„Ich wollte nie Politiker werden“

WvO-Schüler diskutieren mit MdB Hans-Jürgen Irmer

„Ich wollte Englisch- und Geographielehrer werden. Das Fach Sozialkunde habe ich zusätzlich als drittes Fach studiert, um meine Chancen auf dem damaligen Lehrer-Arbeitsmarkt zu verbessern. Ich wollte eigentlich nie in die Politik gehen oder Politiker werden. In meinem Elternhaus war Politik kein großes Thema. Der Umschwung und meine Politisierung kamen erst durch die einseitige studentische und teilweise professorale Linksorientierung der Unis im Fachbereich Politik – mit der ich nicht einverstanden war.“

So eröffnete Hans-Jürgen Irmer am 16.11. die Diskussionsrunde mit Oberstufenschülern der Wilhelm-von-Oranien-Schule. Das war eher überraschend für einen Menschen, der bei der letzten Bundestagswahl ein Direktmandat des Lahn-Dill-Kreises für die CDU gewinnen konnte. Im Atrium des Dillenburger Gymnasiums stellte sich Irmer den Fragen von über hundert Schülern aus Politik- und Wirtschaft-Kursen. Die Fragen bezogen sich nicht nur auf biografische Weichenstellungen oder auf das Leben eines Berufspolitikers, sondern auch auf die aktuellen politischen Ereignisse, wie zum Beispiel die „Jamaika-Sondierungsgespräche“ in Berlin.

Ein reger Austausch

Die Palette der gestellten Fragen war sehr breit: angefangen von persönlichen Aspekten, über die Innenpolitik – z.B. Migration, Sicherheit, Bildung und Dieselskandal – bis hin zu den tagesaktuellen Geschehnissen. Die Schüler fragten offen und direkt. Ohne Scheu wurden die kontroversen Themen wie Asyl- und Integrationspolitik, Islamisierungsdebatte, die Ursachen der AfD-Erfolge, der gesellschaftliche Umgang mit homosexuellen Menschen oder (Video-) Überwachung durch den Staat klar angesprochen. Irmer antwortete ebenso klar. Beispielsweise betonte er, dass eine Zuwanderungs-Obergrenze für Deutschland notwendig sei: „Wer was anderes behauptet und einen uneingeschränkten Zuzug will, gefährdet Deutschlands Zukunft“ – so O-Ton Irmer.

Bezüglich des Familienbildes bekräftigte er die Bedeutung der traditionellen Familie – bestehend aus Mann und Frau – für unsere Gesellschaft, ohne die anderen Formen herabzuwürdigen oder zu verneinen.

Hoher Diskussionsbedarf

Diese Direktheit zündete und führte zu einer intensiven und manchmal auch kontroversen Diskussion. Aus Zeitmangel konnten mehr als zwanzig von den Schülerinnen und Schülern im Vorfeld vorbereitete Fragen nicht mehr gestellt werden. Dies zeigt aber, wie groß das Interesse und das Engagement der Jugendlichen war und wie wichtig und notwendig solche Treffen mit Politikern sind. Es widerspricht auch der geläufigen Meinung von der Politikverdrossenheit der Jugend. So dankte Irmer am Schluss der Veranstaltung seinen Gesprächspartnern: „Ich danke für Ihre Vorbereitung, Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Fragen. Es ist gar nicht selbstverständlich, dass junge Menschen so sehr an politischen Themen interessiert sind. Ich war es in Ihrem Alter nicht.“

Fazit

Manche Impulse, die gegeben wurden, werden aus Schülersicht in Erinnerung bleiben, z.B. die Bedeutsamkeit von Politik, unabhängig von der eigenen politischen Orientierung, oder wie es Irmer beschrieb: „Politik ist wichtig, denn sie bestimmt Ihr Leben. Ob Sie es wollen – oder nicht! Ob Sie sich dafür interessieren – oder nicht! Ich setze mich gewissenhaft und aufrichtig für die Demokratie in unserem Land ein. Mit Lösungsvorschlägen, die meinen Überzeugungen entsprechen. Ähnlich engagieren sich andere Politiker anderer Parteien, die auch nach den besten Lösungen in ihrem Sinne suchen.“

Text: Kim Faber und Kira Haubach, Q1 PW GK/Sajon

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Aktuelle Ausgabe6/2018