Erforschung der Vergangenheit

Zur Erforschung von Geschichte und Kultur
der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler
wird ein Forschungsbereich eingerichtet

Geschichte ist Teil des kulturellen Erbes einer Nation und seines Volkes.

Gerade die Berichte von Zeitzeugen sind dabei eine wichtige Quelle für Historiker. Leider werden die Menschen, die die Geschichte am eigenen Leib erlebt haben, älter und irgendwann sind ihre Erfahrungsschätze nicht mehr verfügbar. Umso wichtiger ist es, die Geschichte der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler noch besser zu erfassen und zu erforschen. „Das Thema ist von großer Bedeutung, haben doch ein Drittel der hessischen Bürgerinnen und Bürger über ihre Familie Vertreibung und Aussiedlung erlebt oder sind davon betroffen. Darum setzen wir uns für den Forschungsbereich ein“, erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Steinraths.

Es geht dabei auch um die Untersuchung der Gründe von Flucht und Vertreibung sowie das Wachhalten der Ereignisse von einst. Der aktuelle Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Regierung sieht die Verbesserung der Forschungslage vor. „Die Heimatvertriebenen waren und sind ein wichtiger Faktor beim Wiederaufbau und dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Leistung wollen wir würdigen und auch festhalten. Dafür wird ein Lehrstuhl an der hessischen Justus-Liebig-Universität Gießen eingerichtet“, so der Abgeordnete.

Viele Menschen in Hessen haben Verbindungen oder Erinnerungen an ihre alte Heimat in West- oder Ostpreußen, Schlesien, Posen oder Pommern sowie weiteren Gebieten im heutigen Russland, Ungarn oder Rumäniens. Die Leitung des Lehrstuhls wird vom Historiker Prof. Dr. Peter Halsinger übernommen, ihm steht eine Arbeitsgruppe von vier Personen bei. Bis 2026 stehen dem Forscherteam 300.000 Euro zur Verfügung.

Entsprechend erweitert wird auch das Angebot von Lehrveranstaltungen an der Universität. Nicht nur für Angehörige, sondern auch für alle Interessierten ist das Thema bedeutsam, lernt man so doch vieles aus der Vergangenheit seiner Mitmenschen und seines Landes. Dies ist der erste Lehrstuhl für die Gesamtthematik von Flucht und Vertreibung bundesweit. Bislang wurden hier nur Teilbereiche abgedeckt. „Ich freue mich, dass wir hier einen großen wissenschaftlichen Schritt gehen. Lehren aus der Vergangenheit sind auch dazu da, Gegenwart und Zukunft besser gestalten zu können. Die Erforschung der Geschichte der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler wird einen großen Beitrag zu unserer Kultur leisten“, zeigt sich Steinraths überzeugt.

Über den Autor

Frank Steinraths
Frank Steinraths
Landtagsabgeordneter CDU Lahn-Dill
Aktuelle Ausgabe5/2022