Mediziner und Polizeigewerkschaftler kritisieren geplante Cannabis-Legalisierung

Ihre gemeinsame Warnung:
"Wir werden in eine Katastrophe laufen!"

Mit dem Mediziner Mathias Luderer und dem Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt waren auf Einladung der Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar zwei Experten unterschiedlicher "Fachrichtungen" vortragende Gäste in der Taunushalle Solms, die angesichts des von der Ampel-Koalition in Berlin heftig - viele Experten nennen es verantwortungslos - vorangetriebenen Themas "Freigabe von Drogen/Cannabis" im Ergebnis aber einig waren: Überhaupt keine gute Idee, sondern ein Schritt in die falsche Richtung, der das Problem keineswegs entschärfen, sondern verschlimmern werde.

Luderer, seit fünfeinhalb Jahren Oberarzt, leitet die Abteilung Suchtmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt sowie die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, zudem ist er stellvertretender Drogen- und Suchtbeauftragter der Landesärztekammer Hessen. Der Experte sieht sich täglich mit den Folgen der Tatsache konfrontiert, dass der Cannabis-Konsum und die Cannabis-Pflanze breit in der Gesellschaft angekommen ist: "Jeder zweite junge Erwachsene hat gekifft."

Berauschende Nebenwirkungen

Der erste Schritt zu der von der Bunderegierung vorangetriebenen Legalisierung von Cannabis sei die "Medikalisierung" von Cannabis, wobei es jedoch an einer Evidenz-Prüfung dieser Maßnahme mangele. Die Hoffnung der Befürworter, dass eine Cannabis-Legalisierung die Streckmittel und synthetischen Zusatzstoffe in der Droge minimieren, teilt Dr. Luderer nicht: "So funktioniert der Markt nicht." Der Mediziner erwähnte das Tetrahydrocannabinol (THC), das von de Cannabis-Pflanze produziert werde und besonders für deren psychoaktiven, also die berauschenden Nebenwirkungen verantwortlich sei. THC begünstige psychische Erkrankungen, sei ein besonderes Risiko für Psychosen, greife in die Gehirnreifung ein und erhöhe die Gefahr eine Abhängigkeit.

Legalisierung führt zu mehr Betroffenen

Versuche in Portugal, Cannabis zu entkriminalisieren, habe zu mehr Betroffenen geführt. Die 2001 begonnene Legalisierung in Kanada habe einen deutlich größeren Markt zur Folge gehabt. Eine "Austrocknung" des illegalen Marktes sei nicht erreicht worden. Im Gegenteil: Legalisierung ergibt mehr Konsum und führt zu mehr Abhängigkeit. Es dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass die Cannabis-Legalisierung ein "riesiges Business" sei: "Cannabis als Medikament hat keinerlei Evidenz, es steht aber eine 'Industrie' dahinter."

Luderer sprach von riesigen medizinischen Folgekosten und vielen ungelösten Fragen einer Legalisierung. Sie werde der Gesellschaft keinen guten Dienst erweisen. Cannabis-Legalisierung sei schlicht eine politisch-gesellschaftliche Entscheidung, die sich, einmal getroffen, nicht mehr rückgängig machen lasse. Dass Verfügbarkeit, ähnlich wie beim Alkohol, zu mehr Konsum führen wird, kommentiert Luderer mit der Warnung: "Wir werden in eine Katastrophe laufen."

Cannabis schwächt Jugendschutz

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, empfahl (nicht nur) den Zuhöreren in der Taunushalle das "Eckpunktepapier" zur Cannabis-Legalisierung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zur gründlichen Lektüre. Es sei die Grundlage des bis jetzt noch nicht fertigen Gesetzentwurfes. Viel mehr Fragen seien noch offen als geklärt. Entdeckt Wendt in dem Eckpunktepapier "bedrohliche Ausmaße" in Sachen Fehlentwicklung, so dürften sich diese in einem möglichen Gesetz zu "biblischen Ausmaßen" ausweiten.

Dass die Cannabis-Legalisierung den Jugendschutz stärke, stimme einfach nicht. Und das Argument "wir entlasten die Polizei", sei eine "schöne Erzählung". Die "ganze Entlastungsdebatte" stimme nicht und die darin vorgesehenen Anhörungen unterschiedlicher Experten und Fachrichtungen bezeichnete Wendt als "Staffage", die an dem politischen Willen, die Legalisierung umzusetzen, nichts ändern werde. Warum, so fragte Wendt in die Runde, sei eigentlich ausgerechnet der "Gesundheits"minister für die krankmachende Legalisierung zuständig? Die zudem vom Bundessuchtbeauftragten befürwortet werde.

Auch dieser wisse, dass nicht alle, die früher einen Joint geraucht haben, später drogenabhängig wurden. Aber er wisse auch: Alle schwer Abhängigen haben mit Cannabis angefangen! Dass der Bundessuchtbeauftragte bei der Polizei nachfrage, wie denn nach einer Cannabis-Legalisierung, die auch den beschränkten Anbau der Cannabis-Pflanze im heimischen Garten oder auf dem Balkon erlaube, die Anbaufelder und die Transportwege geschützt werden könnten, müsse man sich auf der Zunge zergehen lassen. Derweil seien mittlerweile die Drogen für mehr polizeiliches Einschreiten verantwortlich als der Alkohol - und dieser sei bekanntermaßen ein großes Problem. Auch im Lahn-Dill-Kreis haben die Straftaten unter Drogeneinfluss zugenommen

Mehr Aggressivität

"Wir haben, weil die Drogen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, ein Drogenproblem so groß wie nie zuvor", so Rainer Wendt. Die Kombination von Drogen und Alkohol nehme zu und führe zu mehr Aggressivität. "Wir dürfen nicht, um die Kiffer-Industrie zu befriedigen, Cannabis legalisieren", fordert der Polizeigewerkschaftler, denn "das Dreckszeug" richte großen Schaden bei jungen Menschen an. Die Entwicklung gehe leider in die völlig falsche Richtung. Wichtig und richtig sei dagegen ein aktiver Jugendschutz unter den Stichworten Beratung, Prävention und Sanktion.

"Deshalb können wir sehr viel für unsere Kinder tun, wenn es gelingt, die Cannabis-Legalisierung zu verhindern." So wie es jetzt sei, dürfe es nicht bleiben, das sei richtig, aber so, wie es die "Ampel" wolle, so dürfe es auch nicht werden. Wendt geht davon aus, das die von SPD, Grünen und FDP protegierte Cannabis-Legalisierung in dieser Legislaturperiode nicht mehr kommen werde, zumal auch das europäische Recht dagegen spreche.

Über den Autor

Franz Ewert

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