Energiewende Utopia lässt grüßen

6 Millionen Wärmepumpen bis 2030 nicht einzubauen

In einem bemerkenswerten Beitrag in der Zeitung „Die Welt“ hat der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima, Helmut Bramann, mit den Wunschvorstellungen der Ampel und gerade der grünen Minister aufgeräumt, die Energiewende dadurch bewirken zu können, indem man den neuen Einbau von Gas- und Ölheizungen verbietet und stattdessen Wärmepumpen vorschreibt. Eine Regelung, die ab 2023 laut Koalitionsvertrag kommen muss.

Abgesehen davon, dass der Energiebedarf durch die Wärmepumpen dramatisch ansteigen würde, der durch den fast gleichzeitigen Ausstieg aus Kohle, Strom und Kernenergiestrom sowie einer Reduktion des Gaskraftwerksstroms, um die Unabhängigkeit vom Russen-Gas zu reduzieren, nicht möglich ist, gibt es einfach, so Bramann, faktische Probleme. Im letzten Jahr seien rund 650.000 Gasheizungen verkauft worden, viermal mehr als Wärmepumpen. Wer im schlechtgedämmten Altbau wohne, dies betreffe in Deutschland ungefähr 30 Prozent des Wohnungsbestandes, der müsse, gehe es nach der Ampelkoalition, sofort die Heizung Öl oder Gas durch eine Wärmepumpe ertüchtigen. Es gebe, so Bramann, in Deutschland etwa 49.000 Betriebe, die in der Regel sehr gut ausgelastet seien und einen Vorlauf beim Auftragsbestand von im Schnitt 14 Wochen hätten. Von diesen Betrieben seien etwa 20 Prozent maximal in der Lage, Wärmepumpen einzubauen, da sie entsprechende Erfahrungen gesammelt hätten. Demgegenüber stünde die Forderung der Politik, 6 Millionen Wärmepumpen bis 2030 zu installieren. Das seien rund 2000 pro Tag inklusive der Wochenenden. Vollkommen illusorisch.

Hinzu kämen weitere Probleme. So fehlten seiner Branche etwa 60.000 Monteure, die es derzeit schlicht nicht gebe. Diese Monteure müssten alle dann auch sofort einsetzbar sein. Auch dies funktioniere nur in der Theorie, aber nicht in der Praxis. Außerdem würden rund 26.000 kaufmännische Mitarbeiter fehlen, die Auftragswesen/Abwicklung betreuen müssten, sowie rund 31.000 Auszubildende.

Zerstörerische Wirkung

Was hier derzeit geschehe, so Bramann, sei „zerstörerisch“. Erst vor zwei Jahren sei eine umfassende Förderung von Gas-Hybrid-Heizungen aufgelegt worden und jetzt sollten überall nur noch Wärmepumpen eingebaut werden. Eine Wärmepumpe werde niemand ohne Förderung einbauen. Und im Übrigen, was ebenfalls nicht bedacht sei, gelte es natürlich, das Elektrohandwerk fachlich mit einzubeziehen, und das Elektrohandwerk habe durchaus ähnliche Probleme, was offene Stellen und Fachkräftemangel angehe. Kurzum, die gesamten Maßnahmen seien in der Kürze der Zeit auch nicht ansatzweise umzusetzen.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Kreisvorsitzender der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe9/2022