Neujahrsempfang mit Ahmad Mansour in der Stadthalle Wetzlar:


„Der politische Islam will die Demokratie unterwandern“

Die Welt ist aus den Fugen.

Sie schaut seit fast zwei Jahren auf den von Putin vom Zaun gebrochenen völkerrechtswidrigen kriegerischen Überfall Russlands auf das Nachbarland Ukraine und nun seit fast vier Monaten auf den von der islamistischen Terrororganisation Hamas bewusst und gewollt losgetretenen Konflikt mit Israel, das sich seinerseits - geschockt von den unmenschlichen Geschehnissen - völkerrechtskonform gegen die Urheber dieses Blutbades einschließlich zahlreicher Entführungen unschuldiger Menschen zur Wehr setzt. Und dabei mittlerweile aus vielen Teilen der Welt, in Sonderheit auch der westlichen, zur Mäßigung im militärischen Vorgehen und zugleich zur Beachtung des Völkerrechts, insbesondere um die Zivilbevölkerung zu schützen, aufgefordert wird.

Mahnungen, die mit jeweils guten Gründen geteilt oder auch als nicht hilfreich angesehen werden können. Mahnungen jedenfalls mit einem faden Beigeschmack, denn im Blick auf den Terroristen Putin und seinen Angriffskrieg auf die Ukraine, in dem ebenfalls täglich Zivilisten bei Angriffen auf Wohnhäuser und andere nicht militärische Ziele zu Schaden kommen, vernimmt man solche aus dem Mund der sogar aus guten Gründen um das Völkerrecht und die Menschen Besorgten leider nicht.

Vor diesem Hintergrund - weil auch gerade in Deutschland die pro-palästinensischen und damit gleichzeitig anti-israelischen Demonstrationen für viele Beobachter geradezu erschreckende Ausmaße angenommen haben - begrüßte der Vorsitzende der Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar, Hans-Jürgen Irmer, zum Neujahrsempfang des mittlerweile 940 Mitglieder starken Vereins, 350 Gäste in der Stadthalle Wetzlar, darunter den Schirmherrn Björn Geier von der Firma Geier Starkstromtechnik Dillenburg, Polizeipräsident Torsten Krückemeier, und Wetzlars Polizeichef Michael Pagel, sowie den Leiter der Polizeidirektion Lahn-Dill Joachim Bernard.

Diese große Zahl Interessierter stand nicht nur nach Überzeugung des Vorsitzenden in direktem Zusammenhang mit dem Gastreferenten Ahmad Mansour, der sich in seinem in freier Rede präsentierten Vortrag mit einem ebenso problematischen wie aktuellen Thema befasste, das seiner Meinung nach weder von der Verantwortung tragenden politischen Kaste in unserem Land - und hier besonders vom "linken Spektrum" noch von den beiden christlichen Kirchen angemessen wahrgenommen, eingeordnet und behandelt wird. "Operation Allah" heißt sein neuestes Buch zum Problemkreis, und der Untertitel "Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will" beschreibt treffend den Inhalt der aufrüttelnden Rede des 47 Jahre alten arabischen Israeli, der seit 2004 in Deutschland lebt und neben seinen Aktivitäten als Autor, Vortragsreisender und Talkshow-Gast als gelernter Diplom-Psychologe arbeitet.

Politischer Islam agiert im Verborgenen

Unter anderem seit 13 Jahren als Dozent an der Polizei-Akademie in Berlin. Dass Mansour sein Leben führen und seiner Arbeit und die Veröffentlichung seiner Meinung in Wort und Schrift in einem demokratischen Land wie Deutschland nur unter ständigem Personenschutz des Landeskriminalamtes nachgehen kann, wirft ein bezeichnendes Licht auf ein Land, in dem er dennoch gerne lebt. Sein Thema ist der Islamismus mit seinen vielen Gesichtern. Für Mansour zählt der "politische Islam" zur gefährlichsten Variante, da er, gerade auch in Deutschland, im Verborgenen agiert. Dass er dies jedoch und dennoch "vor aller Augen" tue, sei kein Widerspruch, das Gefährliche daran sei aber, "dass wir es nicht bemerken".

Gleiche ideologische Wurzeln wie IS oder Hamas

Der politische Islam unterwandere hierzulande politische und auch wissenschaftliche Institutionen gleichermaßen mit dem Ziel, die Gesellschaft umzuformen. Dadurch gerate die Demokratie in Gefahr. In Deutschland leben knapp sechs Millionen Muslime. 80 Prozent von ihnen gehören laut Mansour keinem der Verbände des politischen Islam - Ditib, Milli Görüs, Moslembruderschaft und andere Organisationen - als Mitglieder an. Viele Muslime seien gut integriert in Deutschland, strebten nach persönlichem Wohlstand und dürften sich natürlich politisch engagieren. Als besonderes Zeichen gelungener Integration nennt Mansour die Tatsache, dass 35 Prozent der "neuen" Polizisten in Berlin einen Migrationshintergrund haben, ein großer Teil davon seien Muslime.

Der Referent machte deutlich, dass er das warnende Augenmerk auf den "politischen Islam" richte. Dieser formuliere und verfolge politische Ziele, die demokratiefeindlich seien. Der politische Islam versuche die Demokratie mit Mitteln zu untergraben, die harmlos, unauffällig und oftmals auch liberal, solidarisch und partizipativ erscheinen. Seine eigentliche Zielsetzung allerdings verberge der politische Islam, stattdessen schmücke er sie mit demokratischen Narrativen.

 

Der politische Islam oder auch "legalistische Islamismus" erwächst laut Ahmad Mansour aus den gleichen ideologischen Wurzeln wie der IS, Al Khaida und auch die Hamas. Alle diese Gruppen sähen den Islam als "die Lösung", den Islam als politischen Auftrag und Rahmen ihres Handelns an und in der Anwendung von Gewalt ein legitimes Mittel, um an die Macht zu kommen. Dabei sei man "absolut überzeugt", richtig zu handeln. Beispiel Hamas. 2007 habe diese Organisation im Gaza-Streifen gegen die "Brüder" der PLO geputscht und rund 1000 von diesen umgebracht. Und immer das Ziel gehabt, Israel wenn möglich auszulöschen.

Und die Hamas habe im Blick auf die Ereignisse des 7. Oktober genau gewusst, welche Reaktion seitens Israels auf den Terroranschlag erfolgen würde, weil dem kleinen Land, im Übrigen die einzige Demokratie in der Region, keine andere Wahl blieb, ist sich Mansour sicher. Es sei die "strategische Kraft der Muslimbrüder" in den Ländern des Westens, die sich die Hamas als Folge ihres Terrorüberfalls auf Israel nun strategisch geplant zunutze mache, um als Hamas zu überleben, so deren Kalkül. Ein Kalkül im Übrigen, das auf die eigene palästinensische Einwohnerschaft des Gaza-Streifens keinerlei Rücksicht nehme. Und dieses Kalkül scheine teilweise aufzugehen. Denn je mehr Menschen in Europa - wie geschehen - im Sinne und pro Hamas auf die Straße gehen, desto schneller werde der Westen Druck auf den Juden-Staat ausüben, damit Israel seine Ziele im Gaza-Streifen - nämlich die Ausschaltung der Hamas - nicht erreiche.

Das alles hat für Mansour mit "Zufall" nichts zu tun. Die "Vorarbeiten" - das sei vor allem auch die massive islamistische Propaganda in den sozialen Netzwerken - trügen Früchte. Zum Beispiel in der Form, dass die Angst vor den Reaktionen des politischen Islam zu einer Änderung der Politik in den westlichen Ländern führt. Der 7. Oktober mache zudem deutlich, dass der politische Islam Partner gefunden habe, vor allem die "intellektuelle Linke". An vielen deutschen Universitäten wachse die Zusammenarbeit mit Islamisten. Eine Folge sei, dass mit der Antirassismus-Ideologie die Menschen in Gruppen eingeteilt werden, wobei jede Kritik am Islamismus sofort als Rassismus gebrandmarkt werde.

„Westliche Blauäugigkeit“

Die Zusammenhänge, die in der Folge des 7. Oktober sichtbar geworden seien, sollten laut Mansour dringend zum Umdenken, zum Ablegen der "Blauäugigkeit" und zur Anerkennung der Realitäten Anlass sein. "Wir haben seither eine andere Realität." Allerdings seien in Deutschland in den Jahren und Jahrzehnten zuvor keine säkularen Strukturen entstanden, um Muslime in die westliche Gesellschaftsstruktur zu integrieren. In Form "selbstgemachter Fehler" sind dagegen jedoch Strukturen geschaffen worden, die Organisationen wie Milli Görüs und Ditib - eng verbunden mit und geführt und beeinflusst von der türkischen Religionsbehörde - in Deutschland praktisch alle Türen geöffnet haben. Diese Strukturen spielten den Muslim-Brüdern in die Hände und diese nutzten sie auch aus, um die Gesellschaft von innen zu destabilisieren.

„Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt“

Bei der Aufnahme von Flüchtlingen sollte Deutschland endlich aufwachen, zwischen Asyl und Arbeitsmigration unterscheiden und insgesamt endlich genauer hinschauen, um damit auch der Bildung von Parallelgesellschaften vorzubeugen. Wer ins Land komme, müsse wissen: Integration beginnt mit der Ankunft. Er müsse um die Gleichheit von Mann und Frau wissen und akzeptieren, dass es in Deutschland kein Patriarchat gibt, dass Meinungsfreiheit auch bezüglich der Religionszugehörigkeit gelte. Und er müsse um seine historische Verantwortung wissen: "Niemand kann zu Deutschland gehören, der Israel das Existenzrecht abspricht". Wer hier "nicht ankommen will", habe seine Integrationschance verfehlt und vertan - mit entsprechenden Folgen, so Ahmad Mansour, dessen Aussagen vom Publikum mehrfach mit Beifall bedacht wurden.

Mansour will die Hoffnung auf ein Umdenken der politischen Klasse nicht aufgeben. Deutschland könne seine westlichen Werte selbstbewusst ausleben und vermitteln. Und vor allem auch um sie kämpfen, um das Feld nicht dem politischen Islam zu überlassen, mahnte Mansour, der - siehe oben - ob seiner in Vorträgen und Büchern manifestierten Überzeugungen und dabei verwendeten klarer Sprache im Land des Grundgesetzes und seiner darin garantierten freien Meinungsäußerung nur unter polizeilichem Schutz leben und arbeiten kann ...

Über den Autor

Franz Ewert

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