„Dank“ Berlin

Fliegen wird teurer
Weitere Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet

Es kommt selten vor, dass sich der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte, so deutlich artikuliert wie jetzt aktuell, nachdem die Bundesregierung entschieden hat, die Luftverkehrssteuer zu erhöhen und zugleich die Förderung der für die Branche existenziellen Entwicklung von synthetischen CO2-neutralen Treibstoffen zu kürzen.

Die Luftverkehrssteuer belastet ohnehin schon den Standort Deutschland mit dem Ergebnis, dass deutsche Flughäfen und Fluggesellschaften international benachteiligt sind, ohne dass sich klimapolitisch gesehen für das Weltklima irgendetwas bewegt. Im Gegenteil, die Fluggastzahlen steigen weltweit, deutlich mehr als in Deutschland, weil die europäischen und die außereuropäischen Fluggesellschaften die nur in Deutschland vorherrschenden einseitigen zusätzlichen Belastungen nicht schultern müssen. Wer glaubt, durch Verteuern des Fliegens in Deutschland etwas in Richtung Weltklima bewegen zu wollen, sieht sich getäuscht, denn die Luftfahrtgesellschaften weichen ganz einfach auf außereuropäische und mit weniger Auflagen versehene Airports aus.

Erreicht wird allerdings, dass der deutsche Verbraucher noch tiefer in die Tasche greifen muss und dass Arbeitsplätze im Bereich der Flughäfen gefährdet sind. Am Frankfurter Flughafen sind rund 80.000 Menschen beschäftigt. Wer diesen Standort gefährdet, gefährdet auch einen großen Teil dieser Arbeitsplätze. Schulte wies kürzlich darauf hin, dass die Fraport AG rund 50 Prozent des Ertrages im Auslandsgeschäft erwirtschafte, zum Beispiel in Südamerika, der Türkei oder auch in Griechenland, wo die Wachstumschancen deutlich besser sind. Völlig unverständlich, wenn man denn die selbsternannten Klimaziele ernst nehme, sei der Beschluss der Bundesregierung, die Förderung synthetischer CO2-neutraler Treibstoffe zu kürzen. Einmal mehr werde der zweite Schritt vor dem ersten getan. Das gelte im Übrigen auch für die EU mit ihrer Vorgabe zur Beimischung von CO2-neutralem Biomasse basiertem Kerosin. Diese Forderung sei auch nicht ansatzweise umzusetzen, denn entsprechender Treibstoff sei nicht ausreichend vorhanden, um die von der EU eingeforderten Quoten zu erfüllen. Alles hektische Maßnahmen ohne Sinn und Verstand.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe7/2024