Gewerbegebiet Münchholzhausen-Nord


Auch die neue Wetzlarer Koalition aus SPD, Grüne, Freie Wähler und FDP
hält am veralteten Entwicklungskonzept fest

Bei der Kommunalwahl im März 2021 hatte die bisherige Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern ihre Mehrheit im Wetzlarer Stadtparlament verloren und nahm zum Machterhalt die FDP mit ins Boot. Ihre Koalitionsvereinbarung überschrieben die vier Parteien mit „Neue Herausforderungen erfordern neue Wege“. Wer diesen Titel vielleicht hoffnungsvoll auf die Pläne zum Gewerbegebiet Münchholzhausen-Nord bezog, wurde bitter enttäuscht. Denn für diese Planungen werden ausschließlich „alte Wege“ weiterverfolgt, die zur Tarnung und vielleicht zur Selbstberuhigung nur ein wenig „grün angestrichen“ und mit dem Etikett „ökologisch-nachhaltig“ versehen werden (ausführlich Wetzlar Kurier Januar 2020, Seite 4).

Die CDU-Fraktion im Wetzlarer Stadtparlament fordert zur Stärkung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Wetzlars hingegen seit Jahren zeitgemäße und zukunftsorientierte Lösungen. Dazu bedarf es zunächst einer breit angelegten Diskussion und eines ernsthaften Dialogs (einschließlich Bürgerbeteiligungsverfahren) über die weitere zeitgemäße Entwicklung und die weiteren Entwicklungspotentiale/-ziele der Stadt Wetzlar. Angesichts des flächenmäßig begrenzten Stadtgebiets sowie auch der gesamtgesellschaftlichen umwelt- und klimapolitischen Herausforderungen sind dabei die Interessen der Wirtschaft (einschließlich Landwirtschaft) und der Umwelt nicht länger gegeneinander auszuspielen, sondern bestmöglich in Einklang zu bringen.

Aber auch die neue Wetzlarer Viererkoalition verschließt sich dieser Diskussion und diesem Dialog. Denn die längst überfällige und dringend erforderliche Prüfung und Bewertung aller verbliebenen und denkbaren Potentialflächen im Stadtgebiet und darüber hinaus interkommunaler Optionen muss aus Sicht der CDU ohne Vorfestlegungen erfolgen. Die Koalition klammert sich aber für das geplante Gewerbegebiet Münchholzhausen-Nord weiter an das bestehende und inzwischen 20 Jahre alte (!) städtebauliche Entwicklungskonzept. Es wird dabei verkannt, dass dieses Entwicklungskonzept mit Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit, wie etwa die zunehmende Zersiedlung der Landschaft, der Verlust landwirtschaftlicher Flächen oder dem fortschreitenden Artensterben, schlichtweg veraltet ist.

In diesem Kontext ist es daher bemerkenswert, dass sich ein SPD-Stadtverordneter im Juli dieses Jahres im Ortsbeirat Münchholzhausen mit Blick auf die Planungen für das Gewerbegebiet Münchholzhausen-Nord dahingehend geäußert hat, dass „die Fehler vor 20 Jahren gemacht worden“ seien. Recht hat er, darf man aus heutiger – auch selbstkritischer – Sicht der CDU sagen. Zum Selbstverständnis der Wetzlarer CDU gehört es allerdings, im Nachhinein erkannte Fehler zu korrigieren und nicht weiter zu vertiefen. Vielleicht unterscheiden wir uns hier von anderen Parteien?

Abschließend noch ein Wort zum Thema „Bürgerbeteiligung“. Dieses Thema wird von der neuen Wetzlarer Viererkoalition als sehr wichtig angesehen, und es soll eigens eine Stabsstelle dafür eingerichtet werden. Bei der Erstellung vieler städtischer Konzepte werden verschiedene überobligatorische Formen der Bürgerbeteiligung eingesetzt, immer mit dem Ziel, bessere, tragfähigere und letztlich auch Konzepte mit höherer Akzeptanz in der Bevölkerung zu entwickeln. Warum dies nicht für maximalintensive Eingriffe in die Natur und Umwelt, das Landschaftsbild und die Wohnqualität gelten soll, ist der CDU-Fraktion nicht verständlich. Vielleicht stören die Bürgerinnen und Bürger hier nur?

 

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Michael Hundertmark
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