Auf Einladung der DÖG Wetzlar: Konzertantes auf höchstem musikalischem Niveau

Die Leipziger Philharmoniker und
der Männerchor "Concordia" Münchholzhausen
verzaubern das Publikum in der Stadthalle

New York und Chicago, Peking und Shanghai, Moskau und St. Petersburg, Mumbai und Bangalore, Stockholm und Seoul, Nicaragua und Honduras und viele andere illustre Orte rund um den Globus kennen die Leipziger Philharmoniker. Und nicht zu vergessen: Wetzlar. Die Stadthalle war am 31. Oktober die jüngste Gastspiel-Station der Leipziger Philharmonie in 46-köpfiger Besetzung und unter der dynamischen Leitung von Maestro Michael Köhler. Eingeladen zu diesem musikalischen Hochgenuss, den sich gut 200 Besucher in corona-gerechter Sitzordnung nicht entgehen ließen, hatte die Deutsch-Österreichische Gesellschaft (DÖG) Wetzlar. Deren Vorsitzender Hans-Jürgen Irmer ließ am Ende eines mitreißenden Konzertes keinen Zweifel an seinem Vorhaben, das Spitzenorchester aus Leipzig in spätestens zwei Jahren erneut in Wetzlar begrüßen und genießen zu dürfen.

Apropos Genuss. Neben den Philharmonikern trug auch der Männerchor "Concordia" 1901 Münchholzhausen mit 30 Sängern unter der Leitung von Matthias Schmidt mit vier a cappella-Vorträgen zum rundum gelungenen musikalischen Erlebnis bei. Und das keinesfalls als eine Art Beiwerk, sondern - und hier ist dem Moderator des Konzertes, dem ehemaligen Leiter der Musikschule Wetzlar, Thomas Sander, zuzustimmen - sozusagen als Sahnehäubchen. Selten, so Sander, habe er einen Männerchor in einer solch ausgezeichneten, lyrisch ausdrucksstarken bis dynamisch zupackenden und klanglich variablen sängerischen Qualität erlebt. Einschließlich seiner drei Solisten Michael Watz, Christian Enders und Jochen Schweickert. Und jeder Chorsatz überzeugte das Publikum mit je eigener "Seele": "Brothers, sing on!" von Edvard Grieg, "Als Freunde kamen wir" in einer hochklassigen Interpretation der bekannten Melodie aus dem Tessin, "Loch Lomond", ein "Traditional" aus Schottland im Arrangement von Jonathan Quick, sowie der Song "Feuerzeug" von der Gruppe "Basta".

Den tschechischen Komponisten Antonin Dvorak stellte Prof. Michael Köhler mit seinen überwiegend jüngeren und jungen Orchestermitgliedern in den konzertanten Mittelpunkt in der Stadthalle Wetzlar. Mit der Sinfonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt" präsentierten die Leipziger Philharmoniker das wohl populärste sinfonische Werk des 1841 in der tschechischen Provinz geborenen und 1904 in Prag verstorbenen Komponisten. Es entstand während des 1983 beginnenden und drei Jahre währenden Aufenthaltes Dvoraks in den USA, wurde in New York komponiert und in der dortigen Carnegie Hall auch uraufgeführt. In seiner 45minütigen und aus vier Sätzen bestehenden Sinfonie lässt Dvorak in unterschiedlichen, von dramatisch bis lyrisch-expressiv reichenden musikalischen Stimmungen, die ihm von Jugend auf bekannte tschechische Volkskunst mit Eindrücken verschmelzen - Moderator Sander nannte dies "amalgamieren" -, die er in Amerika vor allem in indianischen Melodien vorgefunden, aufgenommen, dann aber in neuen originären Themen zusammenfügte.

Das "Lied an den Mond" aus Dvoraks letzter, bekanntester und im Jahr 1900 uraufgeführter Märchen-Oper "Rusalka" zählt zu den wenigen Arien des Komponisten, die wirklich populär geworden sind. In Wetzlar glänzte Rodin Moldovan als Violoncello-Solist in einem melodisch und lyrisch eindrucksvollen Lied. Im Anschluss an den gleichfalls eindrucksstarken Auftritt des Concordia-Männerchores aus Münchholzhausen strebte das Konzert der Leipziger Philharmoniker mit drei ebenso kurzen wie bekannten Stücken nach gut zwei Stunden seinem Ende und dem verdienten und langanhaltenden Applaus zu, zu dem sich das Publikum von den Plätzen erhob.

Franz Lehars 1902 entstandener Konzertwalzer "Gold und Silber" entstand auf Wunsch der Fürstin Pauline von Metternich und fand laut Thomas Sander bei seiner Uraufführung nur wenig Beifall. Das aber hat sich im Laufe der Jahrzehnte völlig gewandelt, denn der Walzer ist bis heute bekannt und beliebt und fand selbstredend auch beim Wetzlarer Publikum großen Anklang. Vor der Zugabe, dem "Radetzky Marsch", komponiert von Johann Strauss (Vater), als mittlerweile aus kaum einem sinfonischen Konzertsparziergang mehr fehlendem, weil vom Publikum gewünschten und erwarteten musikalischen Abschluss präsentierte das erst im Jahr 2000 gegründete Spitzenorchester aus Sachsen ganze drei prall gefüllte Polka-Schnell-Minuten lang das musikalische Abbild eines Sommergewitters, dem sein Schöpfer, Johann Strauss (Sohn), den treffenden Namen "Unter Donner und Blitz" verliehen hatte.

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Franz Ewert

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