeutschen Wahl als jetzt aktuell „13,9 %“. Statt sich zu fragen, wo das herkommt, darüber könnte man einen langen Aufsatz schreiben, verstieg sich Klingbeil in der Beschimpfung der AfD-Vorsitzenden Weidel als Nazi. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob denn jetzt die 580.000 Wähler, die bei der Europawahl von der SPD weggegangen sind und AfD gewählt haben, künftig auch Nazis sind?

Wie schnell man selbst „Nazi“ wird, konnte die SPD im Rahmen des Wahlkampfes selbst erleben, es gab einen Internet-post, der wie folgt lautete:

„Deutschland

Den

Deutschen,

die unsere Demokratie verteidigen“

Man schließe nur sekundenlang die Augen und überlege was passiert wäre, wenn beispielsweise die AfD diesen Slogan gebracht hätte. Wo bleiben bei diesem post eigentlich die Ausländer, die Migranten? Will die SPD also nur noch ein Deutschland für Deutsche, die die Demokratie verteidigen? Was geschieht dann mit den anderen Deutschen? Mit dieser SPD-Botschaft wird die Gesellschaft einmal mehr zweigeteilt. In die anständigen Deutschen, so wie es Willy Brandt einmal formulierte und die Unanständigen. Die Spaltung der Gesellschaft wird damit vorangetrieben. Nach entsprechenden Protesten hatte die SPD dann die Kachel gelöscht und sich kleinlaut entschuldigt. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe7/2024