Flop des Jahres

2000 türkische Hilfskräfte für die Flughäfen, keiner kommt

Nach dem Chaos auf den deutschen Flughäfen in der Sommerzeit fühlten sich gleich drei Bundesminister in einer gemeinsamen Pressekonferenz bemüßigt, für eine schnelle und unbürokratische Lösung zu sorgen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wollten mit einem beschleunigten Verfahren Hilfskräfte aus der Türkei holen, die dann an den Flughäfen eingesetzt werden sollten. Von 2000 Kräften war die Rede. Gesehen hat man die 2000 noch nicht. Im Gegenteil, es sind laut Auswärtigem Amt nur rund 50 Visumsanträge eingegangen, wobei sinnigerweise ein einziger Antragsteller die notwendige Sicherheitsüberprüfung überstand.

Man fragt sich angesichts von über zweieinhalb Millionen Arbeitslosen in Deutschland und einem „Fachkräftezuzug“ seit 2015 in der Größenordnung von über drei Millionen Menschen, warum es nicht gelang, aus diesem Kreis Bewerber, notfalls mit etwas Druck, zu finden. Das Problem ist, die soziale Hängematte, deretwegen viele Menschen nach Deutschland kommen, ist üppig ausgestattet, so dass bei manchem Hartzer oder Empfänger sonstiger sozialer Leistungen die Motivation relativ gering ist, zu arbeiten, wenn man sieht, was man für das Nichtstun erhält und wie gering die Differenz häufig genug ist, wenn man 40 Stunden arbeiten muss, um dann selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Sinnigerweise hat die aktuelle Koalition, bestehend aus SPD, FDP und Grünen, beschlossen, dass Arbeitsunwillige zumindest im ersten halben Jahr mit keinerlei Sanktionen zu rechnen haben, das völlig falsche Signal.

Um es deutlich zu formulieren: Wenn jemand heutzutage einen Job angeboten bekommt, den er in der Lage ist, körperlich oder auch intellektuell fachlich zu bestreiten, dann hat er die moralische Verpflichtung, dieses Angebot auch anzunehmen, denn die Allgemeinheit zahlt letzten Endes für ihn. Wenn jemand, und in einem Rechtsstaat kann niemand gezwungen werden, für sich erklärt, die Arbeit sei ihm nicht zumutbar, so mag das sein. Aber dann hat er, so sollte es zumindest sein, das Recht verwirkt, staatliche Unterstützung zu erhalten. Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt ein altes Sprichwort, und in diesem steckt viel Wahrheit.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Kreisvorsitzender der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe9/2022