Geht es nach dem Willen von Robert Habeck (Grüne)

Ökostrombedarf steigt bis 2030 um 148 Prozent

Deutschland macht sich abhängig von Europa
Netzbetreiber wollen notfalls Strom abschalten

Kein Mensch hat etwas dagegen, wenn in Deutschland und nicht nur dort Energie – sprich Strom – aus Sonne und Wind gewonnen wird. Dies muss vorausgestellt werden. Die spannende Frage ist jedoch die, ob es möglich ist, eine Industrienation flächendeckend, preiswert und jederzeit verfügbar mit Energie/Strom zu versorgen, wenn man gleichzeitig bis 2030, je nach Plan 2035, Kohlekraftwerke abschaltet und im April dieses Jahres die letzten drei Kernkraftwerke ebenfalls abschaltet.

Verfügbarkeit von Strom wird reguliert

Die Zahl der Experten, die die Ampelpläne und die des grünen Wirtschaftsministers skeptisch sehen, wächst täglich. Selbst die Bundesnetzagentur, nicht verdächtig, der Bundesregierung allzu fern zu stehen, hat darauf verwiesen, dass die Pläne aus dem Wirtschaftsministerium nur aufgehen können, wenn jedes Rädchen perfekt ineinander greift. Eine sehr diplomatische Umschreibung der Tatsache, dass dies alles nicht funktionieren kann.

Luftschlösser

Es fehlen derzeit in Deutschland ca. 20.000 Kilometer Stromleitungen, die in der Lage wären, zusätzlichen Strom zu transportieren. Es fehlen technisch die Stromspeichermöglichkeiten, die man benötigt, wenn man überschüssigen Strom beispielsweise durch Wind an der See offshore erzeugt, um ihn dann abzugeben, wenn Windflaute vorhanden ist. Dies geht derzeit technisch nicht. Da dies nicht geht, plant man den Bau neuer (!) Gaskraftwerke, der fossile Brennstoff lässt grüßen, um genau diese Schwankungen, die es naturgemäß bei der Erzeugung von Energie immer gibt, auszugleichen, damit das Spannungsnetz gehalten bleibt und jederzeit genügend Energie vorhanden ist, die abgerufen werden kann.

Diese Kraftwerke haben wir nicht. Derzeit lösen wir das Problem überschüssigen Stromes dadurch, dass wir diesen für teuer Geld in das Ausland verkaufen, um ihn dann im Bedarfsfall teuer zurückzukaufen. Wir zahlen doppelt. Das Problem ist, dass europaweit genau diese disponiblen Kapazitäten in Form von Kohle- oder Gaskraftwerken zurückgebaut werden, da man dort verstärkt CO2-frei auf Kernkraft setzt. In Deutschland schalten wir im April die drei verbliebenen Kernkraftwerke ab, die rund 10 Millionen Haushalte mit Strom versorgt haben. Im Jahr 2021 haben wir ebenfalls drei Kraftwerke stillgelegt, ebenfalls Versorgungsgrad 10 Millionen Menschen. Das Abschalten dieser Kernkraftwerke bedeutet im Umkehrschluss einen zusätzlichen CO2-Ausstoß von rund 45 Millionen Tonnen. Sinn?

Habecks Pläne

Derzeit werden pro Jahr ca. 270 Terrawattstunden Ökostrom im Jahr erzeugt. Geht es nach dem Willen von Habeck soll der Anteil auf 600 Terrawattstunden erhöht werden, ein Plus von rund 150 Prozent. Benötigt werden im Jahr 2030 ca. 750 Terrawattstunden. Derzeit sind es rund 550. Der Strombedarf wird gigantisch steigen. Ob das das falsche einseitige flächendeckende Setzen auf E-Mobilität ist, die elektrischen Wärmepumpen, um nur zwei bedeutsame Faktoren zu nennen. Der Industriebedarf ist dabei noch nicht eingerechnet. Diese Ziele sind bis 2030 auch nicht ansatzweise realistisch erreichbar.

Abschaltungen drohen

Deshalb droht eine Situation einzutreten, wie man sie im früheren kommunistischen Ostblock, z.B. in Jugoslawien über Jahre und Jahrzehnte kannte: Stromabschaltungen zu bestimmten Zeiten. Es war eben nicht zu jeder Sekunde und zu jeder Minute Strom verfügbar. Und genau dies wird aktuell diskutiert. Die Netzbetreiber wollen, dass unter bestimmten Bedingungen etwa Wallboxen für E-Autos oder elektrische Wärmepumpen aus der Ferne (!) abgeschaltet werden können!

Dies ist das Ergebnis einer ideologischen Energiepolitik, die zu einer Bevorratung von Strom führt, und das Ganze bei den höchsten Strompreisen weltweit mit dem Ergebnis, dass immer mehr Unternehmen aus Energiekostengründen heraus Produktionsstandorte ins europäische Ausland verlagern.

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Gabriel Schneider
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