Eine globale Strategie ohne Taiwan ist nicht global

Vom 24. Mai bis zum 1. Juni findet die 74. Weltgesundheitsversammlung (WHA) der Vereinten Nationen statt. Im vergangenen Jahr haben Politiker, hochrangige Beamte sowie Parlamentarier weltweit öffentlich dazu aufgerufen, die Teilnahme der Republik China (Taiwan) als Beobachter der WHA zu unterstützen. Doch Taiwans Beobachterstatus ist noch immer nicht zugestimmt worden. Für eine solidarische Bekämpfung globaler Pandemien ist der Beitrag Taiwans unabdingbar.

Frankfurt. Vom 24. Mai bis zum 01. Juni findet die 74. Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA) statt. Die Lage der Pandemie ist noch ernst. Einige Mutanten verbreiten sich stark und zukünftig könnten weitere Viren sich ausbreiten. Die Teilnahme Taiwans an der WHO ist notwendig und dringend, um diese Herausforderungen solidarisch angehen zu können. Das Ansehen der Republik China (Taiwan) ist dank ihres Modells zur Bekämpfung des Coronavirus im Jahr 2020 weltweit stark gestiegen. Das Wirtschaftswachstum Taiwans lag im vergangenen Jahr bei 2,98 Prozent. 2020 haben Politiker und hochrangige Beamte aus gleichgesinnten Demokratien, darunter die USA, Japan, Deutschland und Frankreich, sowie ungefähr 1.700 Parlamentarier weltweit öffentlich dazu aufgerufen, die Teilnahme Taiwans als Beobachter der WHA zu unterstützen. Aber auf Betreiben Chinas ist die Teilnahme Taiwans an Sitzungen, Mechanismen und Aktivitäten der WHO weiterhin stark eingeschränkt und seinem Beobachterstatus noch immer nicht zugestimmt worden. Doch in der globalen Viren- und Seuchenbekämpfung braucht diese Welt Taiwan und Taiwan braucht diese Welt.

Im vergangenen Jahr erklärte der Rechtsberater der WHO, Steven Solomon, jedoch in Bezug auf den Beobachterstatus Taiwans, über seine Teilnahme müsse von den 194 Teilnehmern der WHO entschieden werden. Laut Verfassung der WHO hat aber auch der Generalsekretär der WHO das Recht, Taiwan als Beobachter zur WHA einzuladen.

Erwähnenswert ist Taiwans Beitrag in Zeiten der Pandemie, der die technische Fortschrittlichkeit des Landes beweist. Die Republik nutzt digitale Technologien, wie ein Frühwarnsystem, das Krankenhaus- und Medienberichte sowie Social-Media zur Beobachtung heranzieht; die App „Mask Maps“, die die Verteilung von medizinischen Masken sichern; Handyortung zur Überprüfung der Einhaltung von Quarantänemaßnahmen und ein automatisches Warnsystem für Ärzte und Ärztinnen, wenn diese Personen behandeln, die in den vorangegangenen zwei Wochen aus einem Risikogebiet eingereist sind. Auch zukünftig werden Pandemien den persönlichen zwischenmenschlichen und länderübergreifenden Austausch beschränken. Digitale Technologie spielt in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle bei der Bekämpfung von globalen Seuchen. Taiwan ist willens und in der Lage, sich an der Forschung zur Gesundheitsbekämpfung weltweit zu beteiligen.

Am 27. Oktober 2020 erklärten die Mitgliedsstaaten der EU im Rat der Europäischen Union die Anerkennung des Bedarfs einer starken globalen multilateralen Zusammenarbeit, starker globaler Kapazitäten im Gesundheitswesen sowie einer globalen Reaktion auf die Herausforderungen im Gesundheitsbereich. Global bedeutet weltweit; bedeutet umfassend. Taiwan auszuschließen hieße, dieses Ziel nicht erreichen zu können. Es ist dringend geboten, dass der Generaldirektor der WHO Taiwan als Beobachter der WHA einlädt.

Aktuelle Ausgabe6/2021