Dr. Marc Steinbrecher berichtet bei der DÖG Wetzlar aus einer für Westeuropäer eher unbekannten Weltregion:


Pakistan - Brennpunkt der Weltpolitik

Im Rahmen ihres Jahresabschlusses kamen 100 der insgesamt 360 Mitglieder der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft Wetzlar in der Solmser Taunushalle in den Genuss eines geografisch, politisch, kulturell und historisch hoch interessanten, reichhaltig bebilderten und vor allem rhetorisch brillant präsentierten Vortrages von Dr. Marc Steinbrecher, eines waschechten Pfälzers aus Steinfeld. Seine Reisen in viele Teile rund um den Globus, die jedoch nicht in den Hochglanzbroschüren der Tourismusindustrie offeriert werden, unternimmt Steinbrecher, dabei jeweils in Begleitung seiner fotografierenden Lebensgefährtin Susanne Thüringer, nicht aus Profession, sondern aus Passion. Dabei entstehen stets Bilderschauen von individueller Einzigartigkeit aus fremden und fremdartigen sowie hierzulande eher unbekannten Regionen. Diese manches Mal nicht ungefährlichen Exkursionen liebt das Paar - und nimmt, wie in der Taunushalle, das Publikum in Wort und Bild retrospektiv mit auf diese Abenteuerreisen. In diesem Jahr mit nach Pakistan, dem nach Einwohnern - 221 Millionen - fünftgrößten Land der Erde, das Steinbrecher und Thüringer von Süd nach Nord durchstreiften.

2004 begann das Weltenbummler-Dasein von Marc Steinbrecher, zunächst solo, seit acht Jahren mit Susanne Thüringer an seiner Seite. 85 Länder auf vier Kontinenten - es fehlt Australien - waren seither Ziele im Rahmen seiner "Welterkundung", ausnahmslos weit abseits der eingefahrenen und ausgetretenen Touristenpfade. So auch im Falle der islamischen Republik Pakistan im Vor-Corona-Jahr 2019. Dass Pakistan, wohl noch verstärkt durch die Corona-Pandemie, ein "Nischendasein in der Wahrnehmung" gerade auch aus Sicht der Europäer führt, wird laut Steinbrecher der Brisanz dieses "Brennpunktes der Weltpolitik" zwischen Himalaya und Hindukusch nicht gerecht. Das erst 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen Britisch-Indiens hervorgegangene Land verfügt über die weltweit sechstgrößte Armee, ist seit 1998 Atommacht und hat seit seiner Unabhängigkeit neben zahlreichen Scharmützeln vier Kriege mit dem ebenfalls atombewaffneten Nachbarstaat Indien geführt. Die mit Spannungen verbundene unmittelbare Nachbarschaft zum Iran, zu Afghanistan, China und natürlich Indien verdeutlicht die Brisanz.

Vor diesem politischen Hintergrund und angesichts der großartigen, malerischen und mit Kulturschätzen reich gesegneten Landschaften nahm Steinbrecher sein Publikum mit auf die Reise, die in der zwischen 20 und 30 Millionen Einwohner großen "Megapolis" Karatschi am Indischen Ozean begann, über die zwei Flugstunden entfernte zweitgrößte Metropole Lahore an der indischen Grenze, die erst vor sechs Jahrzehnten auf dem Reißbrett entstandene neue Hauptstadt und "künstliche Kapitale" Islamabad - nahe des alten Rawalpindi - bis nach Peschawar in der geografisch wie kulturell weit von Karatschi oder Lahore entfernten Grenzregion am Hindukusch bis an die Südflanke des Nanga Parbat, dem Himalaya-Berg mit der höchsten Todesrate derer, die ihn zu besteigen suchen, und über den Karakorum-Highway bis an die Grenze zu China führte. Und das, gerade auch im Norden Pakistans, durch "berückend überirdische" Landschaften und eine Welt, in der westliche Besucher laut Steinbrecher noch immer eine große Ausnahme sind.

Der Referent erfreute sich der großen Aufmerksamkeit und des ehrlichen Applauses des Publikums für seinen mit historischen wie aktuellen, kulturellen und politischen Informationen und Zusammenhängen prall gefüllten und in jeder Phase kurzweiligen Vortrag. Dabei ist Marc Steinbrecher für die DÖG Wetzlar kein unbekannter, sondern mittlerweile zum fünften Male gern gesehener und gehörter und mit seinen fesselnden Vorträgen stets willkommener Gast. Auch in diesem Jahr begrüßt und verabschiedet vom DÖG-Vorsitzenden Hans-Jürgen Irmer.

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Franz Ewert

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