Kultusminister Lorz stellt sich in Aßlar den Fragen des Publikums und lehnt linke Gedanken Richtung Einheitsschule strikt ab

Bewährtes gegliedertes Schulsystem in Hessen
für die CDU nicht verhandelbar

Begrüßt und flankiert von den beiden heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Frank Steinraths und Jörg Michael Müller, die sich am 8. Oktober zur Landtagswahl in den beiden Lahn-Dill-Wahlkreisen erneut um das Direktmandat für den Hessischen Landtag bewerben, nahm Hessens Kultusminister Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz zur Schulpolitik in Hessen Stellung. Anschließend stellte er sich den Fragen, die aus dem Kreis der knapp drei Dutzend Gäste der Informationsveranstaltung - überwiegend, aber nicht nur, schulleitende Damen und Herren speziell auch an Grundschulen - an den "seit zehn Jahren obersten hessischen Pädagogen" gerichtet wurden.

In seinem Eingangsstatement arbeitete Lorz die Unterschiede der Union zu den schulpolitischen Vorstellungen der "linken Seite" heraus. "Wir glauben an das Individuum, sprich das Einzelkind auch in der Schule und stehen daher hinter einer großen Breite des Bildungsangebotes", so Lorz, der sich klar für die Beibehaltung des gegliederten Schulsystems und gegen die Einheitsschule aussprach. Es gehe ihm um die Durchlässigkeit des Systems und nicht darum, "alle über einen Kamm zu scheren". Politik und Ideologie dürften sich nicht anmaßen, besser zu wissen, was für ein Kind gut sei. Deshalb müsse es Alternativen geben.

Lorz sprach sich für inklusive Bildung aus, allerdings da, "wo es dem Kind etwas bringt". Es gebe Kinder, denen Inklusion nichts nütze, die besondere Zuwendung benötigten. Um den Spielraum pädagogischer Möglichkeiten zu erhalten, müsse es weiterhin die Förderstufe geben. "Alle in eine Klasse und dann sehen wir weiter" könne nicht das Leitmotiv sein. Für den hessischen Kultusminister ist auch die Ganztagsschule "nicht die Lösung für alle". Auch hier gelte es, Flexibilität zu gewährleisten, indem Spielräume für Wahlmöglichkeiten erhalten bleiben.

Und schließlich sei ihm die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung ein besonderes Anliegen. Studiengebühren gebe es seit langem nicht mehr. Daher sei es um der Gleichwertigkeit willen notwendig, auch die Meisterausbildung in Handwerk und Mittelstand kostenfrei zu stellen. Angesichts des Mangels an gut ausgebildeten Arbeitskräften auf allen Feldern und der Tatsache, dass junge Menschen überall gesucht sind, sei völlig klar: "Wir brauchen berufliche und akademische Bildung." In diesem Zusammenhang müsse auch die Berufsorientierung an den allgemeinbildenden Schulen eine größere und gewichtigere Rolle spielen.

Bei gleichbleibenden Schülerzahlen sind laut Kultusminister in Hessen deutlich mehr Stellen für pädagogisches Fachkräftepersonal an den Schulen geschaffen worden. Dabei werde es zunehmend problematisch, diese Stellen auch alle zu besetzen. Die Lage im Blick auf das Grundschullehramt habe sich und werde sich weiter entspannen, so Lorz: "Wir reagieren auf die Anforderungen." Insgesamt seien in seiner nun fast zehnjährigen Amtszeit 9000 neue Lehrerstellen geschaffen worden. Dass die SPD nun unter Wahlkampfgesichtspunkten weitere 12.500 Lehrerstellen fordere oder in Aussicht stelle, hält Lorz schlicht für unrealistisch.

Der Kultusminister wies auf die ständig zu bewältigenden neuen Anforderungen und permanent zusätzlichen Aufgaben hin, mit denen "Schule" klarkommen müsse. Stichworte hierzu sind die Flüchtlingswelle ab 2015, die Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine. Dabei sei es wichtig, dass die Bildungssprache an den hessischen Schulen deutsch sei. In diesem Sinne sind laut Lorz Vorlaufkurse zur Sprachförderung unumgänglich. Solche Kurse seien außer in Hessen nur noch in Hamburg Standard. Richtig sei, dass die Schule immer mehr leisten müsse. Richtig sei aber gleichfalls, dass Schule nicht alles auffangen könne, was in den Familien nicht geleistet werde. Dennoch werde die Politik in Hessen "den Schulen weiterhin alles Notwendige und Mögliche zur Verfügung stellen.

In der Diskussion mit dem Publikum spielte der "Pakt für den Ganztag" die zentrale Rolle. Dieser Pakt beruht auf einer Kooperationsvereinbarung von Land Hessen und den Schulträgern vor Ort , um für die jüngsten Schülerinnen und Schüler aller Grundschulen und Grundstufen von Förderschulen ganztägige Angebote zu machen. Dieser "Pakt für den Ganztag" wird sehr gut angenommen. Im Schuljahr 2022/2023 beteiligen sich bereits nahezu 90 Prozent der kommunalen Schulträger in Hessen mit 395 Schulen an der Umsetzung.

In der Diskussion in Aßlar wurde seitens einiger Schulleitungen die Klage laut, dass mit der Beteiligung des Landes Hessen die Gelder für Schulen gekürzt worden seien. Dies wiederum bezeichnete der Minister als "paradox". Denn das Land Hessen stelle im Rahmen des Ganztags-Paktes zusätzliche Mittel zur Verfügung. "Wenn mehr Geld vom Land für weniger Geld an den Schulen und damit zu einer Verschlechterung führt, dann stimmt etwas nicht", so Lorz. Es sei nicht Sinn des zusätzlichen Geldes aus Wiesbaden, dass sich dann möglicherweise Städte und Gemeinden als Schulträge vor Ort ermutig fühlten, ihren eigenen Förderanteil zurückzuschrauben. Sollte das möglicherweise der Fall sein, liege die Verantwortung hierfür jedenfalls nicht beim Land Hessen.

Über den Autor

Franz Ewert

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe5/2024