Dramatischer Appell von Garri Kasparow

Wenn die Ukraine verliert, dann wird es richtig teuer

Garri Kasparow, mehrfacher Schachweltmeister, ist Gründer des oppositionellen Bündnisses „Das andere Russland“. In einem dramatischen Appell wandte er sich an den freien Westen, mehr zur Unterstützung der Ukraine zu leisten, die derzeit in einer Art Stellungskrieg verharrt. Zu wenig ausgestattet mit Munition und modernsten Waffen wie zum Beispiel der Taurus-Rakete, die sich Kanzler Olaf Scholz (SPD) nach wie vor weigert, zu liefern.

Wenn die Ukraine den Kriegsverbrecher und Diktator Putin besiegen wolle, benötige sie Unterstützung, so Kasparow. Nach der russischen Invasion habe Deutschland 100 Milliarden Euro zur Steigerung der Rüstungsproduktion zugesagt. Bis heute, so Kasparow, verhandele Olaf Scholz mit Rheinmetall über die Preise. Gleichzeitig hat die EU bis März eine Million Artilleriegranaten versprochen. Geliefert wurden bisher 480.000, während Nordkorea eine Million Granaten an Russland geliefert hat.

Deshalb der dramatische Appell der Ukraine, alle, aber auch alle Waffen zu liefern, die man benötigt zur Abwehr eines Feindes, der gezielt die Zivilbevölkerung bombardiert, terrorisiert, mordet, der gezielt die Infrastruktur und damit die Lebensgrundlage von Menschen zerstört, der eine Politik der verbrannten Erde betreibt. Der neue polnische Premierminister Tusk von den westlichen Medien bejubelt, hat in seiner Antrittsrede, darüber ist kaum etwas berichtet worden, zur vollen Mobilisierung der freien Welt aufgerufen. Polen ist mit sehr gutem Beispiel, auch unter der Vorgängerregierung, vorangegangen. Putin besiegt man nicht nur mit Worten. Putin besiegt man mit Taten.

Aus der Geschichte lernen

Kasparow wies darauf hin, dass Chamberlain und Daladier für England und Frankreich 1938 glaubten, durch eine entsprechende Appeasement-Politik den Frieden in Europa gerettet zu haben, indem sie dem Diktator und Verbrecher Hitler nachgaben in seinen Gebietsansprüchen. Jeder Diktator wird sich ermuntert fühlen, weitere Gebietsansprüche zu stellen, wenn er feststellt, dass die Gegenwehr des Westens bröckelt.

Und sie bröckelt in Europa, in den USA durch die Republikaner. Und genau darauf setzt Putin, der die uneingeschränkte Unterstützung der iranischen Mullah-Diktatur hat wie auch die des nordkoreanischen Diktators oder die etwas subtilere des chinesischen Diktators. Es geht um Freiheit oder Unterdrückung.

Russland will die Ukraine zerstören

Die Diskussion mit Putin ist völlig überflüssig, denn er hat vor wenigen Tagen erst auf einer Pressekonferenz erneuert, dass sein Ziel ist, die Ukraine zu zerstören. Und wenn Putin gewinnt, steht Russland in einem weiteren Land unmittelbar vor der Nato-Grenze. Zu glauben, dass der Durst dieses Kriegsverbrechers gelöscht ist, wenn die Ukraine besiegt ist, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Nicht umsonst wissen Polen, wissen die baltischen Staaten um die Gefahr, die vom russischen Bären ausgeht. Ein Nimmersatt, der schon vor Jahren öffentlich für jeden, der es hören wollte, verlauten ließ, dass das eigentliche Ziel die Wiederherstellung der sowjetischen Hegemonie der Großmacht ist und bleibt.

Sollte Putin diesen Krieg gewinnen, gibt es Millionen (!) Flüchtlinge Richtung Polen, Deutschland, Frankreich, Richtung Westen. Wenn er gewinnt, gibt es mehr als je die Notwendigkeit der deutschen Nachrüstung, denn die Wehrfähigkeit der Bundeswehr ist derzeit nicht gegeben. All dies wird teurer, als wenn wir jetzt endlich die benötigten Waffen, die Munition liefern, auch wenn es zusätzliche Milliarden kostet. Es ist auf Dauer gut angelegtes Geld.

Freiheit oder Kommunismus

Es geht im Kern um die Frage, westliche Freiheit, westliche Werte oder sozialistische/kommunistische Diktatur. Es wird Zeit, dass diese Frage, mit entsprechenden finanziellen Mitteln unterlegt, noch klarer als bisher beantwortet wird. Diesem Appell von Garri Kasparow ist nichts hinzuzufügen.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Kreisvorsitzender der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe2/2024