Eine Ära mit Prinzip

Zum Abschied von Hans-Jürgen Irmer aus der aktiven Politik

Wer das Büro von Hans-Jürgen Irmer in der Geschäftsstelle der CDU in Wetzlar zum ersten Mal betritt, dem fallen unweigerlich die großen Aktenschränke ins Auge, die in vielen Räumen des Gebäudes stehen. In dieses Schränken finden sich Hunderte von Handakten und Dutzende Aktenordner. Die meisten beginnen mit einem Brief oder einer E-Mail eines Bürgers. Ganz unterschiedliche Anliegen werden vorgebracht: von Fragen zur Abfallentsorgung über Vereinsförderung bis hin zu Standortpläne eines Unternehmens. Darauf folgt eine Korrespondenz mit Ämtern, Behörden, anderen Abgeordneten – gelegentlich auch Entwürfe für Anträge oder parlamentarische Anfragen. Am Ende der Akte findet sich häufig ein Dankschreiben, dass das Problem nun gelöst sei.

Hans-Jürgen Irmer steht dafür einen Typus Politiker, der die Jobbeschreibung Volksvertreter wörtlich nimmt. Über viereinhalb Jahrzehnte prägte er die Kommunalpolitik an Lahn und Dill. In Wiesbaden erhob er als Pädagoge über Jahre eine starke Stimme für Schulvielfalt. Er kämpfte mit Erfolg für eine Schulpolitik des Förderns und Forderns – gegen Gleichmacherei und die Einheitsschule. In der vergangenen Wahlperiode als Abgeordneter des Deutschen Bundestages zeigte Irmer, dass er sich nicht scheut für seine Überzeugungen auch die Auseinandersetzung - stets in der Sache - mit Parteifreunden dazu suchen. Dafür bekam er nicht immer Beifall, vor allem auch medial. Aber das macht die Person Hans-Jürgen Irmer aus: ein geradliniger, heimatverbundener und streitbarer Demokrat. Ein Politiker, der mit Respekt für Meinungspluralismus und einer instinktiven Skepsis gegenüber allzu autoritär auftretenden Repräsentanten einer herrschenden Meinung seinen Überzeugungen treu bleibt. Gerade in einer Zeit, in der die Korridore des Sagbaren in der Öffentlichkeit immer enger gefasst werden, erfordert diese Haltung Mut. Ich glaube aber, dass manche gegenwärtigen Entwicklungen in Europa, seinen Positionen beispielsweise zu ungesteuerter Einwanderung oder dem politischem Islam Recht geben.

Sein Stil steht nicht nur für Klarheit in der Sprache, sondern auch für Substanz in der Sache. Ein beliebtes Klischee über Politiker ist bekanntlich, dass sie schwätzen, ohne zu wissen, wovon sie reden. Wer in das Archiv der CDU-Geschäftsstelle blickt, findet dort noch mehr Aktenordner. Diese sind mit Notizen, alten Anträgen und Zeitungsartikeln gefüllt. Ein Fundus voller Details aus vierzig Jahren Kreisgeschichte zu Schulen, Betrieben, Vereinen und Themen. Diese Akten zeugen von einer Arbeitsweise, bei welcher die gründliche Beschäftigung mit Themen wichtiger ist als eine halbgare Schlagzeile.

Irmers politisches Erbe nach Jahren und Jahrzehnten in Kreistag, Landtag und Bundestag kann sich sehen lassen. Er übergibt einen Kreisverband der CDU in exzellenter Verfassung, mit eigener Geschäftsstelle sowie durch große Geschlossenheit geprägten Fraktion und Parteivorstand. Als sein designierter Nachfolger im Kreisvorsitz der CDU sehe ich in diesem Engagement einen Auftrag für die Zukunft unserer Partei.

Wie viele andere auch, bedauere ich, dass er zum 1. September seinen Abschied aus der aktiven Politik genommen hat. Hans-Jürgen Irmer hat sich um unsere Heimat verdient gemacht. Mich freut es, dass er weiterhin der Politik an Lahn und Dill mit der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft, der Bürgerinitiative ProPolizei und natürlich als Herausgeber dieser Zeitung verbunden bleibt.

Danke für alles, Hans-Jürgen Irmer – Deine CDU wünscht Dir alles Gute!

 

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Johannes Volkmann
Johannes Volkmann

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