Fußball-WM in Katar

„Die Mannschaft“ – Spiegelbild für Deutschlands Abstieg

Das Auftreten der Fußballnationalmannschaft bei der mehr als umstrittenen Fußballweltmeisterschaft in Katar kann man nur als peinlich bezeichnen. Das kommt davon, wenn Sport politisiert wird. Das fing schon damit an, dass „Die Mannschaft“ mit einem bunten Flieger „Diversität gewinnt“ flog, ging weiter über die lächerliche „One-Love-Binde“, für die sich Mannschaftskapitän Manuel Neuer und Leon Goretzka ebenso stark machten wie DFB-Präsident Bernd Neuendorf (SPD) und eine Agentur, die mit dem DFB zusammenarbeitet und die für die SPD bereits Bundestagswahlkampf betrieben hat.

Wie überregionale Zeitungen berichteten, waren diese Aktionen innerhalb der Nationalmannschaft sehr umstritten, genauso wie zum Schluss das alberne Zeichen des „Mundzuhaltens“, die einzige Mannschaft, die das machte. Deutschland machte Politik, oder glaubte es zumindest. Deutschland wähnte sich im Besitz der höheren Moral – und die anderen spielten Fußball, guten Fußball.

Doppelte Moral

Die doppelte Moral Deutschlands ist zum Fremdschämen. Schon vergessen, dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vor wenigen Wochen einen tiefen Bückling bei den Scheichs von Katar dafür machte, dass diese Gas an Deutschland liefern? Jetzt setzt man das gleiche Katar auf die Anklagebank. Die Gleichberechtigung der Frau ist nicht gegeben, Homosexuelle werden verfolgt, ausländische Arbeiter werden ausgebeutet – ja, das ist alles richtig. Das war bekannt, als die Fifa die WM nach Katar vergab. Dort hätte man schon protestieren können. Man hätte auch unmittelbar vor der WM boykottieren können. Wie sagte doch ein Scheich sinngemäß in einer großen deutschen Zeitung? „Ihr Deutschen wollt uns immer belehren. Ihr Deutschen glaubt, nur ihr seid im Besitz der höheren Moral. Nehmt einfach zur Kenntnis, dass wir andere Sitten und Gebräuche haben. Wir verlangen von euch auch nicht, dass ihr diese übernehmt.“ So ganz Unrecht hat er nicht.

Wo waren Proteste in China und Russland?

Es ist so herrlich einfach, weil es keines besonderen Mutes bedarf, als Offizieller in einem kleinen Land wie Katar „Haltung“ zu zeigen. Selbst Bundesinnenministerin Faeser war sich nicht zu schade, sich mit One-Love-Binde auf dem Oberarm auf die Tribüne eines Fußballstadions des Landes zu setzen, das in naher Zukunft Deutschlands Gasprobleme mit lösen hilft.

Wo war eigentlich der Protest bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland? Demokratie? Parteienvielfalt? Pluralismus? Religionsfreiheit? Gleichschaltung der Medien! Unterdrückung der Opposition! Niemand von den hohen Herren des DFB oder der Politik hat dies je zum Thema gemacht. Beim kleinen Ungarn hat man sich ja noch getraut beim Länderspiel die Münchener Allianz-Arena in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen. Tolle Leistung, wirklich mutig! Wo war der Protest bei den Olympischen Spielen in China 2020? Der kommunistische Einparteienstaat unterdrückt wie kaum jemand anders, von Nordkorea abgesehen, seine Bevölkerung, überwacht sie, politische Gefängnisse wie in Russland, Meinungsdiktatur, Pressezensur, keine freien Wahlen…! Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, Proteste gehört, Aktionen in China oder Russland?

Deutschland hat sich zum Gespött gemacht

Kein anderes Land, das an dieser WM beteiligt war, hat auch nur ansatzweise die Diskussion geführt, die wir in Deutschland führen. Keines hat mitgemacht, und die Schadenfreude international war nicht unbeträchtlich, als Deutschland in der Vorrunde erneut scheiterte. Bestens zu sehen, als die katarischen Gastgeber beim Abzug der deutschen „Haltungsakrobaten“ spöttisch mit der Geste des „Mund zu“ zum Abschied winkten. Eine infantile, kindliche Bundesinnenministerin, die auf Kosten der Steuerzahler, vom ökologischen Fußabdruck ganz zu schweigen, nach Katar fliegt, um sich von der deutschen Presse für diese unglaublich mutige Haltung feiern zu lassen.

Wir sind zwar Weltmeister in der Moral, glauben es zumindest, verkennen aber, dass dadurch bedingt Deutschlands Ansehen in Europa sinkt. Kasperltheater um Gender, Binden, Gesten, Regenbögen, Isolation bei der Corona-Bekämpfung oder in der Energiepolitik… Wir schaffen über 200 Professorenstellen für den Gender-Unfug. Andere Länder schaffen Tausende von Professorenstellen für die Künstliche Intelligenz. Brotlos das eine, zukunftsweisend das andere. Aber Hauptsache, wir haben die gefühlt höhere Moral.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Kreisvorsitzender der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe2/2023