Brandbrief des Betriebsrats der Süd-Thüringen-Bahn

Verbale Exzesse, sexistische Bedrohungen, Anspucken,
Schläge und Tritte

In Thüringen wird darüber nachgedacht, ob es eine verstärkte Bestrafung derjenigen geben soll, die Politiker angreifen. Das soll an anderer Stelle beleuchtet werden. Um eines klar zu sagen: Niemals ist ein Angriff gegen einen Menschen, ob Politiker, egal von welcher Partei, gegen Rettungskräfte, gegen Polizeibeamte, aber auch gegen „normale“ Bürger zu akzeptieren. Die tägliche Bedrohungslage ist gerade in vielen Zügen so geworden, dass sogar Landwirtschaftsminister Özdemir kürzlich erklären musste, dass seine Tochter bestimmte U-Bahnlinien in Berlin nicht mehr nutzt

„Fahrgäste“ mit Migrationshintergrund

Eine ähnliche, unwürdige Situation müssen Fahrgäste auf der Strecke Erfurt – Suhl praktisch täglich erleben. In der Landeshauptstadt Erfurt und in Suhl sitzt die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Freistaat Thüringen. Der Betriebsrat schrieb jetzt einen Brandbrief an Thüringens Ministerpräsidenten Ramelow (Linkspartei), der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigließ. Es geht nicht darum, so der Betriebsrat, eine bestimmte Personengruppe zu stigmatisieren oder vorzuverurteilen, sondern es gehe darum, dem Ministerpräsidenten schonungslos ein realistisches und der Wahrheit entsprechendes Bild zu vermitteln.

„Wir reden weder von Ausnahmen oder den ‘berühmt-berüchtigten Einzelfällen’, es geht vielmehr um nahezu alltägliche Vorfälle in Nahverkehrszügen der Süd-Thüringen-Bahn. Die betreffenden Personen sind in den meisten Fällen weder im Besitz gültiger Fahrausweise noch verfügen sie über entsprechende Zahlungsmittel zum Erwerb eines Fahrausweises. Die Personale, welche entsprechende Kontrollen durchführen (müssen), werden bei oder im Anschuss derartiger Kontrollen nicht selten verbal und in immer stärkeren Maßen auch handgreiflich attackiert… Die Attacken schließen neben verbalen Exzessen, welche wir Ihnen (dem Ministerpräsidenten) an dieser Stelle lieber ersparen, auch Schläge und Tritte ein. Nicht selten werden Kolleginnen sexistisch bedroht und beleidigt und auf ekelhafte Weise angespuckt.

Auch kam es mehr als einmal vor, dass Vertreter dieser Reisegruppe(n) sich in den Zügen ihrer Beinkleider entledigten und unsere Kollegen – und damit auch den Reisenden – tiefste Einblicke in ihre Intimbereiche gewährten – worauf alle Anwesenden mit Sicherheit gerne verzichtet hätten. Allerdings kam es auch zu Gewaltexzessen unter den Mitgliedern dieser Personengruppe selbst (was dann darin mündete, dass auf freier Strecke Notbremsen und/oder Tür-Notentriegelungen durch diese betätigt wurden und unser Triebfahrzeugführer (in diesem Fall eine junge Dame) genötigt wurde, das ‘Schlachtfeld Fahrgastraum’ zu betreten, um technische Maßnahmen durchführen zu können, um die Fahrt wenigstens bis zum nächsten Bahnhof fortzusetzen.

An das Herbeirufen der Polizei war aufgrund der Streckengeographie nicht zu denken. Unsere Kollegin musste unter Todesangst mit einem stark durch menschliches Blut verunreinigten Triebwagen die Fahrt bis zum Bahnhof Suhl fortsetzen. Über die seelischen Folgen bei unserer noch recht jungen Kollegin und den Fahrgästen brauchen wir angesichts der Szenen, welche aus einem Bürgerkriegsgebiet hätten stammen können, an dieser Stelle nicht reden!“

„Wer, wenn nicht Sie, hat diese Zustände ursächlich geschaffen?“

„Wie, so fragen wir Sie ernsthaft, können Sie erwarten, dass Bürger dieses Landes der praktizierten Flüchtlingspolitik offen gegenüberstehen, wenn diese – praktisch täglich, und nicht nur im OPNVI – Zeugen derartiger Gewalt, Verrohung und absoluter Verachtung und Verhöhnung unserer Gesetze und Gesellschaft, inklusive ihrer sogenannten ‘Werte’, werden müssen?“

Zweierlei Maß

Stellen Sie sich, liebe Leser, einmal vor, in einer Regionalbahn hätte eine Horde jugendlicher AfD-Mitglieder so gehaust, wie diese Asylbewerbergruppen fast täglich. Was glauben Sie, was passiert wäre? Sondersendungen, Sondertribunale, Interviews der Medien vor Ort, Betroffenheitsrituale und vieles andere mehr. Von Talkshows ganz zu schweigen. Dieser Brandbrief, der kein Staatsgeheimnis ist, wäre es wert, öffentlich in den Medien thematisiert zu werden, denn das ist kein Einzelfall. Und niemand in dieser Republik muss sich wundern, wenn die Leute „Plapperrunden“ im Fernsehen, mahnende Worte, Rufe nach der Strenge des Gesetzes, ohne dass sich etwas ändert, einfach nur satthaben.

Wer selbst einmal Opfer einer Beleidigung, eines tätlichen Angriffes, einer Schlägerei oder Messerstecherei wurde, sieht die Welt mit anderen Augen. Wer keinen gepanzerten Wagen hat, keine Bodyguards, der wird sich in manchen Regionen genau überlegen, mittlerweile in Deutschland, durch welche Straßen er geht und welche Verkehrsmittel er wann benutzt. Allein diese Überlegung ist bereits eine Einschränkung der individuellen Freiheit.

Macht man auf diese Missstände aufmerksam, so ist man ein Ausländerfeind, ein Rassist. Nein, Rassisten sind in Wirklichkeit diejenigen auf der linken Seite, die solche Zustände erst sehenden Auges ermöglichen. Rassisten gegen das eigene Volk.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe6/2024