Gelungene Veranstaltung des „Berliner Kreises“ in Wetzlar zum Thema Medien

Immer mehr Gesinnungsjournalismus –
Immer weniger Faktenbasierte Informationen

Der "Berliner Kreis" ist ein Netzwerk von konservativen Abgeordneten und Mandatsträgern - politische aktiven wie passiven - in der Union. Maßgeblich an der Bildung und Gründung des Berliner Kreises beteiligt war der ehemalige hessische Staatsminister Dr. Christean Wagner (Lahntal im Landkreis Marburg-Biedenkopf). Ziel des Zusammenschlusses in Form eines Netzwerks ist es, die konservativen, die christlich-sozialen und liberalen Wurzeln der Unionsparteien wieder besser erkennbar zu machen, ihnen wieder mehr Profil zu geben und im politischen Alltag zur Umsetzung zu verhelfen. Vorsitzender des Berliner Kreises ist Christean Wagner, die beiden Sprecher sind die ehemalige Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (Düsseldorf) und MdB Klaus-Peter Willsch aus dem Rheingau-Taunus-Kreis.

Alle drei Genannten waren bei der Informationsveranstaltung des Berliner Kreises in der Stadthalle Wetzlar anwesend, die sich mit Referaten und Diskussionsforum, bei über 100 Teilnehmern, insgesamt fünf Stunden lang mit der Glaubwürdigkeit und Zukunftsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und anderer Medien beschäftigten.

"Der Vorteil der Demokratie ist es, dass es kritische Geister gibt, die sich zu Wort melden", ließ Sylvia Pantel, Sprecherin des Berliner Kreises, die Zuhörerschaft wissen. Gepaart mit dem Hinweis, dass genau diese Tatsache einer der Hauptgründe für die Gründung des Berliner Kreises innerhalb der CDU - "unserer politischen Heimat" - war und ist.

Glaubwürdigkeitsproblem

Den Reigen klarer Worte zum Thema Glaubwürdigkeit der Medien eröffnete MdB Klaus Peter Willsch, indem er "unsere Medien" als Spitze des Kulturkampfes beim Verbreiten der abwegigsten Dinge, beim Einreißen von Konventionen und Zerstören von Institutionen" bezeichnete. Und den "Nukleus all jener gesellschaftsverändernden Ideen", an deren Verbreitung sich die großen öffentlich rechtlichen Medien wie auch die überregionalen Druckerzeugnisse willig beteiligten, verortet Willsch bei den Grünen. Und dieser Entwicklung, nicht zuletzt im Blick auf die Gender-Sprache, müsse mit "geradem Denken und mutigem Widersprechen" entgegengetreten werden.

An diesem geraden Denken und mutigen Widersprechen beteiligt sich seit etlichen Jahren und mit zunehmender Resonanz der Journalist und Publizist Roland Tichy. So auch in Wetzlar mit einer schonungslosen Analyse der aus seiner Sicht demokratieschädigenden Entwicklung in Medien und Journalismus. Angesichts von "falschen Informationen allüberall", einer "kunstvollen Veränderung der Wirklichkeit, in der Fakten bis zur Unkenntlichkeit verändert werden", erkennt Tichy die fehlende Bereitschaft großer Teile des Journalismus, dem eigentlichen Auftrag der "vierten Gewalt" nachzukommen und sich objektiv zu den Fakten zu äußern. Tichy sprach in diesem Zusammenhang von "unverschämten Manipulationen".

Objektive Berichterstattung?

In Deutschland würden Menschen "medial zerbrochen" und Existenzen vernichtet. Gegen das "linke Streaming" in unserem Land und in der Gesellschaft müsse sich zur Wehr gesetzt werden. "Die Medien treiben die Dinge in die falsche Richtung, und die Politik spielt, weil Profiteuer, dabei mit."

Tichy ermunterte die Öffentlichkeit, sich der "Themensetzungs-Autonomie" der großen Medien nicht anzuschließen. Wenn Stiftungen, Verbände und zahlreiche andere (Rand-)Gruppen, die vielfach noch mit Steuergeldern finanziert würden, die aber vor allem ihre eigenen - und nicht nur wirtschaftlichen - Interessen im Blick haben, außerhalb jeglicher Kontrolle Gesetze vorbereiten, die anschließend von der Politik umgesetzt werden, dann werde das demokratische und rechtsstaatliche System und letztlich auch Wirtschaft und Gesellschaft zerstört. Das alles bezeichnete Tichy als "Skandal".

"Wir brauchen einen anderen Journalismus, gerade in Zeiten, in denen sich die Mediennutzung verändert. Neue Medien übernähmen zunehmend die Funktion der alten und seien dabei schneller, billiger und weitreichender. Als ein Zeichen des Niederganges und der Tatsache, dass "alte" Medien an Umfang und Einfluss verlieren, nannte Tichy die Entwicklung bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, deren Auflage sinke, die Publikationen aus ihrem Verlag abgegeben habe und auch die FAZ nicht mehr selbst herstelle, sondern bei der benachbarten Lokalzeitung "Offenbach Post" drucken lasse.

Bürger werden kritischer

Die an sich dramatische und ungute Entwicklung habe auch ihre guten Seiten, machte Tichy Mut. "Die Masse kritischer Bürger wird größer" und neue Medien, zu denen er auch seine eigene Publikation "Tichys Einblick" zählt, "haben schon mehr Macht, als man es vordergründig sieht". Als ein Ziel nannte Tichy die "öffentliche Kontrolle der öffentlich-rechtlichen Medien" in Deutschland. In einer sich verändernden Medienwelt "kann man etwas ändern, wenn man es nur will".

"Die klassischen Medien sind tot, der klassische Journalismus aber hat Zukunft", wenn er denn seinem Auftrag gerecht werde und die Konsumenten das Ihre zu dieser Zukunftssicherung beitragen, meint Joachim Heidersdorf, 20 Jahre lang Redaktionsleiter der Frankfurter Neuen Presse und davor 16 Jahre lang Redaktionsleiter der Zeitungsgruppe Lahn-Dill (WNZ). Und auch seinem Referat mangelte es nicht an Deutlichkeit.

Nur noch grün oder nicht grün

Viele Menschen und Journalisten seien nicht mehr bereit, andere Meinungen zu akzeptieren. Man könne in Deutschland zwar "noch alles sagen", laufe aber Gefahr, Stichwort "Cancel culture", gebrandmarkt zu werden, wenn die eigene Meinung nicht dem Mainstream entspricht. Dabei entferne sich der Journalismus zunehmend vom Volk und lebe in einer Blase. Viele Journalisten hielten nur das für richtig, was sie selbst für richtig halten und was in ihre eigene Sicht passt. Und ignorieren, dass man die Welt auch anders sehen kann. Es gebe aber nur noch "schwarz oder weiß, gut oder falsch oder einfach: grün oder nicht grün".

Anstelle des Grundsatzes, der Wahrheit verpflichtet zu sein, Fakten zu prüfen und die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen, geraten laut Heidersdorf im Journalismus - und auch hier richtet sich der Blick vor allem auf die "Öffentlich-Rechtlichen" - Objektivität, Ausgewogenheit und Fairness zunehmend in den Hintergrund. "Die Forderung nach Diversität erschallt überall in unserem Land, Meinungs-Vielfalt ist aber offenbar nicht erwünscht", so der 66-Jährige "Ruheständler".

Im Großen und Ganzen gehe es im Blick auf den Journalismus um "Gesinnung". So habe eine Umfrage ergeben, dass 90 Prozent der Volontäre in den Medien "grün-rot-rot gewirkt" seien. "Schlimm" findet es Heidersdorf, dass es angesichts all dieser Entwicklungen "keinen öffentlichen Widerstand gibt". Und das dürfe nicht so bleiben.

Über den Autor

Franz Ewert

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