Pro Polizei Wetzlar e. V. hat 900 Mitglieder
Vorstand einstimmig gewählt
Bürgerinitiative ist beispielgebend –
beeindruckend - leidenschaftlich - verlässlich - engagiert

Dass der Interpol-Präsident aus Niedergirmes stammt, die Wiege des Vizepräsidenten von Europol in Herborn stand und der Präsident des Landeskriminalamtes Hessen in Großaltenstädten geboren und aufgewachsen ist sowie die Heimat eines Bundesverwaltungsrichters in Eschenburg ist, hat ursächlich sicher nichts damit zu tun, dass der Lahn-Dill-Kreis mit Blick auf die Kriminalstatistik zu den sichersten hessischen Landkreisen zählt. Für den sichtlich erfreuten Vorsitzenden der Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar e. V., Hans-Jürgen Irmer, war es zu Beginn der Jahreshauptversammlung des Vereins in der Solmser Taunushalle ein Bedürfnis, auf die Tatsache hinzuweisen, dass in den Spitzen der genannten Sicherheitsorgane Männer an verantwortungsvoller Stelle zu finden sind, deren Wurzel im Land an Lahn und Dill liegen.

Lob von Holger Geller

Und einen der Erwähnten, den hessischen LKA-Chef Andreas Röhrig, konnte Irmer als Referenten im Rahmen der Pro-Polizei-Jahreshauptversammlung begrüßen. Dieser gewährte im Anschluss nach Abhandlung der Tagesordnung unter dem Motto "das Landekriminalamt als Zentralstelle für die Kriminalitätsbekämpfung am Puls der Zeit" einen Blick in aktuelle Aufgabenfelder seiner 1000 Mitarbeiter großen Behörde mit Sitz in Wiesbaden. In einem Grußwort zu Beginn der Versammlung nannte Holger Geller, Leiter der Polizeistation Wetzlar, die BI Pro Polizei Wetzlar einen "großen materiellen, ideellen und moralischen Unterstützer" der Polizei. Mit Engagement, Respekt und Leidenschaft setze sich die BI für die Arbeit der lokalen Sicherheitsbehörden ein. "Es ist schön, wenn sich die Polizei auf solche Unterstützer und ihren Zuspruch verlassen kann", so Geller, der die "gigantische" Polizeischau, die unter anderem für den Polizeiberuf werbe, als hessenweite einmalig hervorhob.

Beirat ist neu

Die im Jahr 1996 von einigen Dutzend Gründungsmitgliedern ins Leben gerufene Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar hat 2022 gut 900 Mitglieder bei weiterhin - trotz mittlerweile zwei Corona-Jahren - steigender Tendenz. Als nächstes Etappenziel möchte der Vorsitzende Irmer, der von seiner Stellvertreterin Heike Ahrens-Dietz (Solms) als "Turbo von Pro Polizei" bezeichnet wurde, die Zahl von 1000 Mitgliedern erreichen. Angesichts der Größe des Vereins und seiner weiterhin umfangreichen Aufgabenpalette installierte die Versammlung per Satzungsänderung einen Beirat als zusätzliches beratendes Gremium "mit viel Erfahrung" zur Unterstützung des Vorstandes. Dem neuen Beirat gehören Werner Bursik (Braunfels), Helmut Lenzer (Oberndorf), Rainer Stallmach (Allendorf/Lumda), Gerhard Wittig (Albshausen) und Udo Volck (Wetzlar) an.

Die anstehenden Vorstandswahlen zeichneten sich durch Kontinuität mit einer Neuerung im geschäftsführenden Vorstand aus. Hans-Jürgen Irmer (Wetzlar), Pro Polizei-Vorsitzender seit der Gründung 1996, wurde für zwei weitere Jahre an die Spitze der BI gewählt. Seine beiden Stellvertreter sind Heike Ahrens-Dietz (Solms) und - neu im Amt - Dirk Francovich (Wetzlar). Bestätigt wurden Schatzmeister Gerhard Homrighausen (Nauborn) und Schriftführer Horst Kasperski (Wetzlar). Geschäftsführerin - nach Horst Nies und Matthias Hundertmark als Dritte in dieser wichtigen Funktion - ist nun Victoria Francovich. Elf Beisitzer komplettieren den Vorstand: Manfred Haas (Blasbach), Holger Hartert (Naunheim), Renate Pfeiffer-Scherf (Nauborn), Ina Schmitz (Leun), Frank Steinraths (Wetzlar), und - neu - Ina Kasperski (Wetzlar), Tanja Corpus (Schöffengrund), Jenny Reschke-Reusch (Langgöns), Lisa Schäfer (Solms), Stefan Sollmann (Wetzlar) und Hans-Peter Stock (Braunfels).

LKA Präsident mit deutlichen Worten

Als "absolut beeindruckend und beispielgebend" lobte LKA-Präsident Andreas Röhrig Motivation, Art und Weise, wie sich Pro Polizei Wetzlar zugunsten der Polizei einsetze - für die Polizei, die ansonsten eher Gegenwind verspüre. Ebenso einmalig und eine Pionierarbeit im besten Sinne seien Idee und Konzeption des "Hauses der Prävention", das auf Initiative von Pro Polizei in Wetzlar eingerichtet wurde und seine Arbeit aufgenommen hat. Vorbeugung und Vernetzung seien wichtige Bestandteile erfolgreicher Polizeiarbeit, so Röhrig, der auch Mitglied im Landespräventionsrat Hessen ist.

Von den 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landeskriminalamtes Hessen sind laut Röhrig 50 Prozent Polizeivollzugsbeamte, als weitere wichtige Bestandteile nannte er unter anderem die Wissenschaftsabteilung und das Kriminaltechnische Institut. Die Behörde sehe sich als Schnittstelle zu allen einschlägigen Bundesbehörden und sei mit allen sieben Polizeipräsidien im Lande Hessen eng vernetzt.

 

Auf vielen Feldern der Kriminalitätsbekämpfung und -vorbeugung sei das LKA aktuell gefordert. Der Präsident sprach von "unruhigen Zeiten" mit Anschlägen in Deutschland und im Ausland, Terrorattacken mit Autos, Messern und anderen Waffen und wies auf die Zunahme von Bankautomaten-Sprengungen - hessenweit 57 im vergangenen Jahr hin. Ausgeführt durch ausländische, schwerpunktmäßig holländische Täter, deren Zahl der LKA-Präsident auf 600 bis 800 Kriminelle schätzt, die sich "hochprofessionell" mit Sprengungen beschäftigen. Das LKA arbeite gemeinsam mit Banken und Polizeibehörden an Maßnahmen, Automatensprengungen die Lukrativität zu nehmen.

Große Sorgen bereite der durch das Internet beförderte "massive Anstieg" im Deliktsfeld Kinderpornografie und sexueller Missbrauch: "Die Zahlen sind durch die Decke gegangen." 180 LKA-Mitarbeiter seien ausschließlich damit beschäftigt, diese Herkulesaufgabe zu bewältigen, so Röhrig, der von "einem der schlimmsten Phänomene" sprach, weil die Schwächsten davon betroffen seien.

Auf der einen Seite ist laut LKA-Präsident die registrierte Kriminalität zurückgegangen und zugleich die Aufklärungsquote gestiegen. Andererseits werde Kriminalität "deutlich internationaler" und verlagere sich mehr und mehr in die digitale Welt, Stichwort (als eines von vielen): das Darknet. Die Cyber-Angriffe seien gestiegen, auf Krankenhäuser, Versorger, die "kritische Infrastruktur", aber auch auf die Polizei selbst. Die "Hass-Kriminalität" im Netz zum Beispiel gegen Politiker auf allen Ebenen sei ebenso wenig hinnehmbar wie die steigende Zahl der Angriffe auf Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste während deren Einsätze vor Ort. "Das wird uns in den nächsten Jahren massivst beschäftigten", so Röhrig, der in der Prävention ein unverzichtbares Mittel der Kriminalitätsbekämpfung sieht. Insgesamt sieht der LKA-Präsident die Polizei in Hessen "personell und sächlich auf einem guten Weg".

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Franz Ewert

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