Aus der Arbeit der CDU Kreistagsfraktion Lahn-Dill

CDU-Kreistagsfraktion zu Besuch auf dem Leiterhof in Hohenahr

Die CDU-Kreistagsfraktion unter Leitung von Hans-Jürgen Irmer war jetzt zu Besuch auf dem Leiterhof in Hohenahr. Mit dabei war auch der heimische Landtagsabgeordnete Frank Steinraths. Zunächst stellte der Betriebsleiter Jörg Leiter den landwirtschaftlichen Betrieb kurz vor. Der Leiterhof liegt nahe dem Hohenahrer Ortsteil Hohensolms auf 340 Meter Höhe. Die Jahresniederschläge betragen im Durchschnitt 720 Liter, die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 7,2 Grad C. Bewirtschaftet wird der Betrieb von Christian und Jörg Leiter sowie dessen Ehefrau, die für das Agrarbüro zuständig ist.

Die ca. 300 Hektar Gesamtfläche teilen sich auf in 60 Hektar Grünland, die extensiv zur Heuwerbung genutzt werden, sowie 240 Hektar Ackerland. Hier werden Wintergerste, Raps, Winterweizen, Triticale, Sommergerste, Körnererbsen und Ackerbohnen nach den Vorgaben des Hessischen Programms „Vielfältige Fruchtfolge“ angebaut. Leider endet dieses Programm im nächsten Jahr mit Beginn der neuen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der EU. Was dann kommen wird, steht noch nicht fest. Auf dem Betrieb sind ausreichend Lagermöglichkeiten für alle Erntefrüchte sowie die Düngemittel für das laufende Jahr vorhanden. Des Weiteren gehören eine Trocknungsanlage und eine Getreidereinigung zum Betrieb. Die Haltung von Tieren wurden vor über zehn Jahren aufgegeben.

Für die Außenwirtschaft sind drei Traktoren, ein Mähdrescher, eine Drillmaschine, eine Feldspritze, ein Düngerstreuer und fünf Transportanhänger vorhanden. Besonderes Interesse galt dem Mähdrescher mit 7,70 Meter Arbeitsbreite. MdL Frank Steinraths ließ es sich nicht nehmen, auf dem bequemen Fahrersessel Platz zu nehmen. Im Einsatz kann der Fahrer von einem GPS-gesteuerten Fahr- und Lenksystem unterstützt werden. Auch alle anderen Fahrzeuge und Maschinen verfügen über elektronische Steuersysteme, die die Funktionen optimieren. Auf einem Display ist von der Fahrerkabine aus die genaue Einstellung und Kontrolle möglich.

Nächste Station des Rundgangs war ein Wintergerstenbestand neben dem Hof, der gerade die Ähren schob. Hier erläuterte der Betriebsleiter an einer Pflanze den Aufbau, den Entwicklungsstand sowie den möglichen Befall mit Getreidekrankheiten. Anhand einer Spatenprobe wurde der Wurzelaufbau betrachtet. Mit einer Bodensonde konnten die Teilnehmer die Festigkeit des Bodens feststellen, die auch Rückschlüsse auf die vorhandene Feuchtigkeit zulässt. Der Betrieb Leiter betreibt seit 1994 konservierende Bodenbearbeitung. Das bedeutet, dass der Boden nicht mehr tief gepflügt wird, sondern nur noch 6 bis 8 Zentimeter flach mit einem Grubber oder der Scheibenegge bearbeitet wird. Die flache Bearbeitung konserviert das Bodengefüge darunter, die Poren im Boden bleiben erhalten. Starke Niederschläge können besser und schneller aufgenommen werden, in Trockenperioden ist das Bodenwasser für die Pflanzen besser verfügbar. Die konservierende Bodenbearbeitung hilft Wasser- und Winderosion zu verhindern, in dem die Stoppeln und Erntereste nicht vergraben werden, sondern an der Bodenoberfläche verbleiben und bei Starkregen oder Wind die Erde festhalten. Eine positive Wirkung zeigt sich auch bei der Regenwurmpopulation. Zudem wird der Dieselverbrauch deutlich reduziert – nicht nur derzeit ein wichtiger Faktor.

Zum Abschluss des Besuchs wurde bei Kaffee, Kaltgetränken und Kuchen noch sehr intensiv die Agrarpolitik von Bund, Land und EU diskutiert. Wie in allen Bereichen der deutschen Wirtschaft nimmt auch die Bürokratie einen immer größeren Raum ein. Nicht einverstanden ist der Betriebsleiter mit einigen Vorgaben der neuen GAP-Förderperiode ab dem nächsten Jahr. Dann sollen 4 Prozent der Ackerfläche in Brache überführt werden. Dieser Anteil soll in fünf Jahren EU-weit auf 10 Prozent der Ackerfläche gesteigert werden. In Anbetracht des Krieges in der Ukraine, den damit verbundenen Anbau- und Lieferproblemen sowie auch den teilweise sehr trockenen Wachstumsbedingungen in vielen Teilen der Welt ist eine solche Maßnahme ein Unding und sollte zurückgenommen werden. Unter unseren für den Getreideanbau klimatisch günstigen Bedingungen sind Flächenstilllegungen und auch Forderungen nach einer Ausweitung des Biogetreideanbaus, der deutlich geringere Erträge liefert, angesichts des Hungers in großen Teilen der Welt keine Lösung – ja direkt unmoralisch.

Aber auch andere Maßnahmen des geplanten GAP-Pakets werden von vielen Praktikern kritisiert und man hofft auf Abänderung. Bisher enttäuscht sind Christian und Jörg Leiter auch vom neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir. Er hat den Weg zur Mehrzahl der Landwirte noch nicht gefunden – seine Politik ist derzeit noch in der Theorie verhaftet, von der ideologischen Rhetorik der Grünen gesteuert. Eine vorausschauende Politik, die die Ernährung sichert, die Landwirtschaft unterstützt und den Ackerbauern und Tierhaltern verlässliche Zukunftsperspektiven bietet, ist zurzeit noch nicht in Sicht. Noch ist etwas Zeit zum Lernen und Umdenken…

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Aktuelle Ausgabe9/2022