Rücktritt


Rechtsextreme Hetzjagd gegen Grünen war selbst inszeniert

Der grüne Stadtrat in Erkelenz, Manoj Subramaniam, gab an, von Neonazis verfolgt zu werden. Er erhielt Rasierklingen mit der Post, man drohte, ihn umzubringen, Reifen wurden aufgeschlitzt, Hakenkreuze in sein Auto eingeritzt und „Jude“ hinzugefügt. Sogar der Todestag wurde angekündigt, das Ganze unterzeichnet mit NSU 2.0. Wer so verfolgt wird, dem ist eine Welle der Solidarität sicher, im Kern auch völlig zu Recht.

Es gab parteiübergreifend Sympathiebekundungen. Die Parteiprominenz ließ sich sehen, denn es passte natürlich ins Bild, dass ausgerechnet ein grüner Stadtrat mit Migrationshintergrund (Subramaniam stammt aus Sri Lanka) von Neonazis terrorisiert wird. Peinlich nur, dass die rechtsextremen Hetzjagden frei erfunden wurden. Die Straftaten waren vorgetäuscht und teilweise sogar selbst inszeniert.

Ähnlicher Fall

Es gab einen ähnlichen Vorfall vor wenigen Jahren in Sachsen, bei dem ein türkischstämmiger Gasthausbetreiber erklärte, sein Geschäft sei von Rechtsextremen in Brand gesteckt worden. Auch damals gab es eine Welle der Solidarität bis hin zur damaligen Kanzlerin, bis sich herausstellte, dass auch dieser Fall ein „getürkter“ Fall war. Ältere können sich an angebliche Schändungen von jüdischen Friedhöfen durch Rechtsextreme erinnern, deren Schändung allerdings von der Stasi der damaligen „DDR“ vorgenommen wurde. Die Berichterstattung über diese Fälle war allerdings in den großen Leitmedien in der Regel relativ überschaubar. Damit kein Missverständnis entsteht. Wenn es so einen Fall gibt, hat der jeweilige Betroffene immer volle Solidarität verdient, denn Angriffe, von wem auch immer sie begangen werden, sei es auf Polizeibeamte, Rettungssanitäter, Feuerwehrkameraden oder auch auf Politiker, gleich welcher Partei, sind an der Tagesordnung und als solche zu verurteilen. Man hat allerdings manches Mal den Eindruck, dass ähnlich gelagerte Fälle medial durchaus unterschiedlich behandelt werden.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Kreisvorsitzender der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe12/2022