Warnung vor unseriösen und dubiosen Anbietern in Sachen Teppichreinigung - Kreisverwaltung gibt Tipps

Unsaubere Methoden - Geschädigte Kunden - Seriöse heimische Händler alarmiert

Das Problem der "schwarzen Schafe" ist hinlänglich bekannt. Es gibt sie auf allen Gebieten, in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Meist wird die Gefahr oder die Möglichkeit, Leidtragender oder Geschädigter von Aktivitäten "schwarzer Schafe" zu werden, nicht mit der eigenen Person in Verbindung gebracht, sondern bei anderen Mitmenschen verortet. Jedoch kann es durchaus schnell passieren, in die Falle zu tappen, die "schwarze Schafe" stellen. Aus Unachtsamkeit, aus Leichtsinn, aus Gutgläubigkeit. So ist es in jüngster Vergangenheit zahlreichen Mittelhessen ergangen, die Opfer unseriöser Machenschaften von Teppichreinigungsfirmen auf den Leim gegangen sind.

Sie versprechen den Kunden eine gründliche Reinigung ihrer oft auch wertvollen Teppiche, zocken diese Kunden dann aber ab. Nach Strich und Faden sozusagen und in einer Weise, die sich sprichwörtlich gewaschen hat. Drei solcher unseriösen und dubiosen Firmen haben sich in den letzten Monaten im Lahn-Dill-Kreis niedergelassen, in Ehringshausen beispielsweise und auch in Dillenburg, haben kleine, in einem Fall nur wenige Quadratmeter große Ladengeschäfte angemietet und agieren von diesen aus im Lahn-Dill-Gebiet. Seriöse und teils seit Jahrzehnten vor Ort ansässige Teppichfachgeschäfte sind alarmiert und machen mobil. Dabei tut sich Mohammad Najafi hervor, der seit 1986 in Wetzlar sein Teppichfachgeschäft, mittlerweile in der Langgasse, betreibt. Und den die dubiosen Kollegen natürlich umtreiben - um des guten Rufs seiner seriösen Kollegen und der gesamten Branche wegen. Dabei geht es Najafi nicht um die Abwehr von Konkurrenten am Markt, "aber auch in diesem Metier muss der Wettbewerb fair sein und bleiben".

Najafi sind einige Fälle betrogener Kunden bekannt, die auf die durchaus eloquent und zugleich bestimmt auftretenden Anbieter, deren Werbung mittels Flyern und damit auf vermeintliche Schnäppchen hereingefallen sind. So habe eine Kundin für die Reinigung eines 15 Quadratmeter großen Teppichs letztlich die stolze Summe von 3300 Euro bezahlt, wobei Najafi als Teppich-Experte maximal 500 Euro für angemessen erklärt. Das Waschen eines Wollteppichs kostet bei seriösen Anbietern laut Najafi 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter, handele es sich um Seidenteppiche, dann zwischen 45 und 55 Euro.

Bei der unseriösen Masche, die derzeit im heimischen Raum zur Anwendung kommt, folgen auf die Lockangebote häufig Wucherpreise für Zusatzleistungen und Reparaturen - wenn diese denn überhaupt erbracht würden. Die offenbar verkaufsgeschulten Mitarbeiter der dubiosen Teppichreinigungsfirmen, die sich in der Regel ältere und gutgläubige Menschen für ihre Geschäfte aussuchen, bauen zudem in den Verhandlungen mit ihren Kunden Druck auf, verlangen Bargeld und Vorkasse. Zur "Masche" zählt auch ein weiterer "Service": Es ist vorgekommen, dass Kunden angeboten wurde, deren Teppich auf Kommissionsbasis zu verkaufen, allerdings erst nach Reinigungs- und Reparaturarbeit, die selbstverständlich zuvor zu bezahlen sind. Folge: Manch ein Kunde, besser "Opfer", ist nicht nur sein Geld los, sondern möglicherweise obendrein auch noch seinen Teppich. Denn nach ausgemachten drei Monaten Verkaufsfrist kann es vorkommen, dass die Firma nicht mehr zu finden ist. Und auch die Vermieter der Gewerberäume haben ihre Probleme und schauen ihrem Geld hinterher. Denn auch eine Gewerbeanmeldung ist vielfach nicht vorhanden, also wird auch keine Gewerbesteuer bezahlt, polizeiliche Ermittlungen sind mehr als schwierig.

Mittlerweile ist in Sachen dubiöser Teppichreiniger die Gewerbeaufsicht aktiv. Aus der Kreisverwaltung gibt es Verhaltensratschläge: Auch bei Teppichreinigungen einen verbindlichen Kostenvoranschlag verlangen. Auf vollständige Personalien des Unternehmers in den Geschäftspapieren achten und sich auch Ausweispapiere zeigen lassen. Teppiche zuvor fotografieren und die Übergabe bescheinigen lassen. Mit Anzahlungen vorsichtig sein, Zahlungen bargeldlos abwickeln. Niemand, so der Lahn-Dill-Kreis , solle unter Generalverdacht gestellt werden. Der Rat, aggressiver Werbung mit Billigangeboten nicht zu viel Beachtung zu schenken, erscheine jedoch grundsätzlich sinnvoll, Vorsicht sei in jedem Fall am Platze. Und schließlich der Rat aus der Kreisverwaltung, sich in Sachen Teppiche und der Reinigung an die schon lange ortsansässigen Teppichspezialisten wenden und sich seriös beraten zu lassen.

 

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Franz Ewert

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