Zum Thema Taschendiebstahl

Uwe Mettlach versetzt 200 Zuschauer in der Taunushalle in Erstaunen
Seriöse Ratschläge und verblüffende Tricks von "Viktor Wahnsinn"

 

Uwe Mettlach, ein deutscher Polizeibeamter, wurde vor vielen Jahren in Florenz Opfer eines Taschendiebstahls. Das ärgerte ihn zunächst fürchterlich, dann packte ihn der dreiste Diebstahl bei seiner (Polizisten-)Ehre, dem Phänomen Taschendiebstahl auf den Grund zu gehen. Er wollte wissen, wie es möglich ist, anderen Menschen Wertgegenstände, die sie mehr oder weniger "am Leib" tragen, zu entwenden, ohne dass die Opfer es zunächst merken. Und wenn ihnen schließlich klar wird, was da mit ihnen passiert ist, dann ist es zu spät, die Geldbörse, die Uhr oder was auch immer, ist weg.

Bei seinem "Eintauchen in die Geheimnisse des Taschendiebstahls" stellte der Polizist fest, dass er auch "ein Händchen" für diese illegale Form des Broterwerbs hat. Also harmonisierte er, hauptberuflich als 1. Polizeihauptkommissar an der Polizeiakademie Hessen als Lehrer und Ausbilder tätig, sein dienstliches Interesse an der Aufklärung des Delikts Taschendiebstahl mit seiner Fähigkeit, selbst als Taschendieb unterwegs zu sein. Allerdings ausdrücklich nicht zu dem Zweck, sein monatliches Beamtensalär durch diese besondere, aber unerlaubte - und vom Dienstherren auch nicht genehmigungsfähige - Nebentätigkeit aufzubessern, sondern um unter dem Künstlernamen "Viktor Wahnsinn" andere Menschen aufzuklären, zu warnen und mit sachdienlichen Hinweisen dazu beizutragen, eben nicht Opfer eines Taschendiebstahls zu werden. Und das in der Form von, ja, Bühnenshows unter Einbezug von Teilen des Publikums.

So auch in der Taunushalle Solms, wo Viktor Wahnsinn alias Uwe Mettlach auf Einladung der Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar e. V. aktiv wurde und mit knapp 200 interessierten Besuchern zugleich für einen Publikumsrekord anlässlich einer solchen Pro-Polizei-Informationsveranstaltung sorgte.

Wie nicht anders zu erwarten, staunten etliche der Besucher nicht schlecht, als ihnen der begabte Entertainer wieder Dinge in die Hand drückte, die er ihnen zuvor unbemerkt entwendet hatte. Das alles mit dem Hinter- oder besser Hauptgedanken, vorzuführen und aufzuzeigen, wozu Taschendiebe

in Ausübung ihres "Berufes" oder "Hobbys" fähig sind. Dabei ist Taschendiebstahl laut Mettlach eine männliche Domäne, Frauen als Täterinnen sind eine Minderheit.

Für Deutschland weist die Kriminalstatistik rund 100.000 aktenkundig gewordene Taschendiebstähle pro Jahr aus, wobei die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liege. Die Arbeits- und Vorgehensweise von Taschendieben sei mit "unauffällig" zutreffend umschrieben. Und diese Vorgehensweise sei immer gleich oder ähnlich. Bevorzugt passieren Taschendiebstähle, wenn größere oder große Gruppen von Menschen beisammen sind, beispielsweise auf Märkten und (Massen-)Veranstaltungen jeder Art.

Sei ein Opfer, bei dem ein Wertgegenstand vermutet wird, "ausgeguckt", folge der Ablenkung des Opfers die eigentliche Aktion, zum Beispiel durch absichtliches Anrempeln, und dann der Abtransport der Beute. In Vortrag und Erläuterungen, vor allem aber in Aktion führte "Viktor Wahnsinn" in der Taunushalle coram publico eindrücklich vor, wie Taschendiene vorgehen. Ihre Arbeitsweise zu kennen und sich in einschlägigen Situationen dessen bewusst zu sein, sei hilfreich für den Eigenschutz. Dazu gab der Referent zahlreiche praktische Tipps. Und auch für die polizeiliche Arbeit gelte: "Taschendiebe kann man nur fangen, wenn man weiß, wie sie arbeiten."

Zu Beginn der Veranstaltung dankte Pro Polizei-Vorsitzender Hans-Jürgen Irmer dem in den Ruhestand wechselnden Leiter der Polizeistation Wetzlar, Polizeirat Holger Geller, für die sehr gute Zusammenarbeit von BI und Polizeistation Wetzlar. Dieser dankte seinerseits für die engen freundschaftlichen Kontakte über Jahrzehnte hinweg: "Was der Verein Pro Polizei für die Polizei und die innere Sicherheit in Wetzlar leistet, ist einfach großartig." Wie seine Vorgänger in der Funktion des Leiters der Polizeistation Wetzlar, Heinz Dorfmüller und Horst Nies, werde auch er dem Verein Pro Polizei verbunden bleiben und bei dessen Veranstaltungen wann immer möglich anwesend sein.

Über den Autor

Franz Ewert

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