Aus der Arbeit der CDU Faktion im Stadtparlament Wetzlar

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als CDU-Fraktion sind wir fortlaufend mit Erzieherinnen und Erziehern, Kita – Leitungen und Elternvertretern aus den Kindertagesstätten in unserer Stadt, aber auch in Nachbargemeinden in Kontakt.

Es wird immer wieder deutlich, dass wir in unseren Kitas einige Probleme haben. Das allgemein bekannte Problem „Fachkräftemangel“ macht natürlich auch nicht vor den Wetzlarer Kindertagesstätten halt. Die Frage ist, wie man in dieser Situation begegnet. Unsere Gesprächspartner und auch wir sind davon überzeugt, dass ein attraktiver Arbeitgeber mit einem attraktiven Arbeitsplatz auch in Zeiten von Fachkräftemangel gutes Personal gewinnen und langfristig an sich binden kann.

Gerade mit Blick auf die Gewinnung von Personal sieht es in Wetzlars Kindergärten allerdings nicht rosig aus. Die Erweiterung beziehungsweise Eröffnung von zusätzlichen Krippen – oder Kindergartengruppen werden mit dem Verweis auf Personalmangel verschoben. Gleiches gilt für Zusatzangebote in einzelnen Kindertagesstätten (Wandertage, Vorschularbeit…). Das ist für unsere Kinder von erheblichem Nachteil und ist zugleich eine erhebliche (Über-)Forderung der Erzieherinnen und Erzieher, die aktuell in den Kitas arbeiten.

Es klingt daher wie Hohn, dass wir im Sommerinterview unseres Oberbürgermeisters Manfred Wagner (SPD) mit der WNZ lesen konnten, dass „man seine Hausaufgaben gemacht habe“. Das sei daran zu erkennen, dass man im Bereich der Kindertagesstätte sechs Stellen mehr habe, als es der Bedarf erfordere.

Ich frage mich, wie kann es sein, dass verschiedene Angebote nicht gemacht werden können oder mit dem Verweis auf Personalmangel gestrichen werden müssen, wenn doch mehr Personal als erforderlich vorhanden ist…

Einerseits könnte die Berechnung der Anzahl der erforderlichen Stellen nicht stimmen. Das kann in der Statistik des Oberbürgermeisters auch gut sein. Er bezieht sich auf die Zahlen zum 1. August dieses Jahres. Zum 1. August eines jeden Jahres sind die wenigsten Kinder in den Kindergärten angemeldet. Warum? Mit dem 31. Juli eines Jahres endet das Kindergartenjahr für die Schulanfänger. Sie fallen also aus der Statistik heraus. Die Kinder, die im folgenden Kindergartenjahr angemeldet werden, werden erst in den Folgemonaten September und Oktober in die Statistik eingepflegt. Nämlich erst dann, wenn die Eingewöhnungszeit auch tatsächlich absolviert wurde und die Kinder fest im Kindergarten sind. Wenn man also zum 1. August die Kinderzahlen heranzieht und dann feststellt, dass man mit sechs Stellen über besetzt ist, kann das sogar stimmen. Wenn ich allerdings die Zahlen vom 1. Oktober oder vom 1. April (da sind die Kindergärten in der Regel maximal belegt) heranziehe, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass Erzieherinnen und Erzieher fehlen…

Andererseits kann es aber auch daran liegen, dass man sich rein auf die Anzahl der Stellen fokussiert und dabei vergisst, dass man ja mit der Anzahl der Menschen, die in den Kitas arbeiten, rechnen muss. Herr Wagner hat im Sommerinterview nämlich nicht gesagt, ob von den „sechs Stellen zu viel“ auch alle besetzt sind…

Egal, welche der beiden Erklärungen die Diskrepanz zwischen der Wagner’ischen-Theorie und der Realität in den Kindertagesstätten die richtige sein mag. Zeigt es doch, welchen Stellenwert die gute Betreuung der Kinder in den Kitas und auch die Attraktivität der Arbeitsplätze unserer Erzieherinnen und Erzieher bei Herrn Wagner hat.

Als CDU-Fraktion wollen wir hier mehr Klarheit in der Sache und mehr Attraktivität für die Arbeitsplätze in den Kitas schaffen! Deshalb haben wir beantragt, dass grundsätzlich die Kinderzahlen zum Stichtag 1. April eines jeden Jahres für die Zuweisung der Stellen in den Kindertagesstätten herangezogen werden müssen. Wir wollen außerdem, dass die Stadt Wetzlar die Stellen für Erzieherinnen und Erzieher nicht mehr befristet ausschreibt und besetzt, sondern wie es auch in den umliegenden Gemeinden üblich ist, die Fachkräfte unbefristet einstellt. Das steigert die Attraktivität für Bewerberinnen und Bewerber und stattet die Kitas mit so vielen Erzieherinnen und Erziehern aus, wie im Falle der maximalen Belegung gebraucht werden.

Wir erwarten auch, dass Oberbürgermeister Wagner in der nächsten Stadtverordnetenversammlung seine Lesart der Statistik erklärt, weshalb wir ihn direkt fragen, ob es der Tatsache entspricht, dass aufgrund von Personalmangel in einzelnen Kitas Angebote nicht mehr gemacht werden können beziehungsweise Gruppen mit derselben Begründung noch gar nicht an den Start gehen konnten.

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Michael Hundertmark
Michael Hundertmark

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Aktuelle Ausgabe06.06.