Bei Pro Polizei Wetzlar

Polizeipräsident Bernd Paul erläutert die aktuelle Kriminalstatistik


Der Lahn-Dill-Kreis ist ein vergleichsweise sicheres Pflaster

Kriminalität ist ein ebenso höchst unerwünschter wie - leider - allgegenwärtiger Teil des menschlichen Zusammenlebens. Dabei ist die Sicht- und Erlebensweise individuell höchst unterschiedlich, je nach persönlicher Betroffenheit. In wessen Haus eingebrochen oder wem der Pkw gestohlen wurde, empfindet, erlebt und wertet die Geschehnisse anders als der, dem solche oder in vielfältiger Weise sonstige kriminelle Unbill seitens bekannter oder auch unbekannter Straftäter widerfahren ist. Die Polizei ist das Schutzinstrument des Staates, mit dem die Gesellschaft wie der einzelne Bürger möglichst geschützt werden soll (Prävention), und das ihm kraft staatlichen und gesetzlichen Auftrages hilft, erlittenes kriminelles Unrecht aufzudecken und vor allem die Täter zu ermitteln (Tataufklärung).

Dies wiederum ist - und das liegt durchaus in der Natur der unangenehmen Sache begründet - je nach Deliktbereich höchst unterschiedlich erfolgreich. Die jährlich erstellte offizielle Kriminalstatistik gibt darüber Auskunft. Zahlen und Entwicklungen, die sich aus der aktuellen Statistik her- und ableiten lassen und speziell auch den Lahn-Dill-Kreis betreffen, erläuterte auf Einladung der Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar e. V. der mittelhessische Polizeipräsident Bernd Paul in der Taunushalle Solms vor 80 Zuhörern.

Gemeinsam mit dem Gastgeber der Veranstaltung, dem Pro-Polizei-Vorsitzenden Hans-Jürgen Irmer, wies Paul zunächst auf eine bedenklich stimmende Jahresstatistik 2020 hin, nach der bundesweit insgesamt 85.000 Tätlichkeiten gegen Polizeivollzugsbeamte, darunter 39.000 schwere und gewalttätige Angriffe, aktenkundig geworden sind. Diese Übergriffe stellten Angriffe auf Staat, Gesellschaft und Demokratie, repräsentiert von Polizeibeamtinnen und -beamten, dar, die nicht hingenommen werden dürften.

Zunehmende Respektlosigkeit

"Zunehmende Respektlosigkeiten", die sich im Laufe der letzten vier Jahre verdoppelt hätten, stellte Paul auch in seinem Zuständigkeitsbereich, das Polizeipräsidium Mittelhessen, fest, davon über 300 alleine in der Universitätsstadt Gießen. Diese Entwicklung, so Hans-Jürgen Irmer, werde leider auch in Teilen staatlicherseits bagatellisiert. "Wo bleibt die Abschreckung, die der Staat via seiner Justizbehörden zu leisten hat, um sich dieser nicht hinnehmbaren Entwicklung entgegenzustellen?", fragte Irmer und äußerte die Hoffnung und Erwartung, dass die Justiz als Ganzes ihrer Verantwortung stärker bewusst und zunehmend gerecht werde. In diesem Zusammenhang dankte der Polizeipräsident der BI Pro Polizei für die Bereitstellung von "Body-Cams" genannten kleinen Kameras, ein wichtiges neues Hilfsmittel, dessen Gebrauch in schwierigen Einsatzsituationen eine nachweislich dämpfende und deeskalierende Wirkung entfaltete.

Eine Statistik kommt ohne Zahlen nicht aus. Bezogen auf 100.000 hessische Einwohner kommt es - statistisch - zu 5340 Straftaten pro Jahr. Diese Quote liegt laut Paul in Mittelhessen bei 4042 und damit deutlich niedriger. Die Aufklärungsquote lag hessenweit bei 66 Prozent. Zum Vergleich: als die BI Pro Polizei 1996 in Wetzlar gegründet wurde, bewegte sich die Aufklärungsquote bei 45 Prozent. Im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen konnten 66,6 Prozent der aktenkundig gewordenen Straftaten aufgeklärt werden, wobei der Lahn-Dill-Kreis mit 68,5 Prozent wiederum die beste Quote im Vergleich aller vier zum Zuständigkeitsbereich des PP Mittelhessen zählenden Landkreise ausweist.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche, einem für die Geschädigten besonders einschneidenden und unangenehmen Delikt, hat sich laut Polizeipräsident in 2021 sicher auch "wegen Corona" im Vergleich zu 2019 halbiert, wovon wiederum die Hälfte im Versuchsstadium "steckengeblieben" seien. Dabei erzielte die Aufklärungsquote bezogen auf den Lahn-Dill-Kreis mit 32 Prozent den "Spitzenwert in Hessen". Paul wies auf 21.000 Verkehrsunfälle, die im PP-Bereich in 2021 aufgenommen wurden, und auf eine neu geschaffene Sondereinheit von 40 Beamten hin, die sich ausschließlich dem Bereich Kinderpornografie widme und in 800 Fällen Ermittlungen aufgenommen habe. "Darauf sind wir stolz." Weitere Schwerpunkte waren der Drogenmissbrauch im Straßenverkehr und die Arbeit von "robusten Kontrollgruppen", die sich im Spielhallen- und Shisha-Bar-Milieu bewegten. Wegen der polizeilichen Ermittlungserfolge in diesen drei Bereichen weise die Kriminalstatistik in Mittelhessen gegenüber der vorherigen auch 2000 Straftaten mehr aus, "die wir uns geholt haben", so Paul.

Prävention wichtig

Viel Wert lege die Polizei gerade auch in Mittelhessen auf die präventive Arbeit, die "permanent und zielführend weiterentwickelt" werde. In diesem Zusammenhang lobte Paul das im letzten Jahr auf Initiative der BI Pro Polizei Wetzlar eröffnete "Haus der Prävention" am Ludwig-Erk-Platz am Rande der Wetzlarer Altstadt als "einmalig in Hessen". Das Haus der Prävention sei der richtige Ansatz, um die auf diesem Sektor agierenden "verschiedenen Player", darunter auch die Polizei, gemeinsam und deshalb erfolgreicher - agieren zu lassen.

Gegen Drogenfreigabe

Aus dem Publikum heraus angesprochen machte der Polizeipräsident keinen Hehl aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber der von der neuen Ampel-Bundesregierung forcierten Drogenfreigabe. Dazu brachte er eines von vielen möglichen Argumenten vor: "Schauen Sie sich die jungen Drogen-Patienten in der Psychiatrie an!" Abschließend informierte Bernd Paul über den Stand bezüglich des Neubaues auf dem Gelände der Spilburg, in den die Polizeistation Wetzlar sowie die Regionale Kriminalinspektion (RKI) für den Lahn-Dill-Kreis einziehen werden. So lägen dem hessischen Finanzministerium drei Gebote für die Erstellung des Gebäudekomplexes vor, und die Unterzeichnung eines Mietvertrages solle bereits im April 2022 erfolgen. Die "neue Heimat" für Pst. und RKI rückt also näher.

Über den Autor

Franz Ewert

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