Auf Einladung der DÖG Wetzlar

Phantastisches Konzert der Leipziger Philharmoniker und
des MGV "Concordia" Münchholzhausen


Hohe Klangkunst in der Stadthalle Wetzlar vor 450 begeisterten Zuhörern

Am Ende eines ebenso beeindruckenden wie fröhlichen Konzertes spendete das 450-köpfige Publikum stehend einen lang anhaltenden herzlichen Applaus für die Musiker und Sänger in der Stadthalle Wetzlar. Und zwar völlig zurecht. Denn was die Musiker der Leipziger Philharmonie unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Koehler und der Männerchor des heimischen Gesangvereins "Concordia" Münchholzhausen unter Chorleiter Mattias Schmidt über fast zwei Stunden hinweg den beeindruckten Zuhörern boten, war Musik und Gesang auf einem sehr hohen Niveau. Dass ein renommiertes und in aller Welt aktives und gern gehörtes Orchester dazu in der Lage ist, bedarf keiner Frage, dass aber auch der Chor eines tradierten dörflichen Gesangvereins - die "Concordia" aus dem Stadtteil Münchholzhausen wurde 1901 gegründet - zu außergewöhnlichen gesanglich-künstlerischen Leistungen fähig ist, soll, einmal mehr, in besonderer Weise hervorgehoben werden.

Zum zweiten Mal nach 2019 überzeugen die Leipziger Philharmoniker gemeinsam mit dem Männerchor aus Münchholzhausen das Publikum. Und zwar auf Einladung der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft Wetzlar, dessen Vorsitzender Hans-Jürgen Irmer mit Gergö Krichenbaum, unter anderem Geschäftsführer der Parkinson-Gertrudis-Klinik in Biskirchen, und seiner Ehefrau Niki an der Seite den Schirmherren des kulturellen Highlights begrüßte. Und Irmer gratulierte unter besonderem Beifall des Auditoriums dem DÖG-Ehrenmitglied Artur Rudolf, der just am Tage des Konzerts seinen 93. Geburtstag feiern konnte.

Ein Konzert dieser Größenordnung - das neben de DÖG auch von der Wetzlarer Kulturgemeinschaft unterstützt wurde - könne, so Irmer, nicht alleine aus den Eintrittsgeldern "gestemmt" werden, weshalb er ein besonderes Dankeschön in Richtung der Sponsoren - das Förster-Team aus Rechtenbach, die Sparkasse Wetzlar, die Stadt Wetzlar und das Land Hessen - aussprach. Danach war es an dem Moderator des Konzertes, Thomas Sander, seinerseits einen besonderen Dank an den Vorstand der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft zu richten für dessen "tolle ehrenamtliche Arbeit". Und Sander, selbst Musiker und langjähriger Leiter der Musikschule Wetzlar, fügte sich zum Vergnügen des Publikums in seiner gewohnt launigen wie fachkundigen Moderation in das hohe Niveau der Veranstaltung nahtlos ein.

Mit der Ouvertüre der Oper "Orpheus in der Unterwelt" von Jaques Offenbach legten die Leipziger Philharmoniker fulminant los mit heiter-fröhlich-stimmungsvoller französischer Musik, bei der in der bekanntesten Sequenz des Can-Can im Geiste die Röcke wallten und die Beine des Balletts in die Höhe flogen. Es folgten zwei bekannte Kompositionen, laut Sander Belege der "großen Kunst und des enormen Einfallsreichtums" ihres Schöpfer Franz Lehar: die Walzer "Gold und Silber", bei dessen ersten Aufführung der Komponist aber lediglich "freundlichen Beifall" erntete (was sich jedoch bald ins Positive wenden sollte), sowie "Lippen schweigen" aus der Operette "Die lustige Witwe".

Die gut dreiminütige schwungvolle "Bauern-Polka" von Johann Strauß Sohn ging dann einem der vielen Höhepunkte des Konzerts voraus, dem Lied "Landerkennung" von Edvard Grieg, präsentiert von Chor und Orchester unter der Leitung von Michael Koehler. Der gut sieben Minuten lange und aus vier Strophen sowie einer Solo-Sequenz bestehende Choral von Edvard Grieg zählt sozusagen zur norwegischen Geschichte, wurde am 17. Mai 1872 anlässlich des Tages der norwegischen Verfassung (Nationalfeiertag seit 1824) uraufgeführt und fußt auf einem historischen Gedicht aus dem 13. Jahrhundert, das wiederum eine Episode aus dem Leben Olavs I. schildert, der vor rund 1000 Jahren erster christlicher König Norwegens war. Diesem unter die Haut gehenden Vortrag von Chor und Orchester folgte der erste stehende Applaus des Publikums und die Konzertpause.

Zum Auftakt des zweiten Teiles dieses berauschenden Konzertes bot sich dem Concordia-Männerchor die Gelegenheit, vor großem Publikum mit fünf ausgewählten Chorsätzen einen überzeugenden Einblick in seine Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft auf erstaunlichem sängerischen Niveau zu gewähren: "My Lord, what a mornin" im Arrangement von Lee Gilliam (1902-1984), "Brothers, sing on" des norwegischen Pianisten und Komponisten Edvard Grieg (1843-1907), "Vive L'amour" von Robert Shaw (1916-1999), "Feuerzeug", angelehnt an die Version der a-capella-Gruppe "Basta", von dessen Sänger und Klavierkabarettist William Wahl Text und Melodie stammen, sowie "Benia calustoria" (Das Tal in den Bergen) des italienischen Komponisten Bepi de Marzi.

Dann übernahm Matthias Schmidt den Dirigentenstab von Michael Koehler und dirigierte Chor und Orchester beim Vortrag der zu Herzen gehenden erhebenden Hymne "Jerusalem, Jerusalem", komponiert für Bariton von Stephan Adams (1841-1913) mit dem Text von Frederick E. Weatherly (1848-1929), bei der Concordia-Sänger Michael Watz (zugleich "Concordia"-Vorsitzender) den so wichtigen, zentralen Part des Solisten sicher interpretierte.

Mit drei Stücken der Komponistenfamilie Strauß begeisterten die Leipziger Philharmoniker unter dem mehr als lebendigen Dirigat von Prof. Dr. Michael Koehler das Publikum: mit der schnellen Polka "Ohne Sorgen" und dem "Seufzer Galopp" von Johann Strauß Sohn, bei dem das Publikum mit dem vom Dirigenten an der jeweils passenden Stelle geforderten Seufzern als aktiver Teil in das Orchester eingebunden wurde, und abschließend mit dem immergrünen und ungebrochen beliebten "Radetzky-Marsch", einem im besten Sinne und weltweit reüssierenden "klassischen Gassenhauer" von Johann Strauß Vater. Diesem offiziellen und mit stehendem Applaus honorierten Konzertabschluss ließen die Leipziger Philharmoniker aufgrund des freudigen Drängens des Publikums auf eine Zugabe gleich deren drei folgen ...

Ein glücklicher und zufriedener DÖG-Vorsitzender Hans-Jürgen Irmer entließ das rundum auf seine Kosten gekommene Publikum mit der Erwartung, dass dieser zweite Auftritt der Leipziger Philharmoniker im Zusammenwirken mit dem "Concordia"-Chor aus Münchholzhausen wohl nicht der letzte gewesen sein sollte.

Zeitlich näher dran ist allerdings für Liebhaber klassischer Wiener Musik das Gastspiel des Johann-Strauß-Orchesters Wiesbaden, zu dem die Deutsch-Österreichische Gesellschaft Wetzlar im Sinne eines stimmungsvollen Jahresauftakts für den 6. Januar 2024 wiederum in die Stadthalle einlädt.

 

Über den Autor

Franz Ewert

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