Landeskulturtagung erinnert an Schicksal und Kultur der Ost- und Westpreußen


Leistungen der Vertriebenen und Spätaussiedler gewürdigt

  1. Beitrag der Vertriebenen am Aufbau der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg hat die hessische Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf (CDU), gewürdigt. Bei der Landeskulturtagung des Landesverbandes der Landsmannschaften von Ost- und Westpreußen in der Wetzlarer Stadthalle erinnerte Ziegler-Raschdorf an das Schicksal der 15 Millionen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und den angestammten Siedlungsgebieten in Ost-, Mittel- und Südosteuropa, das auch 78 Jahre später noch gegenwärtig sei. „Bis heute führt Sie das Thema von Flucht und Vertreibung aus der geliebten Heimat regelmäßig in Ihrem Verband zusammen“, sagte sie vor den 44 Teilnehmern der Tagung. Das Schicksal habe die Menschen in ihrer kompletten, kollektiven Existenz betroffen. Die Eingliederung der Heimatvertrieben sei eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. „Die Ankömmlinge sind als ein wertvoller und unverzichtbarer Teil in die hiesige Gesellschaft hineingewachsen“, stellte die 72-Jährige fest, deren Eltern selbst Vertriebene aus Ostschlesien waren. Dabei wies sie darauf hin, dass das Kulturgut der Ost- und Westpreußen reich und vielfältig sei. „Die Heimatvertriebenen haben Kostbares aufgeben müssen. Die Bewahrung der ost- und westpreußischen Kultur, der Bräuche und Gepflogenheiten, die Bewahrung der Erinnerung sind wichtig für das Selbstverständnis dieser Menschen, aber auch notwendig für ein vollständiges Bild der Geschichte Deutschlands für alle Deutschen“. Schließlich schlug Ziegler-Raschdorf einen Bogen in die Gegenwart: „Die Arbeit der Vertriebenenverbände ist so aktuell wie nie und wird auch weiterhin gebraucht. Solange es Kriege und Konflikte gibt, werden wir mit den Folgen von Flucht und Vertreibung konfrontiert“. Das Amt der Landesbeauftragten endet für Ziegler-Raschdorf nach 15 Jahren im Dezember. Als eine der Errungenschaften ihrer Amtszeit bezeichnete sie die geplante Einrichtung einer Stiftungsprofessur „Historische Erinnerung und kulturelles Erbe: Vertriebene und Spätaussiedler in Hessen nach 1945“ an der Justus-Liebig-Universität in Verbindung mit dem Herder-Institut Marburg, die das Land Hessen mit 1,5 Millionen Euro über mehrere Jahre unterstützt. Hannelore Neumann (Karben) sagte, die Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Die Grünen) sehe in dem neuen Schwerpunktbereich eine große Chance, eine Forschungslücke in der hessischen Geschichte zu schließen. Bis heute wisse man nicht genug über die Fluchterfahrungen der Heimatvertrieben, welche Probleme sie bei der Integration hatten und in was für sozialen Verhältnissen sie lebten.

 

 

Viele Verbände hätten in den letzten Jahren mit Hilfe des Innenministeriums eigene Internetseiten erstellen können. Doch die Landesbeauftragte blickt auch kritisch in die Zukunft. Als Beispiel nannte sie die Kürzung der Mittel für den Paragrafen 96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes um 50 Prozent. Die Bundeszentrale für politische Bildung bekomme die Mittel von 96 auf 76 Millionen gekürzt. Auch die Mittel für die Migrationsberatung würden gekürzt und Stellen gestrichen.
„Die erfolgreiche Aufnahme und Eingliederung der deutschen Heimatvertriebenen nach dem Krieg ist eine der großen Leistungen der Bundesrepublik. Der Wille zu Versöhnung und Neuanfang ist einer der wesentlichen Pfeiler des vereinten Europas, woran die Heimatvertriebenen einen wichtigen Anteil haben“, sagte die scheidende Landesbeauftragte.
 

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